Stadtarchivarin wirbt fürs Ehrenamt

Stadtarchivarin wirbt fürs Ehrenamt

Das Grünmettstetter Archiv ist eine wertvolle, aber noch weitgehend unerforschte Fundgrube

GRÜNMETTSTETTEN (gaw). Mit dem Umzug des noch weitgehend ungesichteten, offenbar besonders wertvollen Ortsarchivs in die beiden Nebenräume des Sitzungssaales ist ein weiteres Ziel der Rathaussanierung erreicht. Ob die Mettstetter näheres über ihre Chronik erfahren, hängt jetzt von Ehrenamtlichen ab. Dann kommen auch Stadt- und Kreisarchivarin Dr. Renate-Karoline Adler und Rosemarie Zimmermann in Zukunft ins Haus.

Ortsvorsteher Karl Kocheise dankte den Archivarinnen Dr. Renate-Karoline Adler (rechts) und Rosemarie Zimmermann mit Blumen für ihre erste Arbeit rund ums Grünmettstetter Gemeindearchiv.Bild: gaw
 
 


Um gemeinsam mit ihnen zu sichten, zu sortieren, zu verzeichnen und damit ein handfestes Archiv aufzubauen. Denn der Ort habe, was viele nicht hätten, sagte Dr. Adler am Donnerstag im Ortschaftsrat: Bis zu 300 Jahre alte, jetzt schon ganz offensichtlich kostbare Schriften – und wertvolle Archivschränke aus etwa Anfang des 19. Jahrhunderts, die noch heute für diese Zwecke vortrefflich taugen. An der Wand hängt ein Bild des alten Hindenburg und des letzten Württemberger Königs Wilhelm II. Die Räte Dietmar Singer und auch Monika Thomalla halfen beim Umzug. Ortsvorsteher Karl Kocheise denkt dran, in seinem fernen Ruhestand auch „rein zu schauen“. Er dankte im Namen des Orts den beiden Damen auch mit Weihnachtssternen für die große Mühe. Dr. Adler führte am Donnerstag mit Zimmermann auf Einladung des Ortschaftsrates mit punktuellen Erläuterungen in die gestapelten Papiere noch vielmals unbekannten Inhalts ein. Es seien hier schon in etwa die wichtigsten Sachen von den weniger wichtigen getrennt worden. Weiteres Archivmaterial befindet sind andernorts im historischen Gebäude anno 1789/90. Das Archiv sei das „Gedächtnis des Orts“, dessen Wert man sich nicht immer bewusst gewesen sei, wertete Dr. Adler. Zum Glück seien im Grünmettstetten die alten Dokumente nicht weggeworfen worden.

Was zunächst staubig und auf der Bühne lagerte, sei eine „historische Rarität und ein Schatz“. „Stolz“ sei man auf die alten Archivschränke, worin die Schriften „die nächsten Jahrhunderte überdauern können“. Sie wolle dem Ort danken, dass das Archiv repräsentiert werden könne. Etwas Besonderes sei auch, dass es in diesem alten, historischen Gebäude möglich ist. Jedoch: Vieles sei anfänglich nicht aufgeschrieben worden, nur Wichtiges. So ist die Rechnung für den Kirchenbau 1778 zu nennen oder die Baupläne: Jeder Bürger musste damals sechs Tage lang mitarbeiten. 50 Namen sind in der Liste verzeichnet. Der Taglohn betrug 18 Kreuzer.

1806 wurde es anders: Im Königreich Württemberg wurde selbst ein neuer Besen dokumentiert. Es wurde jeder Gegenstand, der in eine Ehe eingebracht wurde, vermerkt – und wer was erbte: „Schriften, die heute kostbare, historische Werke sind“ und beispielsweise zeigen, wie ein Haus eingerichtet war. 1865 ist aufgelistet worden, wie das Wirtshaus „Krone“ ausgestattet war. Sehr differenziert ist die Liste der Gewerbe und damit des wirtschaftlichen Lebens im Ort. Erst im 19. Jahrhundert kamen zur textlichen Beschreibung auch Landschaftskartierungen dazu.

1900 wurde per Erlass festgelegt, dass Ortschroniken zu führen sind. Die Mettstetter taten es nur zehn Jahre, sagte Dr. Adler. Federkiel und Tintenfass stehen auf einem Tisch. Das Inventar der Gemeinde ist so niedergeschrieben, oder die Zahl der jeweiligen Lehrbücher der Schule. An anderer Stelle erzählte Dr. Adler von beschützenden „Bahnwachen“, die mit Beginn des Ersten Weltkrieges vom Ort zu stellen waren, und vom überstürzten Einzug hiesiger Männer vom Feld weg in den Krieg. Tageszeitungen sind im Archiv, wie sie früher jeder Flecken sein eigen nannte. Wer jeweils dokumentierte, weiß Dr. Adler noch nicht zu sagen. In Fragen kommen vor allem Schulheiß oder Lehrer. Dies „aus dem nicht ausgeschöpften Archiv heraus zu holen“ wäre „auch ein Ziel der nächsten Jahre“, sagt sie.

Wonach es den Ortsvorsteher auf der Stelle reizt, wäre zu erforschen, wer nun der Künstler ist, der das inzwischen berühmte Gemälde der Heiligen Katharina von Siena in der Kirche St. Konrad gemalt hat. Das Fresco wurde bekanntlich dort bei der jüngsten Sanierung unter Wandschichten entdeckt. Kocheise hat eine Rechnung darüber in der Hand, die aber nicht weiter helfen konnte. Also ist auch deshalb Recherche das oberste Gebot – am besten jetzt und gleich.

Quelle: gaw, www.neckar-chronik.de, 4.12.2004

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