§ 14 Vor Blitz, Hagel und Ungewitter.

§ 14 Vor Blitz, Hagel und Ungewitter.
Harmloses Tagegespräch Nummer eins war, ist und wird bleiben das
„Wetter“. Wenn man sonst nichts weiß, fängt man vom Wetter an.
Im Folgenden soll auch vom „Wetter“, besser gesagt, vom Unwetter
die Rede sein. Eigenartig, wie solche Unwetterkatastrophen, Hagel-
schlag, Überschwemmung, Erdbeben, Schnee und Kälte, Blitz und Dürre,
im Gedächtnis der Menschen haften bleibt.
Fangen wir mit dem „Blitzen“ an. Schon mancher Blitz ist in
der langen Geschichte des Dorfes herniedergefahren und mancher Don-
nergroll hat das Steinachtal erfüllt. Doch nur von 3 bedeutenden
Blitzschlägen ist Näheres überliefert. Am 23. Mai 1882 wurde
der ledige Wegknecht Josef Dettling (62 Jahre alt) auf der Straße
nach Bittelbronn, am Respwäldle, vom Blitz getroffen. Er hatte
unter einer Tanne Schutz gesucht. Unmittelbar vorher hatten
mehrere Kinder bei ihm unter derselben Tanne Schutz gesucht, wur-
den aber vom Wegknecht weggejagt. „So wurde er für sie zum Schutz-
engel“, wie Pfarrer Leser in der Chronik schreibt. Heute noch steht
ein allerdings verwitterter mit schlecht leserlicher Inschrift ver-
sehener Gedenkstein dicht hinter dem Kreuz von Martin Schäfer im
„Espenloch“. Ein 2. Blitzschlag ist vermerkt unter demselben
Datum, dem 23. Mai des Jahres 1909 (Sonntag vor Pfingsten). Abends
7 Uhr 10 Minuten schlug, während in der Kirche der Rosenkranz
gebetet wurde, der Blitz in den Kirchturm und deckte teilweise
das Turmdach ab. Einige Balken des Dachstuhls, besonders die
eichene Königssäule und ein Teil des Glockenstuhles wurden zer-
trümmert. Der Blitz fuhr dann herunter in das Erdgeschoß und zer-
störte die unterste Treppe und suchte durch die meterstarke Mauer
seinen Ausgang. Glücklicherweise zündete der Strahl nicht. Unter
den im Gotteshaus Versammelten entstand eine gewaltige Panik. Alles
verließ sofort die Stühle und drängte den Türen zu, von denen
jedoch, da sie nach innen sich öffnen, je nur ein Flügel aufge-
macht werden konnte. Der Schaden, den die Katastrophe anrichtete,
wurde von der Schätzungskommission der Feuerversicherung auf
641 Mark berechnet. Um einem ähnlichen Unglück womöglich in Zu-
kunft vorzubeugen, wurde an der Kirche ein Blitzableiter ange-
bracht und neue Türen wurden an den Portalen eingesetzt. Beinahe
wäre eine ältere Frau damals beim Verlassen der Kirche zertrampelt
worden, sie starb etwas später an den Folgen dieses Unfalls.
Am Weißen Sonntag des Jahres 1952 wurde abends gegen 5 Uhr
mit allen Glocken geläutet. Ein schweres Gewitter war über das
Steinachtal gezogen. Das Haus des Josef Kaupp bei der Säge (Alt-
heim) wurde vom Blitz getroffen und stand in hellen Flammen. Die
Grünmettstetter Feuerwehr war als erste am Brandplatz und hat sich
bei den Löscharbeiten bestens bewährt.
Der erste Hagelschlaq ist erwähnt aus dem Jahre 1613.
Am 8. Juni, dem Fest des hl. Medard, herrschte ein solch heftiger
Hagelschlag, daß alle Feldfrüchte total vernichtet wurden. Von
dieser Zeit an wurde am Fest des hl. Medard eine Flurprozession
eingeführt. Heute noch ist im Gemeindehaushaltsplan für diesen
Flurgang der Posten von 2.–Mark eingesetzt. Wann dieser Brauch
sein Ende fand, läßt sich nicht sicher sagen, wohl erst nach der
Jahrhundertwende. Am 6. April 17/8 gab es ein sehr hartes Donner-
wetter mit starkem Hagel, ebenso am 7. April. Zwei Tage darauf
erneut ein überaus fürchterliches Donnerwetter, daneben angenehmstes
Frühlingswetter (Der April macht, was er will!).
Vom 20./2l. Juni 1803 gab es ein fürchterliches Hagelwetter. Die
Frucht, besonders auf dem Killberg, hat Totalschaden genommen.
Fast alle Fensterscheiben waren zertrümmert, auch die Kirchen-
fenster. Daraufhin wurde die Aloisius-Betstunde eingeführt, von der
heute niemand mehr etwas weiß. Schon wieder ein Jahr später wurde
die Gemeinde schwer heimgesucht. Am 27. Juni 1804, nachmittags
zwischen 3-4 Uhr, ging ein großes Hagelwetter, vor allem im Wirr-
stall, nieder, sodaß viele Äcker, auch besonders die Pfarräcker,
nicht den Schnitterlohn wert waren. Ebenso herrschte am 30. Juli
1873 ein furchtbares Unwetter mit Hagelschlag. Der Sturm kam vom
Bittelbronner Friedhof her. ging über den Grünmettstetter Friedhof
hinweg in Richtung Altheim – Untertalheim und richtete in Wald und
Feld (Murgental, Burrain, Killberg) am Sommerösch großen Schaden
an. Dasselbe wiederholte sich am 29. Juli 1892. Das letzte große
Hagelunwetter war am 29. Mai 1931, ein paar Tage, bevor Pfarrer
Adolf Heinzmann in Grünmettstetten auf zog. Gras und Saat war zu-
sammengequetscht am Boden, die Bäume standen kahl wie nach einem
grimmigen November stürm. Vor allem wurden die jungen Obstkulturen
vernichtet. Fast alles Getreide mußte gekauft werden. Obst gab
es nicht.
Von Hochwasser und Überschwemmungen blieb im Großen und Ganzen
der Ort verschont. Doch mußte Pfarrer Steinwand berichten, daß
„am 23. Januar 1781 dahier ein solch großes Gewässer angeloffen
sey wie nie seit Menschengedenken. Bei diesem großen Wasser, –
heißt es in der kurzen Notiz – wurde ich abends 4 Uhr berufen, die
Agatha Singerin, die Hausfrau des Johannes Dettling. zu versehen.
Dies vollbringen zu können, mußte der Pfarrer samt dem Mesner
sich der Pferde bedienen“. – Am 14. Juni 1876 schrieb Pfarrer
Leser, damals noch Pfarrverweser dahier, in die Chronik: „Zwischen
11 und 12 Uhr fiel ein wolkenbruchartiger Regen. In kurzer Zeit
waren die Straßen Wasserströme geworden, sodaß Leute, die vom
Felde heimeilten, nicht zu ihren Wohnungen kommen konnten.
64 Gänse kamen um und unter Tränen aßen am ändern Tag. dem Fron-
leichnamsfeste, die Weiber von Grünmettstetten Gänsebraten“.
Im Frühjahr 1893, um Lichtmeß, gab es in Grünmettstetten und Bit-
telbronn Hochwasser, sodaß einige Bauern mit ihrem Vieh ausziehen
mußten. Das Wasser richtete an Straßen und Feldern großen Schaden
an. Und schließlich wurde am 13. Juni 1925 durch 2 Wolkenbrüche
mit Hagelschlag das ganze Wiesental überflutet.

§ 13 Jugend kennt keine Tugend

§ 13 Jugend kennt keine Tugend
„Teenager“ ist nur ein modernes Wort. Exportartikel aus Amerika.
Was damit gemeint ist, ist schon immer gewesen; das „Halbstarken-
problem“. Früher hat man von „Flegel jähren“ und von „Backfischen“
gesprochen, und noch früher von der „ledigen War“ und dem „Ziefer“,
das den Alteren soviel Kummer und Sorgen bereitete. „Ja, früher
war es anders, so was hätten wir nicht tun dürfen…“, so hört man
aus dem Mund der älteren Generation. Und wie war es wirklich? Auch
vor hundert Jahren war dieselbe Misere mit der Jugend, die keine
Tugend kennt, die gerne über die Stränge schlägt. Gewiß haben die,
von denen hier das eine oder andere berichtet wird, einst als
Erwachsene auch ihren Kindern (die heute schon wieder Urgroßvater
u. -mutier sind oder wären, falls sie noch lebten) Vorhaltungen
gemacht über das, was die Jugend heute treibe im Gegensatz zu dem,
was sie nicht getan haben oder hätten tun dürfen. Aber seien wir
ganz ehrlich: „Der Apfel fällt nicht weit vom StaromI“ Keiner kann
seine Abstammung verleugnen.

Wie schon anläßlich der Lichtkerzen bemerkt wurde, gab es vor mehr
als hundert Jahren hier ein sogenanntes „Sittengericht“, der offizielle
Name war „Kirchenkonvent“. Da es auch in den evangelischen Dörfern der
Umgebung solche Kirchenkonvente gab, ist wohl anzunehmen, daß die
Einführung dieses Richtergremiums auf königlichen Befehl zurückgeht.
An der Spitze des Gerichtes stand der jeweilige Pfarrer und der Schult-
heiß, dazu gehörte noch der Heiligenpfleger und 2 aus der Gemeinde be-
stimmte Männer als Beisitzer. Sie hatten auf Sitte und Moral zu achten,
bei Verstößen die Betreffenden zu rügen und zu strafen, schwerere Ver-
gehen mußten sie dem Oberamt weitermelden, ebenso Rückfällige. Zum
erstenmal trat dieses Gericht am 2. Okt. 1831 unter dem Vorsitz des da-
maligen Pfarrverwesers Neß zusammen: Mitglieder des Konvents waren:
Schultheiß Sayer, Gemeindepfleger Steimle, Nikolaus Steimle und Hei-
ligenpfleger Faßnacht. Einmal im Monat versammelte sich der „Hoherat“.
Nur ganz selten gab es nichts zu verhandeln. Immer wieder heißt es:
„Es ist in Erfahrung gebracht worden, daß….“. Vielfach kamen auch
die Frauen und führten Klage über ihre Männer, manchmal war es umge-
kehrt und der Mann beklagte sich über seine bessere Ehehälfte. Daß
es bei diesem häuslichen Ehezwist auch ganz handgreiflich zuging
und daß man sich gegenseitig in den Haaren lag, bekamen die Herren
oft zu hören. In den meisten Fällen gelang es, den häuslichen Frieden
wiederherzustellen, nachdem man beiden ganz ordentlich die „Leviten
verlesen“ hatte. Den meisten Stoff für die Gerichtssitzungen bildeten
zweifelsohne die häufigen Schul Versäumnisse bei den Werktags- wie
auch bei den Sonntagsschülern. Verwarnungen wurden wenig ausgesprochen,
wahrscheinlich weil sie wenig fruchteten, häufiger wurden Geldbußen
verhängt, am meisten aber wurden Freiheitsstrafen von mehreren Stunden
oder auch Tagen Arrest angeordnet.
Nun zurück zu den Delikten der Jugendlichen! Unterm 6. Juni 1832
wird gesagt; „Das herdenweise Auslaufen der Jünglinge und Mädchen und
das Zusammensitzen im Walde an Sonn- und Feiertagen abends konnte dem
Kirchenkonvent nicht entgehen…..“. Am 14. August 1834 ging es um
das Johlen, Lärmen und Schreien zur Nachtszeit, auch noch räch der
Polizeistunde. Darum wurden alle ledigen Personen männlichen Ge-
schlechts vor den Konvent gerufen und ihnen mit allem Ernste und Nach-
druck zu bedeuten gegeben, daß solcher Unfug in Zukunft aufhören müsse.
Die Scharwächter (Nachtwächter) wurden verpflichtet, jeden nächtlichen
Unfug bei Verlust ihres Dienstes ohne Rücksicht pflichtgemäß anzuzei-
gen. Am 23. Juli 1840 wurde im Orte das Erntedanksagungsfest gefeiert.
Dabei gab es wohl Ausschreitungen. Daraufhin wurde vom Kirchenkonvent
beschlossen,“die erwachsenen Töchter unter strengere polizeiliche Auf-
sicht zu stellen und streng zu verbieten, daß die ledigen Weibsper-
sonen nach der Betglocke herumschwärmen dürfen“. Am 7. Febr. 1843
stand eine Beschwerde des Provisors auf der Tagesordnung, seine Sonn-
tagsschüler hätten die Aufgaben teils zu schlecht und teils garnicht
gelöst. Weil er die Aufgaben genau besichtigt und mit einer Anzeige
gedroht habe, so hätten die Burschen sich gegen ihn unangenehm ge-
äußert und ihre Schreibhefte zerrissen. Weiter hätten sich die Grös-
seren geweigert, das Formular, das er an die Tafel geschrieben habe,
abzuschreiben und hätten damit ihm, dem Provisor, den Gehorsam auf-
gekündigt. Sämtliche Schüler wurden zitiert, die Sache untersucht:
2 bekamen 12 Stunden Arrest, weitere 5 je 8 Stunden. Andere junge
Burschen störten in den Weihnachtstagen 1843 den nachmittägigen Got-
tesdienst. Weil sie zudem noch frech gegen den Pfarrer waren, wurden
sie mit einem Arrest von 3 Stunden belegt, weil sie diese einer
gnädigen Geldstrafe von 6 kr vorzogen.
Im Mai 1844 wurde angezeigt, daß die ledigen Personen auf ihren
Spaziergängen an Sonn- und Feiertagen schmutzige, der Sittlichkeit
zuwiderlaufende ärgernisgebende Lieder singen und so die Straßen
durchschwärmen, daher wurde beschlossen…… . Am 21. Juli 1850 mußte
wieder der Provisor Sträub sich beklagen. Was was geschehen? Während

des Rosenkranzgebetes in der Kirche war dem Lehrer zweimal
auf die Schulter gespuckt worden, obwohl er mitten auf dem Chore
stand. „Vermöge seines Standpunktes könne es nicht etwa aus Unvor-
sichtigkeit geschehen sein, sondern nur aus reiner Bosheit. Als
derselben verdächtig erscheinen nach Straubs Angabe: Josef Wehle.
Georg Fritz und Georg Klink. Dieselben wurden – heißt es im Pro-
tokoll weiter – vorgerufen und ihnen das Bubenhafte ihres Beneh-
mens verwiesen, womit Provisor Sträub sich zufrieden erklärt, in-
dem er darauf verzichtet, daß sie gestraft werden“. Ja, damals hat
es öfters „gespuckt“. Provisor Sträub wollte es anscheinend nicht
ganz verderben mit seinen Sonntagsschülern und darum sollten die
„Spucker“ straflos ausgehen.
Pfarrverweser Schibel mit Schultheiß Steimle und den übrigen
Beisitzern des Kirchenkonvent beschloß am 13. Aug. 1835: „alle
Tanzmusiken an Sonn- und Feiertagen werden in den sämtlichen Wirts-
häusern der hiesigen Schultheißerei untersagt, teils wegen Enthei-
ligung des Sonntags, teils wegen zu befürchtenden Händel und
Schlägereien usw. Die Kirchweih und Fastnacht macht hier eine
Ausnahme. Bei diesem gefaßten Beschluß will man für die Zukunft
beharren und jedes Ansuchen der Wirte um Erlaubnis zu Tanzereien,
auch wegen dem wirklichen und wahrscheinlich auch künftigen Geld-
mangel, abweisen“. Das mag ein schwerer Schlag für die Jugend
wie auch für die Wirte gewesen sein, doch Gesetze werden gegeben,
damit sie übertreten werden. Und zudem: was verboten ist, reizt
noch mehr! Spätere Protokolle zeigen deutlich, daß dieses Verbot
oft und oft übertreten wurde.
Ein Protokoll vom 6. Mai 1838 lautet: „Vermöge einer Ein-
klage des Königlichen Pfarramts Tumlingen, daß Christian Kreidler
mit einem Wagen Holz am Ostertag nachmittags 3 Uhr durch Tumlingen
gefahren, wurde derselbe vor das Pfarramt citiert, ist aber nicht
erschienen. Der Schütz hat erklärt, daß er auf dem Bett gelegen
im Vorgeben einer Unpäßlichkeit, dessen ungeachtet hätte er den-
selben abends 10 Uhr im Adler getroffen. Der Vater erschien nun am
6. Mai und gab vor, daß sein Sohn nicht erscheinen könne, weil er
keine Stiefel und Schuhe hätte, dies auf wiederholte Vorladung des
Sohnes. Dem Vater wurde auf getragen, seinen Sohn sogleich anhero
zu senden. Dieser erschien und brachte über das obige Vergehen am
Osterfeste und über das Nichterscheinen vor dem Kirchenkonvent den
30. April ganz unannehmliche Gründe vor, daß sein Pferd das Grimmen
bekommen, deswegen er nach Hause hätte eilen müssen, daß er keine
Schuh gehabt und unwohl gewesen und deshalb nicht auf den 30. April
hätte erscheinen können. – Daher beschlossen, denselben für sein
Vergehen gegen Subordination, nämlich der Nichterscheinung vor dem
Kirchenkonvent und seine rohe Ausdrücke mit 24 Stunden Arrest, für
seine unverschämte Frechheit des Durchfahrens mit einem Holzwagen
durch Tumlingen am Osterfeste mit 48 stündigem Arrest zu belegen“.
Also, volle 3 Tage saß dieser jugendliche Sünder im Kittchen.
Nebenbei sei bemerkt, daß in den Jahren 1840 – 1860 das Dorfarrest
laufend belegt gewesen sein muß, wie es aus den Protokollen jener
Jahre zu entnehmen ist. Schon längst hat das Ortsarrest keine
Insassen mehr gefunden, sodaß es kürzlich ausgeräumt und in einen
Dienstraum für die Gemeindepflege (1963) umgestaltet wurde.
Als Letztes aus den Kirchenkonventsprotokollen sei ein Fall
von sogenannten „Ehe-dissidien“ (d.h. Ehezwist) genannt. Schillers
guter Rat: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zu
Hersen findet“ scheint nicht immer beachtet worden zu sein. In den
meisten Fällen ist es dem Kirchenkonvent gelungen, die Ehe zu retten
und beide Ehehälften miteinander wieder zu versöhnen. Nun eine
dieser Ehegeschichten, wie sie unter dem 23. März 1834 in Gegen-
wart des Pfarrverwesers Schibel, des Schultheißen Sayer, des Gemeinde-
pflegers Steimle, des Heiligenpflegers Faßnacht und des Gemeinde-
rates Nikolaus Steimle verhandelt wurde.

„Anna Weihing, Eheweib des Johann K.. erscheint nun zum drittenmal
und klagt bitterlich, daß ihr Mann, trotz der Vorstellungen und Dro-
hungen und Ermahnungen von seiten des Kirchenkonvents, dennoch fort-
fahre, sie und die 2 kleinen Kinder aus der 2. Ehe zu mißhandeln,
mit Schlägen, Drohungen, mit rohen groben Schimpf reden. Fluchen und
Sakramentieren vor den Kindern Ärgernis und böses Beispiel zu geben.
Ferner zeige ihr Ehemann gar keine Liebe mehr gegen sie und geqen
die 2 kleinen Kinder, gönne ihnen weder Kost noch Pflege, alles sei
zuviel, was die Mutter den Kindern tue, das kleinste Kind habe er,
da es geschrieen, mit der Kappe auf den Mund geschlagen unter
Ausstoßen von Verwünschungen gegen das unschuldige Kind. Weil die
Ehefrau so vielen Verdruß, Angst und Kummer in dem Hause ihres
Mannes habe und sie vielen Plagen und Mißhandlungen ihres launen-
haften Mannes ausgesetzt sich sehe, so könne sie unmöglich mehr
bei demselben bleiben, sei aus dieser Ursache schon öfters entlaufen,
nur um Mißhandlungen und Schlägen zu entgehen. Sie weigere sich,
wenn ihr Mann sich nicht bessere, die Ehe künftig mit ihm fortzu-
setzen“ (Die Klägerin wie auch ihre Mutter, die ebenfalls erschienen
war, unterschreiben das Protokoll mit 3 Kreuzchen, da sie schreib-
unkundig sind). Johann K.wurde vernommen, was er gegen obige An-
klagen einzuwenden habe, er konnte aber durchaus nichts dagegen
vorbringen. Der Kirchenkonvent hat sich, wie es aus den vorange-
gangenen Protokollen zu ersehen ist, alle Mühe gegeben, um Ein-
tracht und Frieden in diese zerrüttete Ehe zu bringen, und auch
ist der Beschluß des Kirchenkonvents vom 2. Febr. d.J. vollzogen
worden. K. wurde mit 2 Stunden Arrest belegt, weil er der Ursächer
ist, daß sein Weib aus Furcht und Angst sich wiederum von ihm ent-
fernt habe. Da aber der Ehemann sich vor seinem Weibe schon einige-
male geäußert hat, er frage nach dem Schultheißen und Pfarrer nichts,
und sie sollen seinen Kindern zu essen geben, statt sie beide vor
den Kirchenkonvent zu laden, so glaubt der Kirchenkonvent, daß
alle Vermittlung, Ermahnung, Zurechtweisung vergebens seien und
übergibt deswegen einer höheren richterlichen Behörde , dem
Königlichen Hochlöblichen Oberamtsgericht Horb, die Beschwerden
und Klagsachen der Eheleute zur Entscheidung. Daß diese Ehe nicht
in die Brüche ging, zeigt ein Blick ins Fan-iilienregister, wo
10 Kinder vermerkt sind, 7 davon kamen erst nach obigem Stiri-t zur
Welt. Nach 30-jähriger Ehe (vielleicht auch 30-jährigem Krieg)
starben beide Gatten kurz nacheinander. Ihre Urenkel, die heute
im Dorfe verheiratet sind, wissen wohl nichts von diesem Ehekrach.
Mit diesem letzten Fall sei das alte Kirchenkonventsprotokollbuch
aus den Händen genommen und zur Seite (ad acta) gelegt.

§ 12 Von der Lichtkerze und vom Spinnen

§ 12 Von der Lichtkerze und vom Spinnen
Erst seit rund 50 Jahren gibt es bei uns im Dorf elektrischen Strom
und elektrisches Licht. So bequem wie wir hatten’s unsere Ahnen
nicht. Da mußte jeden Tag bzw. Abend die Erdöllampe hergerichtet
werden oder die Stearinkerze, die notdürftig im Winter die Stube
oder die Küche erhellte. Im Sommer konnte man das Licht entbehren:
wenn es nacht wurde, ging man zu Bett u. morgens in aller Frühe
ging man an die Arbeit. Wenn aber die langen Winterabende kamen.
war es nicht so einfach. Arbeit fehlte auch im Winter nicht. Tags-
über war man in der Scheuer beim Dreschen mit dem Dreschflegel,
beim Strohbändermachen oder beim Besenbinden. Abends aber wollte
man noch ein paar gemütliche Stunden in der Gesellschaft zubringen.
Eigentlich waren die Familien selber groß genug, um sich zu unter-
halten und Spiele miteinander zu machen: aber schöner und reizender
war es, zum Nachbar in die Stube zu gehen, heute hier und morgen dort
und am ändern Tag in der eigenen Stube. So saß man beisammen beim
kleinen Schein der Kerze oder Öllampe, die Frauen hatten ihr Strick-
zeug oder Leinen bei sich. die Männer rauchten ihre langen Pfeifen
und die ledige War‘ vergnügte sich bei diesem oder jenen Spiel.
Was man sich während der strengen Arbeitsmonate nicht erzählen
konnte, das konnte man bei diesen „Licht-abenden“ gründlich nach-
holen: jedes wußte von jedem etwas. Noch ein kleiner Rest von diesen
früheren regelmäßigen Lichtabenden ist geblieben bis auf unsere Zeit
in den gelegentlichen Zusammenkünften bei den einzelnen Familien:
„man geht z’Liicht“. Daß früher diese abendlichen und nächtlichen
Zusammenkünfte auch zum Teil ausarteten, kann man sich denken. So
war es begreiflich, daß die geistliche und weltliche Obrigkeit im
Dorfe gegen die Mißbräuche ihre Stimme .erheben mußten. In den
Kirchenkonventsprotokollen von 1831 – 1860 wird oft Klage darüber
geführt. So ist zum Beispiel unterm 2. Jan. 1837 zu lesen: „Zur
Handhabung der sittlichen Ordnung wurde beschlossen, die Reskripte
der Höheren Behörde (die Verbote der Lichtkerzen und Spinnstuben
betreffend) strenge zu vollziehen. Demgemäß wurden nächtliche Visi-
tationen angestellt und die betreffenden Personen abgestraft. Um desto
eher durchzugreifen, suchte der Ortspfarrer in Begleitung eines der
Gemeinderatsmitglieder besondere Visitationen anzustellen, nachdem
er dieses Verbot von der Kanzel verkündet und auf die traurigen

Folgen aufmerksam gemacht. Dessen ungeachtet fand sich ein solches
lediges Gesinde in einem Privathause. Bei einer wiederholten Visi-
tation am 29. Dez. 1836 ergab sich, daß bei Annäherung der Visitations-
personen zu dem Hause die Läden geschlossen wurden. Auf die Bitte,
man möchte das Haus öffnen, bediente sich die älteste Tochter R. der
rohesten Ausdrücke. Man gab ihr zu verstehen, wenn sie nicht auf-
mache , würde die Sache dem Oberamt angezeigt, darauf von innen die
Antwort: „Das sei ihr egal, sie frage nichts darnach, sie mache eben
nicht auf!“ Für diese Frechheit bekam sie dann eine Freiheitsstrafe
von 24 Stunden im Ortsarrest.
10 Jahre später, unter Pfarrverweser Ruetz, mußte wiederum ener-
gisch eingeschritten werden. Am 24. Febr. 1849 befaßt sich der Konvent
erneut mit der „Lichtkerze“: „…..abgesehen davon, daß der leicht-
sinnige Teil des weiblichen Geschlechtes oft bis spät in die Nacht
hinein sündhaften Zusammenkünften nachläuft, ärgerliche Lieder singt,
wovon sich jedermann an den Sonn- und Festtagen überzeugen kann,
besteht hier eine Sitte, die in beweinenswerter Weise Liederlichkeit
und Verderben unter der Jugend verbreitet, das Auslaufen der ledigen
Weibspersonen in die Lichtkerze und Zusammenkünfte in gewissen
Häusern und Familien, bei denen dergleichen Ärgernissen mit Freuden
Tür und Tor geöffnet wird. Dieser Unfug erstreckt sich nicht bloß
auf die Erwachsenen, sondern auch auf die Sonntagsschulpflichtigen.
Niemanden ist unbekannt, was in diesen Lichtkerzen geschieht, und
mehr noch bei dem Nachhausegehen oder Nachhauseführen in später Nacht.
Jedermann weiß, daß Arbeit Nebenzweck, dagegen zweideutiger Umgang,
Befriedigung sündhafter Lust Hauptzweck ist und wer daran zweifeln
sollte, dem würde ein auch nur oberflächlicher Blick in die Tauf- u.
Familienregister die Wahrheit des Gesagten unumstößlich dartun.Die-
sen Übelstand einsehend haben auch schon die Hohen Behörden die Licht-
kerze zu wiederholten Malen amtlich verboten und es sind in dieser
Beziehung sowohl an die untergeordneten Behörden als auch an die
Kirchenkonvente die strengsten Weisungen ergangen. Das Pfarramt kann
nicht umhin‘ dem Kirchenkonvent auch diesen Gegenstand zur Beratung
und zur Ergreifung geeigneter Maßregeln zu unterstellen. Derselbe
beschließt: jede ledige Weibsperson, die nach der Betglocke noch außer
dem Hause auf der Straße getroffen wird, ohne daß sie über die Not-
wendigkeit ihres Ausgangs sich auszuweisen vermag, wird mit Arrest
bestraft und zwar Sonntagsschülerinnen doppelt. Jeder Familienvater,
der wissentlich Lichtkerzen in seinem Hause duldet, ist vor den Kir-
chenkonvent zu rufen, nach Befund mit Geld oder Arrest zu bestrafen,
im Wiederholungsfalle dem Königlichen Oberamte zu weiterer Verfügung
anzuzeigen.“
Neue Besen kehren gut, sagt das Sprichwort. Pfarrverweser Ruetz,
der kurz zuvor in die Gemeinde kam, hatte in den Akten feststellen
müssen, daß z.B. im Jahre von den 46 Geburten nicht weniger als
16 uneheliche Kinder waren. Sieben solcher unehelicher Kinder kamen
hintereinander auf die Welt. 1844 waren 29 eheliche und 7 uneheliche
Kinder getauft worden.
Schon zu sehr hatte sich die Lichtkerze eingebürgert, als daß
sie hätte unterbunden werden können. Man ging weiterhin zur Licht-
kerze und nahm das Risiko einer Bestrafung auf sich. So ging es
am 28. Jan. 1861 auch den 14 Burschen und Mädchen, die bei der Licht-
kerze angetroffen wurden und dafür nun je 12 Stunden zu „brummen“
hatten. Die späteren Protokolle haben kaum mehr die Lichtkerze
zum Inhalt. Entweder stellten sich die Lichtkerzen in ein besseres
„Licht“, oder haben die Behörden ihren Kampf erfolglos aufgegeben.
Die Wahrheit wird hier wohl in der Mitte liegen!

In den Lichtstuben wurden nicht bloß „geratscht“, gesungen und ge-
spielt, man hat auch nützlich die Zeit verbracht: die Mütter und
Frauen saßen am Spinnrädchen und Spinnrocken. Alle Wäsche und alle
Kleider, die man trug, die Bettücher, Handtücher, alle Säcke, die
Aussteuer der Töchter, gar alles wurde selbst verfertigt. Auch die
Stricke und Stränge für die Pferde waren eigenes Erzeugnis. So baute
jeder Bauer auf mehreren Äckern Hanf und Flachs an. Aus Hanf wurden
die groberen Gewebe hergestellt, feines Leinen aus Flachs. Die Flachs-
bereitung ist sehr mühsam und das eigenste Geschäft der Frauen und
Mädchen. Sobald der untere Teil des Stengels gelb wird und die Blät-
ter abfallen, wird der Flachs „gerauft“, d.h. samt der Wurzel aus der
Erde gezogen. Der ausgezogene Flachs wird geriffelt, geröstet, ge-
brochen, geschwungen, gehechelt, gesponnen, gehaspelt, gewoben, die
Leinwand schließlich gebleicht und zum Teil gefärbt. Zum Trocknen
und Rösten wird der Flachs auf dem Feld ausgebreitet, gedörrt meist
in Dachstuben oder Backöfen, auch in der Nähe von offenen Feuer-
stellen draußen in den sogenannten Brechlöchern. In Grünmettstetten
gab es 4 solche Stellen, wo die Frauen zum Flachs- und Hanf brechen
zusammen kamen: das eine Brechloch befand sich in der Nähe des Fried-
hofs, ein zweites bei Schreiner Saier, ein weiteres in der Kohlgrub
und das letzte an der Straße nach Tumlingen. Dort gab es auch man-
chen Spaß, vor allem, wenn ein vornehmer Herr am Brechplatz vorüber
ging. Eine Brecherin nahm eine Handvoll Werg. das Abfallprodukt vom
Hecheln, und trat vor den Herrn hin, breitete das Werg vor ihm aus
mit folgendem Spruch: „Dem Herrn tritt ich für,
3 Batzen sind nicht viel,
Krieg ich mehr,
ist mir ein‘ Ehr.
Krieg ich nix.
so wünsch ich dennoch Glücks
dem Herrn für alle Ziel,
daß ihm nichts Böses gschieht“!
Auf diesen Spruch hinbekam dann die Zettlerin ein Geldgeschenk.
In der Winterszeit wurde nun in den Spinnstuben das Garn gesponnen
auf der Spindel oder dem Spinnrad. Wenn es soweit war, hatten die
Weber im Dorf die Hände voll zu tun. Wie schon erwähnt, gab es ver-
schiedene Weber im Dorf. Heute noch mag in manchen alten Bauern-
truhen selbstgewobenes Leinen lagern, als letztes Erbstück und Er-
innerung aus Urgroßvaters Zeiten. Auch das Spinnrädlein hat heute
in der modernen Wohnung des Traktorbauern keinen Platz und keine
Berechtigung mehr. Schade, daß die Frauen nicht mehr spinnen!

§ 11 Von schönen Kleidern und alten Bräuchen

§ 11 Von schönen Kleidern und alten Bräuchen
Der Volksmund sagt: „Rot und blau gibt ’ne schöne Bauersfrau“. Das
war einmal. Heute gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Stadt
und Land: auch das Land ist „städtisch“ gekleidet. Schade, daß die
Trachten immer mehr aussterben. Nur noch gelegentlich eines Festes
treten die Trachtengruppen auf und sie werden wegen ihres Gewandes
vielmals bestaunt. Bei den Landfrauen hat sich die ursprüngliche
Volkstracht länger erhalten, in den Gäugemeinden finden wir noch
vereinzelte Trägerinnen, in den Schwarzwaldtälern (Schapbach,
Wolf ach) sind die Trachten noch Festtagsschmuck. Die Männer haben
weit früher ihre „Lederhosen“ ausgezogen. Der Dorfälteste Oswald
Walz (geb. 1873) erinnert sich aus seiner frühesten Jugend nur noch
an einen Trachtenträger, Konrad Kaupp = Urgroßvater von
Konrad Kaupp). Wilhelm Neff (gest. 1950)hat sich sehr um die Er-
haltung der alten Dorfkultur eingesetzt. Er schreibt in seinen
Grünmettstetter Notizen, die zum Teil in der Heimatbeilage der Horber
Zeitung einstens abgedruckt wurden: „Die Grünmettstetter Bauerntracht
hatte bei den Dornstetter, Nagolder und Horber Bauerntagen sowie
auf der Trachtenschau in Stuttgart allgemeine Bewunderung erregt.“
Lassen wir Wilhelm Neff selber zu Wort kommen: „Unsere Großväter
als echte Schwarzwaldbauern trugen am Sonntag schwarze, teils auch
gelbe Lederhosen mit Halblangstiefeln, weiße Strümpfe oder lange
schwarze bzw. blaue Strümpfe mit Schuhen, rote oder schwarze samtene
Westen mit Rollknöpfen aus Blei, manchmal auch vergoldet oder ver-
silbert, je nach Vermögen: ferner langen Blaurock mit Talerknöpfen
und roter Fütterung, weißes Hemd mit aufrechtem oder umgelegten Kragen,
ein schwarzseidenes Halstüchlein und einen großen schwarzen Randhut
anstelle des früheren Dreispitzes.
Die Frauen trugen weiße Strümpfe, schwarze lange Tuchröcke
sowie schwarze, rote, braune, grüne, blaue (je nach Festtag) Mützen,
mit gelösten Bauschärmeln, dazu einen Schurz. Als Kopfbedeckung
trugen sie eine große schwarze Radhaube mit verschiedener Zierung.
Ganz früher waren die schön verzierten Schappeln Mode, vor allem
war die Braut mit der Schappel bekleidet, daher der sogenannte
Schappeltanz (= Brauttanz).
Die Mädchen trugen schwarze Röcke mit roten oder schwarzen
Miederleibchen und weiße Hemden und weiße Schürzen, dazu lange Zöpfe.“
Soweit der Bericht von Neff. In den amtlichen Aussteuer-Verzeichnissen
sind alle diese einzelnen Kleidungsstücke als des Manns oder des
Weibs „Allatum“ (= Beigebrachtes) genannt.
Wenn nun schon von der Hochzeit die Rede ist, soll jetzt etwas
über die verschiedenen Hochzeitsbräuche gesagt werden.
Das älteste Eheregister bei den Pfarrakten trägt den Titel:
„Liber Intronizatorum seu Matrimonialiter Copulatoruro 1659“. Mit
dieser „Inthronisation“ ist die feierliche Verlobung gemeint, die
für gewöhnlich der kirchlichen Eheschließung vorausging und meist
auch feierlicher gestaltet wurde wie der Eheabschluß selber. Nach
den alten Akten wurde diese Intronisation (=feierliches Eheversprechen) rund 14 Tage früher gehalten. Dieser feierliche Akt wurde in der
Kirche vollzogen. Anschließend wurde die Aussteuer der Braut in
das Hochzeitshaus gebracht. Am Tag der ehelichen Verbindung wurde
die Braut von den Ehrengesellen in das Gotteshaus geleitet. War die
Braut von auswärts, dann wurde sie von den ledigen Burschen des Dor-
fes hoch zu Roß in der Brautkutsche abgeholt. Vielfach zogen auch die
Musikanten in einem besonderen Wagen mit. Der Anführer der Hochzeits-
reiter trug den Brautspruch vor, worauf die Reiter von den Braut-
eltern mit Bier und Brezeln bewirtet wurden. Nach der Stärkung
sangen die Burschen das Brautlied und führten anschließend die Braut
in der Kutsche zur Kirche (zum Hochzeitshaus). Dort wurde für gewöhn-
lich nochmals das Brautlied gesungen. Dieser Brauch hielt sich bis
zum Jahre 1950. Der Verfasser hat selber noch 2 solche festliche
Abholungen von auswärtigen Bräuten (Frau Josef ine Kaupp und Frau
Barbara Saier, beide aus Bittelbronn) erlebt. Durch eine mehr als
10-jährige Unterbrechung wäre beinahe dieses alte Braut- oder Hoch-
zeitslied untergegangen. Im Jahre 1951 hat der Schreiber dieser
Zeilen nach dem Vortrag des 70-jährigen Sängers Johann Küne das Lied
zu Papier gebracht. Möge es erhalten bleiben! Woher das Lied kommt,
wer es gemacht, wie alt es ist, niemand kann Bescheid geben. Die Ver-
mutung liegt nahe, daß ein alter Grünmettstetter Spielmann hier im-
provisiert hat. Mangelnder Reim und wiederholende Melodieführung
verraten eine „niedere“ Herkunft. Das Lied lautet s
(Anmerkung: Bei der 2. Strophe bedenke man, daß das feierliche kirch-
liche Verlöbnis schon vorbei ist).
Am Vorabend der Hochzeit, meist Polterabend genannt, wird bnw.
wurde das Brautpaar““versoffen“, d.h. das Brautpaar ladet die le-
digen Burschen und Madchen in eine Wirtschaft (womöglich bei Ver-
wandten) zu einem Faß Bier ein. Am Hochzeitstag selber ist das Hoch-
zeitshaus offen für alle Gäste: sie mögen sehen, wie das Haus her-
gerichtet. was alles in den Schränken ist an Leinwand. Porzellan und
Silber. Diese „Inspektion“ könnte vielleicht eine letzte Erinnerung
an die frühere Bestandsaufnahme von amtswegen sein. Wer das Hochzeits-
haus besucht, bekommt die sogenannte „Morgensuppe“ (meist Kaffee und
Kuchen) serviert. Natürlich ist nicht zu verhindern, daß die übermü-
tige Jugend dem Brautpaar einen Schabernak spielt. Was ist da schon
alles ausgeheckt worden? Wenn das Brautpaar nach der Trauung aus
der Kirche auszieht, muß es sich zuerst loskaufen: die Ministranten
sperren den Weg mit einem Seil ab und nur wer zahlt, wird durchgelas-
sen. In der Wirtschaft folgt zuerst der Brauttanz (früher Schappel-
tanz genannt), währenddessen die Ledigen (bis zur Inflationszeit)
mit Wein bewirtet wurden, jetzt nur noch mit Bier. Nach dem Brauttanz
gehen die Ledigen ebenfalls auf Kosten der Brautleute in eine andere
Wirtschaft zum Bier (bei der Hochzeit selber wurde früher nur Wein
ausgeschenkt!). Der Brautjungfer, Gespielin genannt, wird heimlich
(meist während des Festmahles) von den ledigen Burschen ein Schuh
abgezogen, den dann, auf einem Teller serviert, der Hochzeitsgesell
zurückkaufen muß; meist geht es nicht unter 4-5 Flaschen Wein ab.
Gesell und Gespiel haben auch auf die Braut zu achten, die jungen
Burschen entführen die Braut in eine andere Wirtschaft, ja sogar
in ein anderes Dorf und zechen auf die Kosten des Hochzeitsgesellen.
Mehr und mehr verschwinden die öffentlichen Hochzeitsfeiern, mit
ihren zum Teil schönen, zum Teil weniger schönen Bräuchen. Es bahnt
sich mehr und mehr die schlichte und feine familiäre Hochzeitsfeier
an. Die übliche Hochzeits-„schenke“ hat allmählich einen üblen Ge-
ruch.
Auch der Hochzeitsmetzger darf an diesem Tag nicht übersehen
werden. Bekommt er von der Gespielin nicht ein paar gute Zigarren,
dann wird ihr beim Festmahl das „Sauschwänzle“ serviert.
Ihre goldenen Eheringe brachte das Brautpaar in ein Tüchlein ge-
hüllt zum Traualtar. Das Tüchlein durfte dann der Pfarrer behalten.
Davon soll noch eine köstliche Episode erzählt sein aus den Zeiten
von Pfarrer Schraivogel (1843). Er macht in der Pfarrchronik die
Bemerkung: „In Bittelbronn erhielt der Pfarrer von den Brautleuten
jeweils ein „Nastuch“. Dagegen gab der Pfarrer ein anderes Geschenk.
Der hochweise Schultheiß Dettling aber kam auf den Gedanken:“Geschenke
sind freiwillige Gaben, folglich seien die Brautleute auch nicht
dazu verpflichtet, das Nastuch zu geben“. Der Pfarrer erhielt also
seit 1843 kein Nastuch mehr. Dagegen gab er auch kein Hochzeits-
geschenk mehr. Diese Notiz schließt mit der Feststellung; „Es
ist so vorteilhafter!“.
Auch das Sterben ist mit christlichem Brauchtum umgeben. Wenn
eines stirbt, so hält man Totenwache mit allstündlichem Gebet. Vom
ganzen Dorf werden sogenannte Weihwasserbesuche gemacht. Im Trauerhaus
wird 8 Tage lang der Rosenkranz gebetet (seit mehreren Jahren für
gewöhnlich in der Kirche). In früheren Zeiten wurde, solange der
Tote in der Wohnung daheim aufgebahrt war, Nachtwache mit Gebet ge-
halten. Mehrere unliebsame Vorkommnisse, vor allem durch Jugendliche,
gaben Anlaß, diese Nachtwachen in die Kirche zu verlegen und wurden
später ganz aufgegeben.
Wird der Stammhalter einer Familie getauft, so wird während
der Taufe bzw. beim Auszug aus der Kirche „geschossen“. Natürlich
muß der Vater seine Börse öffnen und den „Krachmachern“ eine
Entschädigung reichen.
In der Nacht zum ersten Mai wird von den jungen Burschen den
Mädchen ein „Maien“ aufs Dach gesteckt. Ein dürres Maibäumchen auf
dem Dach wäre eine schwere Beleidigung. In dieser Mainacht wird hier
wie anderswo mancher Unfug getrieben. Güllenfässer sind weggerollt,
der Wagen wird abmontiert oder auf das Dach getragen. Gartentore
ausgehängt und versteckt.
Ein Vorrecht der Schüler der obersten Klassen ist das
„Judas-verbrennen“ am Karsamstagmorgen. Tage zuvor werden Kleider
mit Stroh ausgestopft. Dieser Judas wird dann versteckt, daß die grös-
seren Burschen ihn nicht stehlen können. Am Karfreitag ziehen die
Schulkinder mit Handwagen durchs Dorf und betteln Holz für den Ju-
das. Am Karsamstagmorgen wird das geweihte Feuer, nachdem es nicht
mehr benützt wird, nachgeschürt, in seiner Nähe ein Galgen aufgestellt,
der Strohmann daran aufgehängt und nun über dem Feuer verbrannt. Bis
vor 10 Jahren geschah das zwischen Kirche und Schulhaus. Seitdem
wird der Judas außerhalb des Dorfes in aller Frühe verbrannt (die
Änderung hängt auch mit der neuen Liturgie am Abend zusammen I)
Am Palmsonntag tragen die Schulbuben ihren Palmen in die Kirche.
Der Palmen muß aus ganz bestimmten Zweigen bestehen und wird für
gewöhnlich von den Vätern daheim gebunden. Die 3 schönsten Palmen
werden prämiiert. Wer nach dem Gottesdienst als letzter seinen
Palmen findet, wird Palmesel. Das hatte zur Folge, daß bei Ende des
Gottesdienstes ein wildes Drängen und Springen über die Bänke hinweg
einsetzte. Seitdem der „Palmesel“ auch prämiiert wird und eine Mark
erhält, ist die Schande, Palmesel zu sein. gar nicht unangenehm. Für
eine Mark ruft der gewordene Palmesel gerne laut über den Kirchplatz
hin, zur Gaude für alle Kirchenbesucher: „Ich bin der Palmesel l“
Seit dem Dreikönigsfest 1962 ziehen die Ministranten als Stern-
singer mit farbenprächtigen orientalischen Gewändern bekleidet durchs
Dorf und singen ihr eigenes Grünmettstetter Sternsingerlied, das Pf r.
Schneider verfaßt und komponiert hat. Die eingesammelten Spenden fal-
len der Mission zu.

§ 10 Von Hauderern und anderen schaffigen Menschen

§ 10 Von Hauderern und anderen schaffigen Menschen
Im Großen und Ganzen ist Grünmettstetten bis heute ein „Bauern-
dorf geblieben_ die meisten sind mit Landwirtschaft beschäftigt.
86 landwirtschaftliche Betriebe gibt es zur Zeit. von 1.6 bis 14 ha
An Handwerker sind vorhanden: l Schreinerei (Hermann Saier), l Wa-
gen- und Hufschmid (Gaiaer). der sich in letzter Zeit vor allem auf
fA^orirei^^T“^^ landw±rts^^- Geräte umgestellt hat, l Maurer
S“^ ? ca ll‘ 2 ^ermeister (Appenzeller und Braun), l Metzger
(Meyer) l Elektromeister (August Dettling). l Gipser (Ludwig Wehle)
in^6 S^10“ stehle und Wehle). Es fehlen hier: Bäckerei9 SattTerei
Daneben o???“^‘ Frlseur( Schuhmacher. Zimmermeister, Flaschnerei
S“^?^ t. ^ heute2 ganz modern eingerichtete Lebensmittel-
3^1 L^r.^^B^11 Artikeln- die i“* Do^ gebraucht werden.
3 Wirte im Dorf und 2 Gasthäuser draußen im „See“ können von ihrem
Gewerbe allein nicht leben, sodaß sie nebenher noch e?ne Seinere oder
y^ Landwirt8chaft mitumtreiben müssen. Heute, wo SL S?ad?
auts Dorf hinauskommt, wo jeder sein eigenes Fahrzeug hat wo die
großen Versandhäuser jedes, auch das entlegenste Dorr belierern ist
es nicht so wichtig, daß jedes Handwerk und jeder Beruf Im Dorr’vor
treten ist. Früher war es ganz anders. Nur selten kam man i?5L
Stadt meist nur anläßlich des Marktes, wo man dann auf Vorrat
jeweils einkaufte. Das übrige machte man sich selber
^ NT?en der ^dbestellung durch die Landwirte war’es früher
vor allem das Fuhrwesen, das hoch im Kurse stand. Die Grünmettstetter
he^ß^e^irv^^1^^ ^reit bekannt- HD^ i3Cht a Hauderer“
fteißt es im Volksmund, und man meint damit einen schaffiaen Menschen
^ „Shr^annL^-^^^6’^ „Haudere^ gewesen s^nd“ Morgens ‚
hei^ SL ^S^ Si8^ exn wd meist spät in der Nacht ^“^te man
heim. Mit ihren Planwagen kamen die Grünmettstetter bis nach Frei-
daruber^? ‚ Ma^2′ ja Koblenz- Gab es im engeren Bezirke adir
den Grün^i?;“? großere ^^sporte zu besorgen, so klopfte man bei
den Grunmettstettern an und hieß sie ihre rassigen Pferde schirren
Schon vor 150 Jahren blühte dieses Gewerbe. Zu Jen ers^eS Hauderern
däT?; 2 ^^ namens schetter- die – ^ „^ eLes zu nennen e
den Auftrag bekamen, die ersten Champagnerflaschen von der Hütten-
verwaltung Schonmünzach nach Eßlingen zu fahren, wo sich eine Sekt-
kellerei auf getan hatte. Es gehört nicht viel Phantasie dazu s?cn
diesen Transport von Flaschen vorzustellen. Die Wagen, die mit Planen
S;^;^ war^‘ natürlich „^ 4. manchmal sogar nSTe Pr erden be?
Sn ^oh ? y dlewa9en auf der Höhe waren, hieß es tücht?S s^haf-
^1. ^ S6 ^ Fuhrleute in ^ren blauen Kitteln vor mir. las
S ^ S auf dem Kopf, an den Füßen lange Schaftstiefel, in der
Rechten die Peitsche, die Pferde schmuck herausgeputzt: denn es
etn hn^^S ^^^^en und da konnte es schon sein. daß L-gend
h^ oh^ ^ daherkanl und sich nach dem Fuhrwerk und seinem l n6
Kessler GeorS?^ ^ ^f „T^? Eßlin^enIM I“ die Champagnerfabrik
^essler-Georgil So. soll – Und mit einem kräftigen Peitschenknall
ging es weiter. Damals gab<.es noch kein -Auto-radio" Sas wahrend Sauderer"^? ^ undlaTlr1n Fahrt spielte. Dafür saßen dir S?. ^SL3 i S61" Bock und manchnlal auch auf dem Pferde und sangen die Lieder auf der Landstraße. Eines jener alten Fuhrmannslieder wurdp oeh^r^ ^ ^^^ttet; von den Alten hat es"Se Landjugend S^^^ fiV01'^3861' dieses Buches hat Text und Melodie zu PapSr ^?fa S ä ^ Wahrscheinlichkeit nach ist Dichter und KomponTs? unter den Hauderern selber zu suchen. Warum soll ein Hauderer auf können? Sernun11?6; "^ auch etwas Geschei^- zusammenreL:n Können? Hier nun Text und Weise: Laut Farn.Register ist der Fuhrmann Anton Scheiter im Alter von 47 Jahren am 8. März 1856 in der Nähe von Zürich/Schweiz tödlich verun- glückt. Als in den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Eisenbahnlinien aufgebaut wurden, war die Blütezeit des Fuhrunter- nehmens vorüber. Von den einstigen 85 Pferden in Grünmettstetten sind noch ein paar würdige Vertreter in der Gemeinde, die ihr Gnadenbrot heute bekommen, ob morgen, ist schon ungewiß. Was gab es sonst noch für Berufe im Dorfe? Schon vor 1700 ist ein Schmid Hans Weber genannt, ebenso ein "Mercator" Melchior Hopfer im Jahre 1696. Mercator heißt Kaufmann, Krämer. Es war sicher noch kein großes Warenhaus, sondern im wahrsten Sinne des Wortes ein "Kram-laden". Jakob Walz wird 1704 Küfer genannt. Die Armbruster im Dorf sind seit 1720 die Wagner im Dorf. Georg Fritz, geboren 1768, war wie sein Vater und Großvater "Beck" und nebenbei noch Heiligenpfleger. An der Seestraße wohnte der Ziegler Sebastian Reichert, der das Bürgerrecht nicht besaß, sondern nur "Hintersaß" war. Biersieder waren Martin Klink sowie Peter Wehle, geb. 1776. Bei Andreas Mayer (gestorben 1848) ist vermerkt: "Bürger und Tabakraucher". Er starb mit 43 Jahren. Ob er wohl ein Opfer sei- nes Berufes geworden ist? Johannes Steimle, geb. 1806. führt die Bezeichnung "Tuchhändler", Hans Jörg Steiner "Keßler". Konrad Dettling (1837) "Leineweber". Übrigens gab es viele Weber im Dorf, zumal in früherer Zeit viel Hanf und Flachs angebaut wurde. Die Vorfahren von Bürgermeister Anton Jung waren in vielen Generationen "Bürger und Weber". Immer wieder taucht in der Sippe Dettling die Bezeichnung "Spielmann" auf. Sicher war es der Dorfmusikant, der bei festlichen Anlässen, wie Hochzeiten, aufspielte und wohl auch dazu sang. Von einem solchen Grünmettstetter Spielmann dürfte auch das alte Hoch- zeitslied stammen (darüber siehe Seite 32). Noch ein Beruf soll Erwähnung finden, den man in Grünmett- stetten nicht vermuten würde. Bei Anton Bettau, geboren 1754 als Sohn des Anton Bettau. Wirt, ist angegebens "Zoller", was wohl bedeutet: Zollbeamter. Draußen beim Aussiedlerhof des Bürgermeisters Jung ist das "Zollhäusle". Hier war die Grenze des ehemaligen vorder- österreichischen Gebietes gegenüber dem herzoglichen Gebiet von Württemberg. Die Zollgrenzen waren vor 200 Jahren also ganz nahe, heute sind es rund 100 km zur nächsten Zollgrenze nach Kehl oder Bargen, bald werden auch diese Grenzen fallen. Wenn dann unser Zoller Bettau wiederkäme, er hätte keine Arbeit mehr l

Wasser marsch für den Kindergarten Grünmettstetten

„Wasser marsch“ für den Kindergarten Grünmettstetten

Im Rahmen des Projekts „Wege gehen“ des Grünmettstetter Kindergartens wurde gestern die Feuerwehr unter die Lupe genommen. Die Kinder erlebten mit, was wirklich passiert, wenn es irgendwo brennt. In einem Film wurde der Ablauf eines Einsatzes und die verschiedenen Aufgaben einer Feuerwehr erklärt. Auch den Rundgang mit dem Gruppenführer der Feuerwehr, Achim Wössner (links), durch das Feuerwehrhaus verfolgten die Kinder gespannt. Mit großen Augen bestaunten sie die Uniformen und den Einsatzwagen. Doch beim Anblick eines vollausgerüsteten Atemschutzträgers konnte sich so manches Kind nicht ganz zwischen Neugier und Scheu entscheiden. Die Kinder fragten die Feuerwehrmänner Löcher in den Bauch. Und wichtige Dinge wie das Verhalten in gefährlichen Situationen wurden ebenfalls besprochen. Hinterher wusste jedes der Kinder, welche Nummern in Notfällen gewählt werden müssen. Der Höhepunkt der Besichtigung war es, selbst einmal den Wasserschlauch bedienen zu dürfen oder auch einmal eine Runde im Feuerwehrauto mitzufahren. So wird es nach diesem Tag bestimmt nicht nur ein Kind sein, dass seinen Eltern mitteilt: „Ich will in die Jugendfeuerwehr!“

Quelle: Neckar-Chronik, amg/Bild: ael, 28.7.05

Kunterbunter Kinder- und Seniorennachmittag rundet Jubiläum ab

Kunterbunter Kinder- und Seniorennachmittag rundet Jubiläum ab

Ein kurzweiliger Kinder– und Seniorennachmittag bildete den Abschluss des 100jährigen Schützenjubiläums des Grünmettstetter „Hubertus 05“. Am Montagnachmittag machte die Kinderturngruppe „Minis und Hallenflitzer“ mit einem Showtanz der Popband „Tic, Tac Toe“ den Anfang. Die beiden Betreuerinnen Silke Slomma und Roswitha Gaiser, die gleichzeitig Organisatorin des Nachmittags war, hatten sich im Vorfeld eine fetzige Choreografie ausgedacht. Die Grünmettstetter Drittklässler führten mit ihrer Lehrerin Kathrin Ansorge „Die goldene Gans“ auf. Das gespielte Gedicht „Der Handschuh“ von Friedrich Schiller der vierten Klasse wurde vom Publikum mit viel Beifall bedacht. Thematisch hatte sich Lehrerin Theresa Wurm am gegenwärtigen Schillerjahr orientiert. Die Mädchen und Jungen des örtlichen Kindergartens sangen mit ihren Erzieherinnen Emmi Klummp, Jutta Schäfer, Ute Kreidler und Martina Hopf „das Lied von der Weltraummaus“. Einen kunterbunten Zirkus präsentierte die zweite Klasse um Lehrerin Annekathrin Hoogen. Tiere und Artisten waren auf der Bühne zu sehen. Die Erstklässler sangen mit Lehrerin Ulrike Müller zwei Lieder. Monika Kreidler und Sigrid Luder hatten mit den Salzstetter „Turn-Kids“ den „Cowboy-Tanz“ einstudiert. Götz Peter, Konrektor der Altheimer Grund- und Hauptschule, trat mit seinem Schulorchester auf, das das Publikum restlos begeisterte. Adelhaid Saier, Silke Slomma und Roswitha Gaiser präsentierten mit der Kinderturngruppe „Fit und gesund“ einen Showtanz, bevor zu guter Letzt die Salzstetter „Turn-Kids“ zu „Middle of The Night“ und „Barbie Girl“ die Hüften schwingen ließen. Vor dem Festzelt im Murgental konnten die Kinder in einer Spielstraße mit acht Stationen ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen. Es galt beispielsweise Dosen abzuwerfen oder auf Stelzen zu laufen. Nach erfolgreicher Absolvierung winkten kleine Preise. Bunt bemalte Gesichter waren beim Kinderschminken zu sehen. Zur Stärkung gab es gegen Abend ein Handwerkervesper. Oberschützenmeister Herbert Gaiser zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf des Jubiläums: „Es war ein sehr schönes Fest und ich denke, wir konnten auch dem Publikum einiges bieten.“ Der Höhepunkt, das große Feuerwerk am Samstagabend, habe nur positives Echo hervorgerufen: „Da haben wir viel Lob bekommen.“

Quelle: Christian Klein-Wiele, 26.7.05

Gute Jugendarbeit im Mittelpunkt

Gute Jugendarbeit im Mittelpunkt

Schützenverein „Hubertus 05“ ehrt zum Jubiläum verdiente Mitglieder

 

                    

GRÜNMETTSTETTEN (ckw). Die Jugendarbeit des Grünmettstetter Schützenvereins „Hubertus 05“ genießt über die Ortsgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf. Das betonten zahlreiche Redner bei den Ehrungen zum 100jährigen Jubiläum.

Im Festzelt beim Schützenhaus im Murgental begann der Sonntagnachmittag spannend: Über 300 Preise wechselten bei einer groß angelegten Tombola den Besitzer. Fast 1000 Lose waren im Vorfeld verkauft worden. Als es um den zweiten Preis ging, stieg die Anspannung im Festzelt merklich: Zu gewinnen war eine Ballonfahrt, die noch um 17 Uhr starten sollte. Ausschussmitglied Dieter Braun verkündete den Sieger: Ausgerechnet Ballonfahrer Armin Faßnacht selbst sollte strahlender Gewinner sein. Nach viel Gelächter und unter tosendem Applaus des Publikums gab es eine zweite Ziehung, in der Julia Kreidler gewann. Und, man konnte es kaum glauben, das Losglück scheint in der Familie zu liegen: August Kreidler, Vater der strahlenden Ballonfahrtsiegerin, holte sich den ersten Preis, einen Flachbildschirm, ab. Kurios auch deshalb, weil August Kreidlers Vater vor zehn Jahren schon Hauptgewinner war. Da machte es auch nicht viel aus, dass die Ballonfahrt wegen der schlechten Witterung abgesagt wurde. Bei besserem Wetter soll es bald in die Luft gehen. 
Oberschützenmeister Herbert Gaiser schilderte beim Festakt am Sonntagabend kurz die Geschichte des Vereins. Seine Anerkennung galt den Gründern, die erst nicht durch den Pfarrer anerkannt wurden und während den beiden Weltkriegen, in denen Schützenvereine verboten waren, Durchhaltevermögen gezeigt hätten: „Sie gingen mit dem Verein durch Höhen und Tiefen.“ Oberbürgermeister Michael Theurer betonte die Einmaligkeit eines 100jährigen Vereinsjubiläums: „Nur wenige Vereine können auf so eine lange Geschichte zurückblicken.“ Sport trage gerade in unruhigen Zeiten zur Stabilität der Gesellschaft bei. Zum Fest überreichte Theurer einen Scheck der Stadt Horb. Hannelore Lange vom Württembergischen Schützenverband sagte, die Traditionspflege und Jugendförderung würde von den Hubertusschützen vorbildlich vorgenommen. Bezirksoberschützenmeister Udo Gühring lobte die „beeindruckende Hubertusmesse“ am Vorabend. Gute Erinnerungen habe er noch an die Saalschießen, die bis in die späten 70er Jahre im Gasthaus „Pflug“ in Grünmettstetten abgehalten wurden. Karl-Heinz Hofmeister, Kreisoberschützenmeister im Kreis Neckar-Zollern, bescheinigte den Schützen eine gute Vereinspolitik. Wirtschaftlich stünde man auf gesunden Beinen: „Vor allem die Jugendarbeit ist toll, was in großen Teilen an Jugendleiter Kai Kocheise liegt.“ Hofmeister ist überzeugt, dass die „Nachwuchsschützen in naher Zukunft noch groß aufhorchen lassen werden.“
Sportkreisvorsitzender Werner Schillsott überbrachte Glückwünsche vom Württembergischen Sportverband. Das stolze Jubiläum werde mit einem hervorragenden Festprogramm gebührend gefeiert. Trotz stürmischer Entwicklungen im gesellschaftlichen und politischen Bereich habe der Verein seine eigene Identität gewahrt. Karl-Heinz Neff, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft sporttreibender Vereine (ARGE) sagte, dass „ohne den Schützenverein die Stadt, das Land und Grünmettstetten um einiges ärmer“ seien.
Mit berechtigtem Stolz könne der Schützenverein auf das vergangene Jahrhundert schauen, stimmte Ortsvorsteher Karl Kocheise zu: „Durch die Verknüpfung der sportlichen Interessen mit Geselligkeit bereichere man das Gemeinschaftsleben in Grünmettstetten.“ Maria Schweizer und Marianne Kreidler vom Katholischen Frauenbund in Grünmettstetten überbrachten den Schützen zum Jubiläum eine rote Laterne: „Für den letzten, der vom Fest heimläuft.“
Manfred Schäfer (Ehrenabzeichen in Gold), Ludwig Appenzeller (Silber) und Daniel Kreidler (Silber) wurden vom Bezirk Neckar-Zollern für ihre besonderen Verdienste um den Schützenverein ausgezeichnet. Kai Kocheise, Erich Kalbacher und Reinhard Andres erhielten die goldene Nadel vom Württembergischen Schützenverband. Zu Ehrenmitgliedern wurden Karl Kufner und Helmut Schupp ernannt. Hartmut Ade erhielt für seine besonderen Leistungen beim Bau des Schützenhauses und der Schießanlage einen Geschenkkorb. Im Anschluss sorgte Alleinunterhalter Axel Lehmann für gute Laune im Festzelt.

In den siebten Himmel gehoben

In den siebten Himmel gehoben

Daniela Weil und Christoph Maier gaben sich das Ja-Wort

 

GRÜNMETTSTETTEN (ckw). Daniela Weil und Christoph Maier feierten am Samstag in der Grünmettstetter Pfarrkirche St. Konrad kirchliche Trauung. Mit der Drehleiter der Horber Feuerwehr ging es in den siebten Himmel.

Am Samstagnachmittag gaben sich Daniela Weil und Christoph Maier das Ja-Wort. Pfarrer Armin Noppenberger zelebrierte die Messe in den Pfarrkirche St. Konrad und sprach den beiden die besten Glückwünsche aus. Christoph Maier ist kein gebürtiger Grünmettstetter und dennoch im Dorf bekannt wie kaum ein anderer: Bei der Organisation der Beachparty, die bisher jedes Mal über 5000 Besucher ins Murgental lockte, trägt er mit die Federführung. Auf der Bühne des Spektakels stellte Maier seinen außergewöhnlichen Heiratsantrag. Doch auch als Schiedsrichter und Spieler im Grünmettstetter Sportverein und örtlich sowie kreisweit im Jugendbereich der Feuerwehr engagiert sich Maier. Bei den Grünmettstetter Steinachhexen ist er Hexenmeister.

So war während und vor allem nach der Kirche einiges los: Das Akkordeonorchester spielte zur Umrahmung der Messe Titel wie „One Moment in Time“ und Phil Collins „Can You Feel the Love Tonight“. Raphaela Kocheise sang Nenas Comebackhit „Liebe ist…“. Vor der Kirche bereiteten zahlreiche Freunde einen riesigen Empfang: Die Jugendabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Grünmettstetten ließ die beiden Wasser pumpen und Bälle über Bahnen wegspritzen. Maier musste seine Braut über Hexenbesen tragen und der Sportverein spannte ein großes Netz, unter dem das Brautpaar durchging. Höhepunkt war sicher die Fahrt mit dem Leiterwagen der Horber Kernstadtwehr in den siebten Himmel. Ursprünglich wollte man darin zum Altar gleiten, was aber nach einem Probelauf am Samstag zuvor an technischen Gründen scheiterte. Nichts desto trotz war die Freude des jungen Paares riesig. Danach ging es zur Feier nach Lützenhardt ins Haus des Gastes. Nachdem die Braut bei der 100jährigen Jubiläumsfeier des Grünmettstetter Schützenvereins im Murgental gefunden worden war, wurde bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.

Quelle: Christian Klein-Wiele, 24.7.05

Mit Jagdhorn und Feuerwerk

Mit Jagdhorn und Feuerwerk

Grünmettstettens Schützenverein wurde am Wochenende 100

 

GRÜNMETTSTETTEN (ckw). Mit einem großen Feuerwerk und Jagdhörnern feierte der Grünmettstetter Schützenverein „Hubertus 05“ am Wochenende sein Jubiläum. Tradition und Fortschritt müssen vereint werden, fordert Josef Appenzeller, langjähriger Oberschützenmeister des Vereins.

Eine funkelnd glühende 100 prangte auf dem nahegelegenen Fußballfeld. Die Zuschauer, die vom Festplatz beim Schützenhaus das Feuerwerk beobachteten, bekamen ein würdiges Spektakel am Samstagabend geboten. So galt der frenetische Beifall am Ende nicht nur für der professionellen Lichterschau, sondern zugleich auch der Anerkennung des 100jährigen Bestehens des Traditionsvereins. In diesem Kontext findet der Wunsch einiger jüngerer Festgäste nach dem Feuerwerk nach einer Zugabe im weiteren Fortbestehen der Schützen seine Entsprechung.

Gerade die Jugend prägte schon bei der Gründung des Vereins 1905 das Geschehen. Im Streit um Festjungfern gründete sich der Schützenverein „Hubertus 05“ zunächst als Randgruppe des Militärvereins. Bei der Totenehrung am Samstagabend sagte der langjährige Oberschützenmeister Josef Appenzeller: „Zwei Weltkriege hat der Verein überlebt. Das anvertraute Erbe der verstorbenen Mitglieder gilt es zu bewahren.“ In der Vereinigung von Tradition und Fortschritt sieht Appenzeller die größte Herausforderung der Zukunft. Dem sieht Jugendleiter Kai Kocheise gespannt entgegen. Mit Stolz sagt er: „Wir können in der Jugend derzeit locker auf Landesebene mithalten, so viele gute Jugendliche hatten wir noch nie.“ Langfristig seien Erfolge bei den Deutschen Meisterschaften im Visier.

Dafür hat man in den letzten Jahren ordentlich investiert: Hochmoderne, computergesteuerte Schießstände berechnen mit präziser Genauigkeit die Schießleistungen im Training. Direkt daneben wurde zum Jubiläum das Festzelt platziert. Am Freitagabend unterhielt die Coverband „Point“ mit fetziger Unterhaltungsmusik und bekannten Stimmungstiteln das bunt gemischte Publikum. Oberschützenmeister Herbert Gaiser musste gestehen, dass er sich schon ein paar mehr Besucher erhofft hätte.

Dafür war die Hubertusmesse am Samstagabend in der Pfarrkirche St. Konrad sehr gut besucht. Die Jagdhornbläser vom Schloss Weitenburg waren mit ihren Parforce-Hörnern dabei nicht nur musikalische Umrahmung, sondern fester Bestandteil des Gottesdienstes. Die Hubertusmesse besteht aus Melodien, die 200 Jahre alt sind. Nach mündlicher Überlieferung werden die Bestandteile wie Gloria und Kyrie im improvisierten Satz vorgetragen. Unter der Leitung von Walter Löw spielten auf den Naturwaldhörner Eugen Knupfer, Manfred Lohmiller, Karl Platz, Alexander Köninger und Werner Kocheise.

In seiner Ansprache verwies Pfarrer Alois Hönle auf die historische Aufgabe der Schützenvereine, das Volk zu schützen. Ein Angriff sei noch nie Ziel der Schützen gewesen. Die Sensibilität gegenüber militärischem und paramilitärischem sei in der heutigen Zeit gewachsen. Hönle: „Man muss aber den sozialen Aspekt der Schützenvereine berücksichtigen.“ Die Lebenswelt sportlicher Geist und Gemeinschaft verglich Hönle mit der Lebenswelt Gottes und zog Parallelen: „Du musst beim Schießen ein Ziel vor Augen haben, klar und deutlich, genau wie im Christentum.“ Dort sei das Augenmerk auf ein Dasein bei Gott gerichtet. Zudem sei ein besonderer und behutsamer Umgang mit dem Gewehr nötig sowie Konzentration und ein fester Stand. Die Besonnenheit schlage sich im Leben mit Vorsicht und Rücksicht im Umgang mit sich selbst und den Menschen nieder. Der unverzichtbare Zusammenhalt bei den Schützen sei auch als Gemeinschaftsgeist in der christlichen Gemeinde geboten. Zur Totenehrung im Anschluss wurde Salut geschossen. Oberschützenmeister Herbert Gaiser und Schützenmeister Thomas Appenzeller legten einen Kranz an der Gedenkstätte an der Südseite der Kirche nieder. Anschließend ging es hoch zum Festplatz beim Schützenhaus, wo das „Duo Piccolo“ bis spät abends unterhielt. Am Sonntagmorgen spielte der Musikverein „Harmonie“ Grünmettstetten unter ihrem Dirigenten Ulrich Schnaidt zum Frühschoppen mit anschließendem Mittagessen auf.

Quelle: Christian Klein-Wiele, 24.7.05