Archiv der Kategorie: Heimatbuch

Artikel entnommen aus dem Heimatbuch von Hermann Schneider Pfarrer in Grünmettstetten 1964

§ 4 Was die ältesten Urkunden erzählen

Zum 1.mal urkundlich genannt ist Grünmettstetten im Jahre 782.
Das im frühen Mittelalter weit berühmte Kloster Lorsch bei Worms
wurde im 8. Jahrhundert mit vielen Gütern dotiert, vor allem aus
unserer Gegend. Jährlich ging ein Pilgerzug aus Horb u. Umgebung
zu Fuß dorthin zu den Reliquien des hl. Nazarius. Wie eindrucks-
stark das Erleben in Lorsch gewesen sein muß. geht aus den Schen-
kungen hervor, die die Pilger jeweils machten» Ein gewisser Franco
vermachte der Abtei ein Herrengut mit etwa 40 Morgen. Die Triebfeder
für die Wallfahrt und Dotation war der Gaugraf Gerold, der spätere
Schwager Karls d.Gr.. Fast ein Dutzend Orte unseres heutigen Horber
Kreises sind in dieser alten Schenkungsurkunde genannt, darunter
auch Grünmettstetten (Cod. Laur. n. 3305).
       Die Schenkung der beiden Azelin und Hildegard von Grünmettstet-
ten an das Kloster Reichenbach im Jahre 1100 ist schon genannt worden
( Württ. Urkundenbuch 2, 403; 404),
       Ein weiteres Kloster, das wohlwollende Unterstützung fand, war
Kilchberg bei Sulz. Hier waren es vor allem Horber Geschlechter,
die jene Dominikanerinnen reichlich mit Gütern bedachten. So gab
Adelheid, die Richterin (= altes Horber Bürgergeschlecht), dem Klo-
ster Kilchberg 20 Pfund “Tüwinger” Heller, um welche ein Gut zu Grünen-
mettstetin zur Unterhaltung des ewigen Lichtes gekauft wurde (dies
sog. “Kirchberger Gütle” war-das Anwesen des Pfarrhofbauern nach
einer Notiz im Gült-Trägereybuch                  Näheres später!
        Die folgenden Urkunden weisen  auf, wie mannigfaltig die Grund-
herrschaft in Grünmettstetten war. Fast alle Adeligen und Ritter-
geschlechter der näheren und weiteren Umgebung waren hier begütert.
        Aus der früher erwähnten Urkunde vom Jahre 1293 erfahren wir,
daß die Ritter von Haiterbach hier Besitzungen hatten» Unterm 6. Dez.
1366 gibt Benz von Bochingen der Frau Anna Voltz. Wirtin des Hans
von Wolf ach. zu kaufen 8 Pfd Heller und stellt 6 Bürgen mit Geisel-
schaft zu leisten in Oberndorf oder Wolf ach. – Derselbe Benz von
Bochingen verkauft am 23. August (Bartholomäustag) 1392 an Diem
von Dettlingen seinen Teil des Dorfes Grünmettstetten um 350 Pfund
Heller. Kurz zuvor am Sankt Oswaldtag (5.8.1392) hatte Konz von
Bellenstein an Diem von DetÜ-ingen, seinem Oheim, seinen Teil
 (= die Hälfte) von Grünmettstetten um 150 Pfund Heller verkauft.
Auf dem Grünmettstetter Rathaus ist eine Urkunde in Original vom
Jahre 1385 aufbewahrt. Danach verschreibt am 7. Jan. 1385 Peter
von Bellenstein, Sohn des verstorbenen Hug von Bellenstein, 5 Pfd.
Heller Zins aus- seinem halben Dorf Grünmettstetten (vergleiche auch
 Kopialbuch I 225 ff).  – An St. Gregori (12.3.) 1394 verkauft Hans
 der Faiß von Ihlinqen (der vor allem in Bittelbronn begütert war)
 an Hans von Dötinqen eine Fruchtgült zu Grünmettstetten. –
 Eine weitere Urkunde vom 3. August 1400 sagt. daß Anna, Tochter des
 Hans von Boßenstein, Hausfrau des Kontzen von Bellenstein, den Dyem
 von Dötlingen für 46 Pfd. Heller ihre Wiesen an dem halben Teil des
 Dorfes Grünmettstetten und etliche Äcker zum Pfände setzt. Zwei Jahre
 später, am Guten Tag vor St. Mat-chäi (=18. Sept.) verkauften Contz
 von Bellenstein u. Anna von Boßenstein, seine Frau, an Dyem von Det-
 lingen den Teil ihrer Vogtei und alle ihre Rechte des Dorfes zu
 Grünmettstetten um 60 fl.. Gerade diese beiden letztgenannten, Contz
 von Bellenstein u. Anna Boßenstein werden in den kommenden Jahren
.noch viel genannt werden, da über 50 Jahre ein Prozess wegen der
 Erwerbung des Dorfes durch den Horber Spital geführt wurde. Doch
 darüber später 2 Als letzter Kaufvertrag in diesem Zusammenhange
 sei jener vom 16. Febr. 1407 erwähnt, wonach Hans Herrschin zu Grün-
 mettstetten an den Spital Horb eine Gült aus seinen Gütern verkaufte.

  Zusammenfassend kann man wohl sagen, daß gegen Ende des 14.
Jahrhunderts Grünmettstetten vor allem im Besitz von 2 adeliger
Geschlechter sich befand: die südliche Hälfte des Dorfes war in
den Besitz des Dyem von Dettlingen gekommen, während die nördliche
Hälfte (jenseits des Baches) noch bei den hier ursprünglich reich
begüterten Rittern von Bellenstein verblieb. Die Stammburg der
Herren von Bellenstein stand einst auf einem Felsvorsprung im Glatt-
tal unweit Böffingen Kr. Freudenstadt.

Älteste Urkunde Über Grünmettstetten:
   Am 6. Mai 782 schenkte ein gewisser  Isenhard (von Tal-
heim) seinen gesamten Besitz zu “Metzesteten”
 “Donatio Isenhardi in Daleheim. In Christi nomine sub die 2. nonas
 Maii anno 14. Karoli regis ego Isenhardus pro remedio anime mee
 dono ad sanctum Nazarium martyrem, qui requiescit in corpore in
 monasterio Laurissamensi, ubi venerabilis Helmericus abbas
 präesse videtur, donatumque in perpetuum esse volo et promptissi-
 ma voluntate confirmo in pago Alemanie in Waldahure marca et in
 villa Tungelingen et in Daleheim et in  Metzesteten,
 quidquid habere videor, stipulatione subnixa. Actum in monasterio
 Laurisham tempore quo supra”.
    Dieser genannte Isenhard in Talheim hatte in der näheren und
 weiteren Umgebung Besitzungen und vermachte dieselben zu Waldach
  (Ober- u. Unter-) Tumlingen, Talheim und Grünmettstetten dem Kloster
 Lorsch. Um 1180 legten die Mönche des Klosters im sogenannten
 Lorscher Codex (codex Laureshamensis) ein Verzeichnis der vielen
 Schenkungen (vor allem aus der Zeit Ende des 8. u. Beginn des 9.
 Jahrhunderts) an. Heute befindet sich dieser Codex Laur. im Haupt-
 staatsarchiv München 2, Arcisstr. 12, herausgegeben von Karl Glöckner,
 Band I – III, Darmstadt 1929-36 (Vgl. Glöckner III Nr. 3305).
              Ergänzung 1965  auf Grund Nachforschungen beim
                              Staatsarchiv Stuttgart.

§ 3 Aus grauer Vorzeit

   Die Urbewohner unseres Gebietes waren Kelten. In der 2. Hälfte des
1. Jahrhunderts drangen die Römer vom Rhein her in das Land ein.
Sie suchten vor allem eine Verkürzung der langen Rhein-Donau-fluß-
qrenze zu erreichen. Dazu errichteten sie den germanischen Limes
(= Grenzwall). In diesem neuen Gebiet, Dekumatenland genannt, legten
die Römer ihre guten Heerstraßen an. Eine solche durchquerte auch
unsere Markung, bekannt unter dem Namen Hochsträß, beginnend von
Rottenburg über Eutingen. Seehaus, Zollhäusle. weiterführend nach
Oberiflingen auf  die Schwarzwaldhöhen. An den Verkehrspunkten er-
richteten die Römer ihre Kastelle. In der Nähe des Seehaus, in den
sogenannten Burgäckern, wurden Überreste   solcher römischen Bauten
entdeckt (vor allem römische Ziegel).
     Unsere Vorfahren, die Allemannen oder “Sueben” (daher der Name
“Schwaben”) haben ihre Toten in Reihengräbern bestattet. Ein derarti-
ges Reihengrab hat man hier in der “Grub” gefunden.
     Mit dem Sieg des Frankenkönigs Chlodwig setzte die Christiani-
sierung der Allemannen ein. Die ersten Pfarrkirchen, auch Leut-kirchsi:
genannt, erstanden in den Hauptorten der Hundertschaften, in den
Urdörfern: Dornstetten, Altheim und Iflingen. Zum letzteren gehorte
Grünmettstetten trotz der Nähe Altheims. Grund dafür dürfte sein,
daß die Herren von Neuneck.    Bellenstein und Boßenstein, Lichtenfels
und Dettlingen, unser Dorf in ihrem Besitz hatten.
     Man könnte die Frage stellen, ob Grünmettstetten nicht auch
wie viele andere Orte einen eigenen  0 r t s a d e l  besaß. Flur-
namen wie “Burgäcker”,”Burrain”, auch “Wirrstall” (= Wurr- oder Burg-
stall) könnten auf eine ehemalige Burg schließen lassen. Doch es
fehlen sämtliche Beweisstücke dafür. Möglich, daß jene “Azelin und
Hildegard von Mezzestettin”, die um das Jahr 1100 das neugegründete
Kloster Reichenbach mit Gütern dahier bedachten (im Fleckenbuch
vom Jahre 1756 sind noch 2 Reichenbach-sche Hof guter genannt)
die letzten Träger eines Ortsadels waren. Nach mündlicher Über-
lieferung soll auch Ida von Toggenburg hier ein Schlößchen gehabt
haben (die heutigen Häuser von Appenzeller, Zimmermann, und Anton
Schäfer in der Schafgasse). Doch das dürfte mit Sicherheit nicht stim-
men! Einen sicheren Beweis, daß der Ort ohne Adelige war. liefert die
Tatsache, daß in keiner einzigen alten Urkunde ein Grünmettstetter als
Zeuge genannt ist. Wie aus den Urkunden von 1293 bis 1552 im folgenden
zu ersehen ist, waren nur auswärtige Adelige und Bürgerliche hier
begütert. Der Verkauf des Ortes an Horb durch die Herren von Bellen-
 stein und den Herren von Dettlingen schließlich widerlegen die Annahme
 eines Ortsadels dahier.
       Grünmettstetten gehörte zur Grafschaft  Hohen berg
 (Stammburg Oberhohenberg bei Deilingen-Gosheim). Als die Tübinger
 Linie (Pfalzgrafen) ausstarb, kam Horb samt allem Zubehör an den
 Grafen Burkhard III. von Hohenberg zurück. Nach dessen Tod wurde
 die ganze Grafschaft aufgeteilt unter Albert II. und Burkhard IV.
 Letzterer bekam das Gebiet links des Neckars, also den westlichen
 Teil, darunter auch Grünmettstetten. (Albert II. zog mit seinem
 Schwager König Rudolf von Habsburg gegen die Raubritter aus und
 fiel 1298 in einem Gefecht bei Leinstetten). Als oberster Landesherr
 hatte Burkhard ein besonderes Augenmerk darauf, daß keine Besitz-
 veränderungen ohne sein Wissen und seinen Willen durchgeführt wurden.
 Jeder Gütertausch mußte vom Grafen genehmigt und gutgeheißen sein.
 So ist uns eine lateinische Urkunde aus dem Jahre 1293 überliefert,
 die von einem Güterverkauf in Grünmettstetten handelt. Berthold von
 Haiterbach, Ministeriale (= Dienstmann) des Grafen verkaufte an
 den Magister Konrad. Chirurgicus in Horb, seine Güter zu Grün-
 mettstetten. Der Graf bestätigte den Vertrag: “Wir Burkhard,
Graf von Hohenberg, tun kund allen, die diesen Brief sehen
oder auch nur davon hören, sei es jetzt oder später, daß Berthold
Ritter von Haiterbach, unser Dienstmann und sein Sohn Volmar und
Adelheid, Gemahlin des Volmar, Güter gekauft haben, gelegen in
Grünmettstetten. an den Magister Conrad, Chirurg in Horb, mit
unserer Hand und Zustimmung….   geschehen zu Weiler am Tag
Maria Geburt 1293. Zur Bekräftigung und zum unzweifelhaften Zeug-
nis haben wir Burkhard, Graf von Hohenberg, unser Siegel diesem
Briefe beigegeben….”
      Der letzte Hohenberger war Graf Rudolf III., der Gemahl der
                I d a  von  Toggenburg.
Früh verwaist war er ein schlechter Haushalter. Stück um Stück seiner
Grafschaft mußte er verkaufen. So versetzte er 1371 an seine Ge-
mahlin Ida um 655 Pfund Heller das Dorf Altheim. 10 Jahre später
hatte Rudolf so herabgewirtschaftet, daß er 1381 seine ganze Herr-
schaft an Herzog Leupolt von Österreich verkaufen mußte. Erlöse
66000 Goldgulden. Seine Gemahlin Ida sollte 10000 Gulden erhalten.
Als Ida ihr Vermögen gesichert sah, machte sie mehrere Schenkungen
an kirchliche und wohltätige Anstalten der Städte Rottenburg,
Horb, Haigerloch und Rottweil. So schenkte sie an den Spital in
Horb das Dorf Altheim, ebenso das halbe Dorf Salzstetten, das sie
1379 um 250 Pfund Heller von Diem zu Steinhülben erkauft hatte.
1393 vermachte Ida noch an den “Heiligen” (= Kirchenpflege) zu
Altheim einen Wald auf dem Niefranerberge mit der Bestimmung,
daß dafür jährlich ein wohlgemäst Schwein den armen Leuten daselbst
ausgeteilt werden sollte.

§ 2 Was uns der Name sagt

   “Grünmettstetten”, diesen langen 4-silbigen Ortsnamen mit seinen
5 T hat der mundfaule Schwabe schon längst gekürzt. Er sagt einfach
“Mettstett” und ist damit der ursprünglichen Form schon ganz nahe
gekommen. Die ältesten Urkunden nennen den Ort “Mezzestetten” (bis
ungefähr zum Jahre 1300), später heißt der Ort wohl zur Unterschei-
dung von Dürrenmettstetten, das ca. 8 km südlich auch noch im Kreis
Horb liegt, “Grünen-Mezzestetin” (so 1278) oder “Grienen-metstetten”
(1559). In den Pfarrbüchern ab 1660 kommt vielfach wieder die Kurz-
form “Metstetten” oder “Metzstetten” bzw. “Mettstett” vor, das
letztere vor allem in den alten Rosenkranzbruderschaftsakten.
       Die Endung  auf -stetten läßt uns in etwa die Zeit der Dorf-
gründung erraten. Es muß wohl um das Jahr 500 n.Chr. gewesen sein,
als die Allemannen von ihren Besiegern, den Franken, weiter nach Süden
zurückgedrängt wurden und auf diese Weise eine zweite Siedlungswelle
von Ortschaften auf -heim, -stetten, -dorf, -hausen, -felden und
-zimmern einsetzte. Die erste Siedlungswelle war um die Mitte des
3. Jahrhunderts (260), als die Allemannen (= Sueben), vom hohen
Norden kommend, den römischen Grenzwall durchbrachen und unser Gebiet
(das sog. Dekumatenland) besetzten. Diese ersten Siedlungen und
Ortsnamen enden auf -ingen. z.B. Volmar -ingen, Ergatz -ingen.
Wito -ingen. Tutilo -ingen. Die ersten Siedlungen bekamen ihren Namen
vom Sippenältesten, dem späteren niederen oder Orts-adel.
   Grünmettstetten wurde bisher als “Stätte des Matzi, Mazo, Mezzo”
gedeutet, also als Sippenname erklärt. Der Schreiber dieser Chronik
lehnt diese Erklärung ab. Man bedenke: alle andern Ortsnamen auf
“stetten”, sei es in der näheren oder weiteren Umgebung, schließen
eine solche Deutung aus; sie drücken vielmehr die Lage oder die Be-
schaffenheit der Stätte aus (so z.B.: Dorn-, Nord-, Wiesen-, Wald-,
Ober-, Nieder-, Graben-, Salz-stetten). Nirgends kann man hier auf
einen Eigennamen schließen. Demnach dürfte es auch bei Grünmettstetten
der Fall sein, wozu uns noch das Wort “Grün” bzw. “Dürren” ermuntert.
Es könnte daher eine zweifache Namensdeutung in Frage kommen:
1) “Mett” = Matten (Bergwiese). Sinnvoll wäre dann auch die nähere
Unterscheidung in Grün- und Dürren-mettstetten.
2) “Mett”, abgeleitet von Metze, d.h. Opferstätte (“metzen” bedeutet
im Althochdeutschen “niederstechen”, metz(g)en. opfern. Verwandt
damit ist auch das Wort “Stein-metz”. Nach dieser Erklärung könnte
es sich bei unserm Ort um eine alte heidnische Opferstätte und zu-
gleich Versammlungsort (“Messe”), (vergleiche Leipziger “Messe”) han-
deln. Unser Dorf wäre dann ein besonderes Heiligtum der damals heid-
nischen Allemannen gewesen.

Ergänzung zu  A z e l i n  und  Hildegard  von Grünmettst.
   Im Reichenbacher Schenkungsbuch (stammend aus der Mitte des 12. Jahrh.),
das sich in der Landesbibliothek Stuttgart befindet (vgl. Wirtemb.
Urkundenbuch II S. 389 ff und Band VI S. 439 ff)
   heißt es (ohne Zeitangabe) :

“QUidam  Azelinus  de Mezzestetten dedidt sancto Gregorio
huobam in eadem villa” (Wirt. Urkundenbuch II S. 403)

“Hiltegart quedam matrona de Mezzestetten cum duobus filiis
Heinrico et Adalberto dederunt VIII iugera in eadem villa
sancto Gregorio et montem iuxta Iringisberc (= Igelsberg b. Freudenstadt)
situm. qui Theutonico nomine Eichhalda vocatur”. (S. 407)
    Diese beiden Einträge im Reichenbacher Schenkungsbuch stammen aus
der Zeit um 1100, da kurz zuvor der Tod des Abtes Wilhelm von Hirsau
(1091) berichtet wird und einiges später eine Schenkung von 1115
erwähnt wird.

Schreiben vom Hauptstaatsarchiv Stuttgart vom 7.2.66.
Nr. 572        (Stuttgart – W   Gutenbergstr. 109)

§ 1 Grünmettstetten – seine Lage und Größe

§ 1 Grünmettstetten – seine Lage und Größe
Grünmettstetten liegt 7 km westlich der Kreisstadt Horb, 1 km
abseits der Landstraße nach Freudenstadt, eingebettet in das
junge Steinachtal. Der Ort liegt selbst 576 m überm Meeresspiegel.
reicht im Bereich der Markung fast an die 700 m-Grenze. Die Bahn-
station Altheim-Rexingen ist 2 km entfernt.
      Die Gemeinde zählt heute rund 600 Einwohner; davon sind 550
katholisch und 45 evangelisch, die sich vor allem aus Heimatvertrie-
benen rekrutieren. Die Katholiken bilden mit Bittelbronn zusammen
eine Pfarrei, während die Protestanten zur evangelischen Gemeinde
Horb zählen.
     Die Markungsflache umfaßt 751 ha; davon sind 152 ha Gemeinde-
wald, 19,2 ha Privatwald und 16,4 ha gehören der kath. Hospital-
Verwaltung Horb. Trotz dieser verhältnismäßig großen Waldflächen
ist Grünmettstetten eine Gemeinde mit vorwiegend landwirtschaft-
lichem Charakter. Seine rund 120 landwirtschaftlichen Betriebe haben
eine durchschnittliche Größe von 4-5 ha, der größte umfaßt über 14 ha,
3 weitere haben über 10 ha. 4 über 8 ha und 8 Landwirte bewirtschaften
zwischen 6 und 8 ha. Dazu kommen noch ungefähr 10 Kleinbetriebe, die
unter 0,5 ha bewirtschaften, jedoch von Jahr zu Jahr zurückgehen.
Ein Großteil der Landwirte geht einem zweiten Berufe nach und
betreibt die kleine Landwirtschaft nur nebenbei. An Stelle der
Pferde (um 1900 waren es noch über 80) sind heute die Traktoren
getreten. Ein Pferde-, Ochsen- oder Kuhgespann ist kein alltäg-
licher Anblick mehr. Zur Zeit laufen ca. 60 Traktoren in der Gemeinde.
Auch die Zahl der Personenkraftwagen hat jetzt diese Höhe erreicht.
Seit 1961 steht der erste Aussiedlerhof im Gewand “Zollhäusle”;
Besitzer ist Bürgermeister Anton Jung.
     Da im Ort wie in der näheren Umgebung die Industrie fehlt, so
sind die Nicht-Landwirte darauf angewiesen, sich außerhalb des Ortes
und des Kreises ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Zur Zeit pendeln
60-70 Arbeiter und Arbeiterinnen täglich zu ihren auswärtigen Ar-
beitsplätzen nach Weil i. Schönbuch, Dornstetten, Schopfloch, Horb,
Sindelfingen, Freudenstadt, Stuttgart, Lützenhardt, Salzstetten,
Tumlingen und Rottenburg. Seit Frühjahr 1961 hat ein auswärtiger
Industriebetrieb der Textilbranche hier im “Hirsch” einen Filial-
betrieb eröffnet, in dem ca. 25 Frauen und Mädchen Arbeit gefunden
haben.
     An gewerblichen Betrieben gibt es in Grünmettstetten heute
je einen Schreiner, Schmid, Schneider, Gipser, Elektriker. Maurer
und Metzger, ferner 2 Maler. Im Dorf befinden sich weitere 3 Gast-
häuser und dazu in der Parzelle Seehaus 2 Gasthäuser mit Fremden-
pension. Auf halbem Weg nach Altheim befindet sich ein Sägwerk;
das dazugehörige Wohnhaus gehört aber schon zur Altheimer Markung.
Im Gemeindehaus ist ein kleinerer Textilwarenbetrieb.
     In der Dorfmitte steht das Rathaus, im Jahre 1789 als Schul-
haus erbaut. Im Erdgeschoß befindet sich die Gemeindebackküche mit
elektrischem Backofen. Auch die Pfarrkirche liegt im Zentrum des
Dorfes, vor rund 200 Jahren erbaut und dem hl. Konrad geweiht. Gegen-
über dem Pfarrhaus wurde 1834 das zweite Schulhaus gebaut, das
3 Säle besitzt, jetzt aber zu klein geworden ist und in Bälde vom
neuen Schulhaus, das 1964 eingeweiht wird, abgelöst wird. Am Ende des
Dorfes steht das Schwesternhaus mit Kindergarten, 1922/23 erbaut.
Gegenüber wurde 1952 ein modernes Gemeindehaus mit Waschanlage,
Mosterei, Bad und Gefrieranlage erstellt.
     Wenn auch etwas von der Staatsstraße Horb-Freudenstadt abgelegen,
führt doch ein reger Verkehr durchs Dorf, vor allem in Richtung
Altheim, Tumlingen und Bittelbronn – Freudenstadt.
Quelle: Hermann Schneider, Heimatbuch, Nachdruck von 1997
gescannt: Marc Kreidler, 25.8.2004
Korrektur gelesen: Marc Kreidler, 9.1.2005 

Du Mettstett meine Freud! – Heimatlied

Du Mettstett meine Freud!

Grünmettstetter Heimatlied

Worte und Weise: Pfr. H. Schneider 1958

Dort, wo die Steinach frisch entspringt
im weichen Wiesengrund,
im nahen Tann ein Vöglein singt
so froh zur Morgenstund!,
da liegt ein Dorf am Bergeshang,
das lieb ich immerfort:
ihm gilt mein Lied mit hellem Klang:
“Du bist mein H e i m a t o r t !”

Grünmettstetten ist es genannt,
wir heißen’s “Mettstett” nur,
es liegt im schönen Schwabenland
inmitten Wald und Flur.
Vom Hochberg aus ich’s Dörflein seh,
– wie herzig ist’s, wie süß! –
und die Kapell auf stiller Höh –
– ein kleines Paradies!

Der Brunnen plätschert ruhlos dort
wie einst in Dorfesmitt’
und singt sein Liedlein ohne Wort
ganz treu nach Vätersitt’.
Dahinter steht mein Elternhaus,
– o goldne Jugendzeit! –
Wie sorglos ging ich ein und aus!
“Du M e t t s t e t t meine F r e u d !”

Nur dir gehört meine Herz allein,
dir, Mettstett, lieb und wert.
Drum will ich auch begraben sein
in heilger Heimaterd’.
Aufs Grab mir pflanzt ein Blümelein,
aus daß es blühe dort.
Das Blümlein heißt “V e r g i ß n i c h t m e i n “,
du bleibst mein H e i m a t o r t !

Gasthaus Hirsch

Das Gasthaus Hirsch ist der Treffpunkt für die dörfliche Gemeinschaft. Ob am Sonntag morgen zum Frühschoppen nach dem Gottesdienst oder abends zum Stammtisch treffen sich hier vor allem die männlichen Bürger von Grünmettstetten um sich über das Dorfgeschehen zu informieren, ein Bier zu trinken oder sich einfach über Gott und die Welt zu unterhalten.

Das Gasthaus zum Hirsch wird von Elisabeth Kreidler (Tochter von Fridolin Appenzeller) geführt.

Gasthaus zum Hirsch

Auszug aus dem Heimatbuch:

In der Mitte des Dorfes, gleichsam Angelpunkt, steht der Hirsch. Die Geburtsstunde des Hirsch dürfte im Jahre 1824 liegen, denn in diesem Jahr heiratete der 1. Hirschwirt Johannes Schäfer, Sohn des Lindenwirts Sebastian Schäfer. Die Schwiegerleute Steimle müssen sehr vermögende Leute gewesen sein und haben wohl ihr Haus dem Schwiegersohn als Wirtshaus eingerichtet.

Johannes Schäfer starb schon nach 11 Jahren. Die Witwe heiratete im folgenden Jahr 1836 Jakob Walz (2. Hirschwirt), aber schon 1 Jahr später war Jakob Walz Witwer; mit seiner 2. Frau zog er dann nach Amerika. In diese Zeit fällt wohl auch der Brand von Ostern 1852. Als 3. Wirt übernahm Josef Wehle (1833-1887), verheiratet 1856 mit Josefa Steimle, die Wirtschaft. Ihm folgte sein Sohn Reinhold (4. Wirt), verheiratet seit 1895 mit Michaeline Hellstern. Von ihm erwarb Josef Fritz, bisher Kronenwirt, das Anwesen (als 5. Hirschwirt). Genau auf den Tag, 50 Jahre lange, führte Hirschwirt Fritz die Gaststätte und braute sein eigenes Bier. Heute [1964, Anmerkung des Webmasters] ist die Gaststätte in den Händen seines Schwiegersohnes, Malermeister Fridolin Appenzeller (6. Wirt).