Mitgliederversammlung der Volksbank

Schalter auf der Kippe
Bei Mitgliederversammlung über Grünmettstetter Volksbank-Filiale diskutiert
GRÜNMETTSTETTEN (ckw). „Ich will heute nicht verkünden, dass die Grünmettstetter Volksbank-Filiale geschlossen wird“, sagte Horbs Volksbank-Vorstand Bernhard Bok auf der Mitgliederversammlung im Sportheim. In den Gremien werde derzeit über die zukunftsfähigste Lösung diskutiert.
Nach dem gemeinsamen Vesper eröffnete der Grünmettstetter Gesangverein „Eintracht“ unter ihrem Dirigenten Peter Kirk musikalisch die Mitgliederversammlung der Horber Volksbank in Grünmettstetten. Nach drei Liedvorträgen sagte Doris Ehreiser, Bankstellenleiterin in Grünmettstetten, die musikalische Umrahmung durch Gesang- und Musikverein sei ein Beweis für die gute Zusammenarbeit der Bank mit den örtlichen Vereinen: „Wir werden finanziell auch in Zukunft zur Seite stehen.“ Alfred Wehle, Volksbank-Aufsichtsrat aus Grünmettstetten, lobte Ehreiser als „freundliche und erfahrene Fachkraft“ und sagte, man sei in Grünmettstetten froh über die Aufrechterhaltung der Zweigstelle. Die rege Teilnahme an der Mitgliederversammlung stelle einen Vertrauensbeweis an die Bank dar: „Die Kontaktpflege zwischen Mitgliedern und der Vorstandschaft ist sehr wichtig.“ Ortsvorsteher Karl Kocheise sagte, dass Mitgliederversammlungen zum einen die enge Verbundenheit zu den Mitgliedern und gleichzeitig das Bewusstsein für die gesellschaftliche Verantwortung zeigten: „Das ist in Zeiten von immer stärkeren Bestrebungen hin zur Gewinnmaximierung keine Selbstverständlichkeit mehr.“
Dieter Walz, Vorstand der Horber Volksbank, ging – erstmals bei einer Mitgliederversammlung mit Laptop und Beamer – auf die Gesamtsituation der Bank und aktuelle wirtschaftliche Themen ein. Die Entwicklung der Mitgliederzahl sei stabil, die Marktdurchdringung in Horb gleichbleibend hoch. Das Kreditgeschäft verzeichne Rückgänge. Walz: „Das Wachstum der Bank wurde im letzten Jahr über Einlagen erreicht und nicht über Investitionen.“ Das Ergebnis vor Steuern sei im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant geblieben. Walz ging auf das geringe Wirtschaftswachstum in Deutschland ein: „Mehr Umsätze werden mit weniger Jobs gemacht.“ Das verbessere das Ergebnis der großen Wirtschaftsunternehmen. Wegen fehlender Investition auf der einen Seite und einem hohen Sparaufkommen auf der anderen befinde man sich in einer Zwickmühle. Der „Jobgipfel“ am Donnerstag vergangener Woche habe wesentliche Dinge andiskutiert, bringe aber nicht den „fulminanten Wurf“. Den Bürokratieabbau in Deutschland gingen alle Parteien zu halbherzig an: „Eine echte Lösung braucht viel mehr Mut und verursacht wahrscheinlich entsprechend mehr Schmerz.“ Kritik äußerte Walz am „Gesetz zur Steuerehrlichkeit“, das am 1. April in Kraft treten soll. Der dadurch ermöglichte Zugriff des Staates auf bisher vertrauliche Bankdaten nütze niemand: „Das ist zu 50 Prozent die Abschaffung des Bankgeheimnisses.“ Auch das „Antidiskriminierungsgesetz“ sei in vielen Teil „nicht nachvollziehbar“, sondern verursache zusätzliche Kostenbelastungen durch Bürokratie, sagte Walz.
Sein Vorstandskollege Bernhard Bok äußerte sich zur Zukunft der Zweigstelle Altheim/Grünmettstetten. „Ich will kein Wasser in Herr Wehles Wein gießen“, sagte Bok in Anspielung auf dessen Äußerungen über die Bedeutung der Grünmettstetter Filiale. Er wolle nicht die Schließung der Filiale verkünden, doch die Vergleichbarkeit der Zweigstellen müsse gewährleistet werden. Man werde die Entwicklung in nächster Zeit beobachten: „In Talheim waren zunächst zwei Zweigstellen zu wechselnden Zeiten geöffnet.“ Die Mitarbeiter hätten wie ihre zwei Kollegen in Altheim und Grünmettstetten gependelt. Letztendlich habe man dadurch Mitglieder an die Kreissparkasse verloren, weil die Öffnungszeiten die Kunden eher verunsichert hätten. Darüber hinaus könne ein alleiniger Mitarbeiter in einer Filiale keine längere ruhige Beratung durchführen, weil er am Schalter präsent sein müsse. „Was ist auf Dauer die bessere Lösung?“ warf der Projektor auf die Leinwand. Momentan sei die Zusammenlegung der Filialen und die damit verbundene Schließung in Grünmettstetten noch „kein Thema“, aber: „Wir gehen in die Gremien rein und diskutieren darüber.“ Die Problematik der älteren Menschen würde bedacht. Bok: „Die meisten Rentner sind jedoch heutzutage mobil.“ Unter ihrem Dirigenten Ulrich Schnaidt gestaltete der Grünmettstetter Musikverein „Harmonie“ den musikalischen Ausklang.
Quelle: Christian Klein-Wiele, 24.3.2005

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