Grüne Gentechnik löst kein Hungerproblem

Grüne Gentechnik löst kein Hungerproblem

Wolfgang Schleicher referierte beim Katholischen Landvolk / Verbraucher haben noch Einfluss

GRÜNMETTSTETTEN. „Es ist höchste Zeit, sich über die grüne Gentechnik zu informieren“. Das sagte der Vorsitzende der Grünmettstetter Gruppe Katholisches Landvolk/Werkvolk Richard Saier. Bei der Gruppe referierte kürzlich Diplom-Agrar-Ingenieur Wolfgang Schleicher aus Stuttgart zum Thema „Gentechnik in Nahrungsmitteln Auswirkungen auf den Menschen“.

In Deutschland spielt die grüne Gentechnik, also der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen, noch keine Rolle. Weltweit wurden im Jahr 2003 auf fast 70 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen geerntet, wie der Referent sagte. Der weltweite Anbau ist damit viermal so groß wie die gesamte Landwirtschaftsfläche in Deutschland, die Steigerungsraten sind enorm. Zwei Drittel der Anbaufläche liegt in USA, das restliche Drittel ist verteilt auf Argentinien, Brasilien und China, so Schleicher. Bereits 55 Prozent des Sojaanbaues erfolgt mit gentechnisch veränderten Sorten.

Mit der Gentechnik wurde den Pflanzen in drei Viertel aller Fälle die Resistenz gegen ein Unkrautbekämpfungsmittel, bei einem Viertel eine Insektenresistenz eingebaut.

Nach Meinung des Referenten ist die Koexistenz, also der Anbau von gentechnisch veränderten und gentechnikfreien Pflanzen nebeneinander, zumindest in Süddeutschland ein unlösbares Problem: Pollen von Pflanzen können kilometerweit fliegen und sich gegenseitig vermischen. Mittelfristig gebe es keine Wahlfreiheit mehr für Landwirte und Verbraucher, da zumindest in allen Partien Spuren von gentechnisch veränderten Pflanzen enthalten seien.

Nach geltendem Recht müssen gentechnisch veränderte Lebensmittel gekennzeichnet werden. Spuren von Gentechnik bis zu 0,9 Prozent durch unbeabsichtigte Vermischungen müssen nicht gekennzeichnet werden. Lebensmittel von Tieren, die mit gentechnisch verändertem Futter ernährt wurden, müssen ebenso wie gentechnisch hergestellte Enzyme oder Aromen nicht gekennzeichnet werden.

Aus ethischer Sicht sei Gentechnik grundsätzlich weder gut noch schlecht, so der Referent. In jedem Einzelfall müsse bewertet werden, ob der Einsatz dem Wohl des Menschen und der Umwelt diene.

Vorangetrieben wird die grüne Gentechnik nach Meinung des Referenten von wenigen großen Wirtschaftsunternehmen, die mit Saatgut und Pflanzenschutzmitteln weltweit Milliardenumsätze machen. Es seien keine Vorteile für Verbraucher oder Bauern durch die Gentechnik erkennbar. Das weltweite Hungerproblem lasse sich mit Gentechnik überhaupt nicht reduzieren.

Beim Verzehr von gentechnisch veränderten Lebensmitteln sind bisher offenbar keine schädlichen Auswirkungen auf den Menschen bekannt. Als Risiken der grünen Gentechnik nennt Schleicher die Möglichkeit zu unkontrollierter Genübertragung, die Reduzierung der Artenvielfalt und die Abhängigkeit von Bauern und Verbrauchern von großen Wirtschaftsunternehmen. Gentechnisch veränderte Pflanzen in der Natur könnten nicht mehr zurückgeholt werden.

Im Anschluss an das Referat fand eine Diskussion statt. Unter anderem wurde erörtert, dass Verbraucher und Bauern keine Wahlfreiheit hätten, da eine absolute Abschottung bei einer weiteren Zunahme des weltweiten Anbaus nicht möglich ist. Der Verbraucher könne aber durch seine Entscheidung Einfluss auf das Sortiment im Ladenregal und damit auf den Anbau nehmen.

Quelle: www.neckar-chronik.de, 25.10.2004

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