Schlagwort-Archive: Armee

§ 19 Von Kriegszeiten und Plünderungen

Von den Wirren des anbrechenden 1-6. Jahrhunderts (Bauernkrieg) hat Grünmettstetten, wie es scheint, nicht viel abbekommen. Rebellische Bauern aus Bittelbronn und Umgebung haben 1525 die Burg von Diessen erstürmt und zerstört. Bei diesem Aufstand waren die Grünmettstetter nicht dabei, da sie ja als Spitalort zu Horb zählten und wohl mit ihrer Führung zufrieden waren. Auch vom 30-jährigen Krieg ist nichts Besonderes überliefert. Doch dann kamen die Franzosen unter dem gefürchteten Plünderer und Zerstörer Melac ins Land und schafften viel Leid. Auch Grünmettstetten blieb nicht ganz unverschont. Am 7. Dez. 1676 starb hier Josef Caprell, gebürtiger Spanier und französischer Quartiermeister, der sich zuvor – gemäß einer Notiz im Sterberegister – ganz ungebührlich im Hause des Schultheißen aufgeführt und Fußtritte ausgeteilt hatte. Der damalige Pfarrer bemerkte dazu: „Non Dominus sed tyrannus“ – er war kein Herr, sondern ein Tyrann!“. Während des spanischen Erfolgskrieges (1701-1714) mußten hier öfters Soldaten einquartiert gewesen sein. In den Taufbüchern steht oft der Zusatz bei Eltern oder Paten; miles (= Soldat) aus dem Regiment des Heerführers von Haidenbrech oder sub regimine Niselbachensi. Am 11. Juni 1704 war sogar eine Soldatenhochzeit in Grünmettstetten: Johann Wackher vom Regiment des Grafen Fugger wurde mit AnnaMaria Klumpp von Heselbach getraut. Nach einer anderen Notiz weilte zu jener Zeit Prinz Eugen, der „edle Ritter“ vorübergehend in Horb und soll auch den Horber Wein versucht haben. Warum sollte er nicht auch einen Besuch bei seinen Truppen, die in Grünmettstetten lagen, machen? Napoleon hatte am Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts ganz Europa zum Kriegsschauplatz gemacht. Vom Franzoseneinmarsch im Jahre 1796 berichtet Pfarrer Nikolaus Brischar von Grünmettstetten wie folgt: „In der Nacht vom 23./24. Juni 1796 sind die Franzosen bei Kehl über den Rhein gesetzt und haben die dortige Besatzung, welche meistenteils aus wirthembergischen Soldaten bestanden ist, teils niedergemacht, teils gefangen und die ganze Reichsarmee zerstreut. Den 3. Juli morgens um 2 Uhr haben sie die Schanz auf dem Kniebis (= Alexanderschanze) mit Sturm genommen und die wirthembergischen Soldaten, die darinnen waren, größtenteils niedergemacht, gefangen und zerstreut. Den 4. Juli morgens 10 Uhr sind sie in Freudenstadt eingerückt, wo die wirthembergischen Soldaten mit Kanonen, mit Sack und Pack davongelaufen sind. Die General der französischen Armee hießen Duheme und Vaudam. Den 7. Juli nachmittags um 4 Uhr kamen zum erstenmal 2 französische Husaren hieher, welche eine große Kontribution von Hafer und Heu nach Freudenstadt ins Lager forderten. Johannes Steimle, Schultheiß. aber hat ihnen fünfzehn Karolinen (das sind = 150 Gulden) dafür bezahlt. Den 9. Juli rückten sie morgens zwischen 9 und 10 Uhr in Horb ein, wo sie ohne allen Widerstand ein großes KK-Habermagazin eroberten und nach Freudenstadt abführen ließen. Weil aber am nämlichen Tage Kaiserliche Husaren in Bildechingen angekommen und dort zwischen diesen und den Franzosen ein Scharmützel vorgefallen, so zogen sie sich in der Meinung, es rücken mehrere KK-Völker an, gleich wieder nach Freudenstadt zurück und nahmen die Herren Michael Schott und Johannes Erath, beide Chirurgies, als Geiseln mit sich, welche den 4. Tag mit 100 Karolinen (= 1.000 Gulden) ausgelöst worden sind. Den 17. Juli, am Skapulierfest, rückten sie wieder in Horb ein. raubten alle Häuser, in welche sie eingedrungen sind, rein aus und plagten die Bürger in Horb entsetzlich. Den 18. Juli morgens schon um 4 Uhr kamen 5, 10, 20 bis 30 Franzosen in unsern Flecken aus dem Lager bei Tumlingen, begehrten Brot und Wein, doch taten sie niemanden etwas zuleid und raubten auch nicht. Zu gleicher Zeit hatten sie noch ein Lager hinter unsenn Seewald auf den Bittelbronner und Diessener Feldern; in dieses Lager mußten wir ihnen Fleisch, Butter,- Brod und Wein in Kiebeln hinaustragen. Zu unsenn größten Glück aber sind sie in der Nacht vom 21./22. Juli aufgebrochen und Stugard zu vorgerückt. Vor der Ankunft der Franzosen war die Furcht und der Schrecken unbeschreiblich groß. Alles war kleinmütig und verzagt, weil man nicht erfahren konnte, wie die Franzosen mit den Leuten umgehen. Anfangs wollte alles fliehen mit Weib, Kindern und den besten Habschaften. Aber nach ehens noch vor der Ankunft der Franzosen hat die hiesige Gemeinde besonders auf mein Anraten beschlossen. daß, wenn der Feind auch hieher kommen sollte, kein Bürger von hier unter Verlust seines Bürgerrechts und alles Vermögens fliehen dürfe. Es hat sich auch wirklich kein Mensch von hier geflüchtet, alle ohne Ausnahme des Geschlechts oder des Alters blieben beieinander zuhause. Und wenn ein oder mehr Franzosen in unsern Flecken gekommen sind, so liefen fast alle Männer und erwachsene Söhne zusammen und empfingen sie höflich, boten ihnen Wein und Brod an, und so waren sie zufrieden und drangen in kein Haus feindselig ein. Aber ganz anders ging es in Horb zu. Der damalige Syndicus Herr Endreß flüchtete mit seiner Familie, und so hatten die Bürger, sich selbst überlassen, gesehen, daher sind die mehresten, ja auch die ärmsten Bürger mit Weib und den kleinsten Kindern geflohen. Dieses Fliehen hat den Horbern einen übergroßen Schaden verursacht. Und sie hatten mehr Furcht und Schrecken auf der Flucht, als wenn sie zuhause geblieben wären, denn der Feind hat sie immer voran bis ins Bayernland gejagt. Unter dieser Zeit legten die Franzosen in Horb ein sehr großes Kernen- und Habermagazin an aus solchen Früchten, welche die ganze Nachbarschaft von Haigerloch, Hechingen, als Kontributionsfrüchte liefern mußte. Dieses Magazin aber, welches aus mehr als 7.000 Mälterle Kernen und ebensoviel Haber bestanden, fiel den österreichischen Soldaten vom Regiment Graf Wallis, welches Regiment zuvor dem Feldmarschall und großen Helden Laudon selig gehörte, in die Hände. Diese österreichischen Soldaten, an welche sich Bauern aus Oppenau und der dortigen Gegend freiwillig anschlössen, kamen den 20. Sept., in der Früh um 10 Uhr über Oppenau und Freudenstadt nach Horb und ein großer Teil dieses Magazins wurde noch an dem nämlichen Tag nach Freudenstadt geführt. Endlich wurde Kehl nach einer Belagerung von 7 bis 8 Wochen von den Österreichischen unter der einsichtigen Leitung des Feldmarschall und Prinzen Karl (eines Bruders unseres glorreich regierenden Kaisers Franziskus des 2.) den 9. Jänner 1797 wieder ero ert. Grünmettstetten, den 20. Jänner 1797 Nikolaus Brischar. In den folgenden Napoleonischen Kriegen mußten die Württemberger unter der französischen Fahne kämpfen: 1806 halfen 14.000 Württemberger Preußen niederwerfen, im Jahre 1809 kämpften 16.000 gegen Kaiser Franz I. und 1832 zogen 14.000 mit nach Rußland, von denen kaum 1.000 zurückkehrten. Auch in den Freiheitskriegen standen die Württemberger noch in den Reihen der Franzosen; erst bei Leipzig trat der württembergische General Normann gegen den Willen seines Königs Friedrich II. auf die Seite der Verbündeten. Aus der Gemeinde Grünmettstetten sind 2 junge Soldaten in Rußland verschollen: Andreas Steimle, geb. 1786, und Johann Steimle, geb. 1786. Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 war auch ein Opfer aus der Gemeinde zu beklagen. Am 30. Nov. 1870 wurde vor Paris der verh. Maurer Xystus Faßnacht, 29 Jahre alt, durch einen Bauchschuß schwer verwundet u. starb noch am gleichen Tag; begraben wurde er im Park des Schlosses von Champigny in der Nähe von Paris.