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Artikel entnommen aus dem Heimatbuch von Hermann Schneider Pfarrer in Grünmettstetten 1964

§ 33 Das Storchen-Lied

§ 33 Das Storchen-Lied

Dieses Heimatbuch wäre nicht vollständig, wenn nicht auch der Storchen gedacht wäre. So wie jeder Einzelne im Dorf einen zweiten Namen, sei es Haus-, oder Über- oder Spitzname, besitzt, so hat auch jedes Dorf seinen Spitznamen. Jedes Dorf weiß den seinen und auch den der Nachbargemeinde. Wenn ein Bittelbronner durch Grünmettstetten geht, so muß er damit rechnen, daß von irgend einer Hausecke vor ein “Gizle!” “Gizle!” zu hören ist oder daß “gemeckert” wird. Umgekehrt wird kaum ein Grünmettstetter das Dorf Bittelbronn passieren können, ohne sein liebes “Storch!” “Storch!” hören zu müssen. Wie alt die Spitznamen sind, kann nicht mehr festgestellt werden, jedenfalls schon vor 100 Jahren haben sich beide Gemeinden mit den Übernamen herausgefordert, wie Vikar Faßnacht um 1864 herum in der Chronik es niedergeschrieben hat.

Ebenso ist auch der Grund, warum man die Grünmettstetter so heißt, nicht zu erfahren. Erst hintendrein reimt man sich etwas zusammen, um eine Bestätigung für den Spitznamen zu erhalten.

So heißt es von den “Grünmettstetter Storchen”:
Vor langer Zeit, anno dazumal, als die Grünmettstetter Ratsherren samt ihrem Schultheiß noch Lederhosen trugen, überflog ein Storchenpaar den Ort und suchte auf dem Kirchturm zu nisten. Wegen des schiefen Turmes aber zogen die Störche es vor, drunten in den Unteren Wiesen ihr Camping aufzuschlagen, zumal der Weg zur Steinach, wo sie ihre Nahrung suchten, wesentlich verkürzt wurde. Der betreffende Wiesenbesitzer meldete dies, wie es Sitte und Brauch im Orte war, auf dem Rathaus und klagte über Flurschaden der beiden Rotschnabel. Nun, eine so wichtige Entscheidung konnte das Dorf Oberhaupt nicht allein entscheiden. Wozu hatte er seine Ratsherren? Also wurde eine Sitzung anberaumt, in der über zu ergreifende Maßnahmen zu beraten war. Von der Anbringung einer Verbotstafel versprach man sich nicht viel. Man argumentierte: Wenn schon unsere Bauern sich um aufgestellte Verbotstafeln wie z.B. “Schuttabladen bei Strafe verboten!” nicht kümmern, dann sei es den Störchen nicht zu verargen, wenn auch sie solche Schilder ignorierten. Ein findiger Gemeinderat meinte nun: man solle auf einem benachbarten Bauernhause ein Wagenrad auf den Dachfirsten setzen und ein molliges Heim für die Störche herrichten, dann würden sie bestimmt dort oben nisten. Gesagt, getan! Aber den Störchen fiel es bei weitem nicht ein, den Gemeinderäten den Gefallen zu tun und einen Wohnungswechsel vorzunehmen. Da das Gras schon hoch stand, konnte sich jedes von einem nicht geringen Flurschaden überzeugen. Ein noch schlauerer Ratsherr machte nun den Vorschlag, Frösche zu fangen und sie ringsum an das am Dach befestigte Wagenrad zu hängen, um die Störche anzulocken. Das wurde von allen Räten gutgeheißen. Man befahl dem Feuerwehrkommandanten, mit seiner Wehr das zu bewerkstelligen. Aber auch auf diesen Vorschlag gingen die Störche nicht ein. Es blieb also nichts anderes mehr übrig, als daß man eine gewaltsame Entfernung des Storchenpaares ins Auge fassen mußte. Also entschied der Schultheiß nach einer langen Debatte; Damit bei der Entfernung bzw. bei der Jagd auf die Störche von denselben kein weiterer Flurschaden angerichtet werde, sollen 6 beherzte Gemeinderäte unter seiner Anführung, ausgerüstet mit einer Tragbahre, sich in aller Frühe, wenn die Störche noch schlafen, sich an das Nest im Schutz des hohen Grases heranpirschen und dann die beiden Störche, um weiteren Schaden von seiten der Störche zu verhindern, auf der Bahre aus der Wiese heraustragen. Ob dem hohen Kollegium voller Erfolg beschieden war, kann heute nicht mehr festgestellt werden. Jedenfalls hatten die Grünmettstetter ihren “Spitznamen”!!

§ 32 Vom Rathaus

Rathaus Grünmettstetten
Inmitten des Dorfes steht das Rathaus, das nunmehr ein Alter von 175 Jahren erreicht hat. Wie schon früher im Abschnitt über das Schulwesen kurz ausgeführt, war das Rathaus ursprünglich als Schulhaus erbaut worden. Erst im Jahre 1815 kam die Gemeindeverwaltung hinein und seit dem Jahre 1835 steht es ganz für die Gemeindeverwaltung zur Verfügung.

Um 1777 begann der erste Schulunterricht, zunächst noch im Hause des Schulmeisters Franz Xaver Hopfer, der damals das Haus von Kufner-Maier (Seestraße) bewohnte. Zehn Jahre lang stellte der Vater des jungen Lehrers ein Zimmer seines Hauses als Schullokal zur Verfügung. Im Jahre 1789, als das neue Schulhaus erbaut werden sollte, forderte der Lehrer Hopfer als Miete für 10 Jahre insgesamt 50 fl. Sein Vater war in Gant gekommen und Franz Xaver Hopfer übernahm für 200 fl das elterliche Haus.

Unterm 22. Nov. 1787 verordnete das K.K. Oberamt Hohenberg in Rottenburg folgendes: “In Schulangelegenheiten ist von Seiten des
hießigen K.K. Oberamtes die Entschließung getroffen worden: daß von
dem Spitalamte daselbst der Bedacht genommen werde:

  1. daß zu Grünmettstetten auf künftiges Frühjahr ein vorschriftsmäßiges Schulhaus nach Anweisung des Schulkreiskömmisärs unfehlbar hergestellt werde, wozu der Spital als Grundobrigkeit und Pfarrpräsentator die Baumaterialien und die Auszahlung der Professionisten (=Handwerker), die ganze Gemeinde Grünmettstetten aber die Zug- und Handfrohnen beizutragen haben.
  2. daß die geringe Besoldung des Lehrers zu Grünmettstetten aus der Spitalpflege um 20 fl jährlich vermehret und
  3. für den Brodlaib, welchen der Lehrer bisher als Meßner von jedem Bürger jährlich bezogen hat, künftig 8 kr bezahlet, das Geld aber von jedem Bürger durch das Gericht eingetrieben und dem Franz Xaver Hopfer gegen Quittung übergebe, auch dessen Schulgehalt 40 fl in den zween Terminen Martini und Georgi ausbezahlet werde,
  4. daß die Gemeinde Grünmettstetten ihrem fleißigen Schulhalter jährlich 3 Klafter Holz, ohne das gewöhnliche Schulholz zur Feuerung der Schulstube, als eine Aufbesserung an seinem geringen Gehalte aus ihren Gemeindswaldungen unentgeltlich abgeben, machen, und zu Haus führen lasse, ferner daß sie, die Gemeinde, sich mit ihrem Schulhalter Hopfer wegen des Zinses abfinde, den dieser, weil er die Schule durch mehrere Jahre in seinem eigenen Hause hielt, fordert. Dem Magistrat (in Horb) wird hiemit die Weisung gegeben, über ein so andere Gegenstände das gehörige an das Spitalamt zu verfügen, um dem Oberamte von dem Erfolg seinerzeit den Bericht abzustatten.”

Was da nun der Horber Spital zu leisten hatte, war kein kleiner Brocken: verständlich, daß er versuchte, die Baulast abzuwälzen.

Am 30. Dez. 1787 antwortet der Magistrat von Horb an das Oberamt in Rottenburg u.a.: “… wenn man alles, was das hiesige Spital als Grundobrigkeit nicht bloß von der Gemeinde Grünmettstetten, sondern auch von den übrigen Spitalorten beziehet, zusammenschlägt, so macht der reine Betrag desselben kaum 400 fl aus. Ein Schulhaus zu Grünmettstetten nach dem Plane, welcher von dem allerhöchsten Orte für Landschulgebäude bestimmt ist, herzustellen, muß, wenn auch die Gemeinde die Zug- und Handfrohnen leistet, einen Kostenbetrag von 400 fl ausmachen. Muß nun das Spital diese außerdordentliche Ausgabe bestreiten, so fallen ihm die Einkünfte so als Grundobrigkeit durch ein Jahr beziehet, ganz hinweg. Da alle Einnahmen beim Spital ihre Bestimmung haben, so kann die Bestreitung dieser Baukosten demselben nicht wohl zugemutet werden, ohne daß in dessen innerer Einrichtung eine Veränderung vorgenommen werden müßte…..”

Doch scheint die Eingabe keinen großen Erfolg gehabt zu haben. Am 26. März erteilt der Horber Magistrat sowohl dem Spitalpfleger wie auch der Gemeinde in Grünmettstetten mit. ihre Arbeit für den Schulhausbau in Angriff zu nehmen, damit im kommenden Frühjahr (also 1789) mit dem Bau begonnen werden könne. Der Spital soll aus dem Spitalwald das nötige Holz aussuchen und noch fällen lassen, die Gemeinde soll das Bauholz und die Steine möglichst bald zum Bauplatz führen.

Aber noch im Oktober des Jahres 1789 war noch nicht viel geschehen. Schulkommissär Liebermann bringt das zur Anzeige und der Magistrat mußte dazu Stellung nehmen: “… der Bau sei bloß durch das gehemmt worden, weil die Gemeinde Grünmettstetten im abgewichenen Sommer die ihr auferlegten Hand- und Fuhrfrohnen der vielen Feldgeschäfte wegen nicht leisten konnte und die Baumaterialien nicht zu bekommen waren, daß dieser Bau ununterbrochen fortgeführt werden können hätte. Nun haben wir aber wirklich die Vorschauung getroffen, daß durch den Winter alle Baumaterialien herbeigeschafft, damit gis1^ nach eintretendem Frühjahr das Haus aufgerichtet werden kann.

Nach diesem Schriftwechsel zu schließen, dürfte wohl im Jahre 1790 das Haus vollendet und seiner Bestimmung übergeben worden sein. Noch ist ein Bauplan vorhanden mit Gesamtansicht des Baues, der als Fachwerk erstellt jedoch im Erdgeschoß massiv ausgeführt werden sollte. Auch über die Baukosten sind wir heute noch genau orientiert, denn es sind noch die Kostenvoranschläge vorhanden. Gottlieb Hausch, Zimmermeister in Horb, berechnete für die Bearbeitung des Bauholzes 82 fl 45 kr, für 240 Bretter Arbeitslohn 12 fl und für 244 Latten 4 fl 4 kr. Für das Aufrichten des Hauses wurde für 20 Mann 2 Tage lang jedem Mann “vor Speis und Lohn” 45 kr pro Tag, insgesamt also ß0 fl, berechnet. Der Zimmermeister forderte insgesamt 128 fl 45 kr, der Maurer verrechnete Summa summarum ganze 98 fl 4 kr. So konnte der ganze Bau für rund 230 fl, die der Horber Spital aufzubringen hatte, erstellt werden. Ais Hauptfront war zunächst die Westseite gedacht, doch schließlich wurde der abgeänderte Plan durchgeführt, der der heutigen Raumeinteilung ganz genau entspricht. Der heutige Sitzungssaal mit Nebenraum war der große Schulraum, das Zimmer des Bürgermeisters war die Wohnstube, der nunmehr abgebrochene Arrest mit Registratur zusammen das Schlafzimmer, die Küche war das Vor- bzw. Wartezimmer, dessen halbverkohlte Türpfosten bei der z.Zt. durchgeführten Renovation zum Vorschein kamen. Lehrer Hopfer mußte also gut “eingeheizt haben. Fast möchte man annehmen, daß einmal ein nicht geringer Zimmerbrand ausgebrochen sein mußte.

Mit dem alten Lehrer Hopfer gab es während seiner Amtszeit manche Differenzen, vor allem wegen des Beitrages, den die Gemeinde zu seiner Lehrerbesoldung beitragen mußte. Schon am 15. Januar 1789, als das neue Haus noch nicht stand, stellten Schultheiß Hans Ulrich Klink und Josef Armbruster u. Joseph Marquard zur Beantwortung einer Anfrage des Oberamtes fest:

  1. die Gemeinde hat in des Lehrers Haus kein Zimmer wollen machen lassen, nit den das Zimmer nit mochte gutgeheißen werden, weil es die Gemeinde vül gekostet und toblete Kosten habe, da hat der Stadtpfarrer gesagt, er gestehe davor, daß es gutgeheißen werde und wo nit, so solle die Gemeinde dem Lehrer alle Jahr etwas an seinem Lohn, abzuziehen, bis die Gemeindt wieder zuihrem Regres komme, und es hat die Gemeind jährlich kostet an den Ofen und Finster, und des Lehrers Vatter hat das Zimmer anerbotten und hat gesorget, man möchte einen anderen Lehrer auf stehlen, wan die schuol nit in seinem Haus gehalten würde und weil bei der alten schuol ein jeder Lehrer in seinem Hauß die schuol halten mußen.
  2. hat die Gemeinde wider großen Kosten gehabt, weil man den Lehrer von der Gemeind aus lehren laßen und ein jeder Bürger hat dem Lehrer aus seinem Sach 1 fl mießen Kost und Lehrgelt geben, und das übrige ist erst im gemeinen bezahlt worden.
  3. hat der Lehrer von seines Vaters Gant das Haus kauft um 200 fl. So ist der ganze Zins 10 fl und wir haben nur ein Zimmer zu der Schulstuben gehabt, und macht nit den achten Theil von dem Haus aus, so seyen wir nit den halben Zins schuldig.
  4. hat die Gemeinde alle Jahr 2 Klafter Holz zu der Schulstuben hergeben und der Lehrer hat sein Bürgerholz verkauft, mithin hat er das Schulholz in seinem Ofen verbrennt und es seindt Bürger bey uns, die sagen, er habe in einem Jahr 3 Klafter Holz verkauft, mithin hätte er alle Jahr seinen Zins an dem Schulholz gehabt, und allwo er die schuol in dem gemeinen Haus gehalten hat, so hat er das erste Jahr ein Klafter Schulholz in sein Haus führen lassen, mithin wollen die Bürger nit glauben, daß man dem Lehrer ein Hauszins schultig sein solte, so wollen wir dem hochlöbl. Magistrat gebetten haben, daß er sich um die Sach annehmen möchte, damit es doch einmal Fridt werde, weil wir schon alles gethan haben, und der Lehrer sich nit verstehen will”.

Aus den Schriftzügen ist zu schließen, daß Josef Armbruster, der später Schultheiß wurde, den Schrieb verfaßte, der Schultheiß Klink selber hätte es wohl nicht so “gut” hingebracht: ein Beweis, daß die allgemeine Schulpflicht doch höchst notwendig war für Grünmettstetten!

Ob Lehrer Hopfer gleich nach der Fertigstellung des Schulhauses auch hier seine Wohnung bezogen hat, ist fraglich. Wie es scheint, sind seine Kinder noch im alten (eigenen) Hause geboren worden. Doch aus späteren Akten ist zu schließen, daß er bei seiner Ablösung 1815 hier in der Schule wohnte und es ihm zur Auflage gemacht wurde, möglichst schnell die Wohnung zu räumen, weil die Räume für die Gemeindeverwaltung in Anspruch genommen werden sollten. Um den Schwierigkeiten mit einer Dienstwohnung aus dem Wege zu gehen, hatte der Nachfolger. Sohn Johannes Hopfer. sich ein eigenes Haus (heute noch im Besitz der Hopfer) im Jahre 1815-17 erstellt. Als im Jahre 1834 das 2. Schulhaus beim Pfarrhaus erstellt war, konnte das alte Gebäude vollständig für die Gemeindeverwaltung eingerichtet werden. In das Erdgeschoß wurde in diesen Jahren der Gemeindebackofen eingerichtet und oben aus dem Lehrer Schlafzimmer ein kleiner Ortsarrest eingebaut, der in den kommenden Jahrzehnten selten leer stand, wie es schon an anderer Stelle ausgeführt wurde. Anläßlich der Ausscheidungsverhandlungen der Horber Stiftsverwaltung kam auch das Grünmettstetter (ehemalige Schul- und jetzige) Rathaus in die Debatte. Man entdeckte dort einen Schrieb, wonach das Grünmettstetter Schulhaus im Besitz des Horber Spitals sei. Schultheiß Schäfer antwortete dem Horber Stiftungsverwalter Heberle unterm 30. Nov. 1873: “…..in den Akten und Büchern hier lauft das alte Schulhaus überall als Eigentum der Gemeinde. Nach dem Erlaß vom 20. Nov. 1787 war das Spital Horb verpflichtet, in den Spitalorten Schulhäuser zu bauen und man bedauere nur, daß die Gemeinde im Jahre 1834 auf ihre (eigenen) Kosten eines erbaut hat.” Schließlich fand man eine Aufzeichnung, wonach im Jahre 1808 das Haus untersucht und taxiert der Gemeinde zum Kauf angeboten wurde. “Der damalige Schultheiß Anton Schäfer” – so heißt es in einem weiteren Schriftstück der Stiftsverwaltung vom 2. Dez. 1873 – “Bürgermeister Martin Lutz und Johannes Schäfer und Johannes Steimle gaben aber zu Protokoll die Bitte, es möge der Spital Horb dieses Haus. das die Gemeinde schon so viele Jahre lang benützt habe, schenken, da die Gemeinde wenig Mittel habe”. Laut Dekret des damaligen Landskollegiums vom 13. Febr. 1809 wurde genehmigt, daß fragliches Gebäude der Gemeinde umsonst überlassen werden soll. somit wurde dieses Haus der Gemeinde geschenkt!

An dem Gebäude wurden bislang noch nicht viele Erneuerungsarbeiten durchgeführt, zur Zeit wird das ehemalige Arrestlokal als Dienstzimmer für den Gemeindepfleger hergerichtet. Außenverputz erhielt das Rathaus im Jahre 1959, wobei Kirchenmaler Peter Paul Beyerle aus Waldsee, der die Kirchenrenovation zur gleichen Zeit durchführte, über dem Eingang das württ.- und Gemeindewappen anbrachte. In den Registraturkästen des Rathauses könnte noch manches Interessante aus Grünmettstetter Vergangenheit zu Tage gefördert werden.

§ 26 Von den örtlichen Vereinen

  1. Von den kirchlichen Vereinen und Bruderschaften abgesehen, hat der Krieqerverein, früher auch Militärverein genannt, das höchste Alter erreicht. Gegründet wurde der Verein im Jahre 1878. Die ersten Mitglieder waren die Kriegsteilnehmer des Krieges 1870/71, später schlössen sich jeweils die, die ihre Militärzeit hinter sich hatten, an. Vorstand des Vereins waren: Karl Besenfelder, Oswald Walz (der heutige Dorfälteste). Georg Steimle, Eugen Kaupp und als letzter Anton Singer bis zum Jahre 1945. Die französische Besatzungsmacht hat alle militärischen Vereinigungen verboten. Am Ostermontag 1879 war hier die Fahnenweihe des Kriegervereins unter zahlreicher Beteiligung der benachbarten Vereine. Festredner war der Abgeordnete Nußbaumer. Die Vereinsfahne wurde von Osiander – Ravensburg um 190 Mark gefertigt. Bei dieser Feier, die auf dem Platz, wo heute das Haus von Georg Maier steht, abgehalten wurde, hat es noch Schnee gehabt, wie die lebende Dorfchronik, Oswald Walz, dem Verfasser erzählte. Im Sommer 1903 fand auf einer Wiese am Bittelbronner Weg das 25-jährige Jubiläum des Vereins statt mit “Festjungfrauen” und Festessen im Hirsch. 28 auswärtige Vereine beteiligten sich dabei. Die Festrede hielt Geometer Schotter. Der Kirchenchor fand mit seinen Chorliedern allgemeinen Beifall. “Groß war der Durst – schreibt Pfarrer Aicher in der Pfarrchronik – und zahlreich waren die “Fahnen”. Wegen der Festjungfern kam es im hiesigen Militärverein zu einer Spaltung zwischen den Jungen und den Alten.
  2. Schützenverein
    Die oben erwähnten Differenzen im Kriegerverein dürften auch dazu beigetragen haben, daß vor allem die Jüngeren nach einem “Schützenverein” verlangten. Die Vereinsgründung muß wohl in aller Stille vorgegangen sein, denn am Sonntag vor Weihnachten 1905 hat der Ortspfarrer Aicher erst davon Kenntnis erhalten. Am Stefanstag 1905 nahm der Pfarrer von der Kanzel aus Stellung zu der Vereinsgründung und warnte seine Gemeinde davor: erstens, weil durch das Schießen am Sonntag die Sonntagsstille und -ruhe gestört werde, zweitens weil der Verein viel Geld kostet und drittens, weil in einem so kleinen Orte neben dem längst bestehenden Militärverein es nicht gut tut, diesen lahmlegt und Zwist und Uneinigkeit in die Gemeinde trägt. Ob die Befürchtungen eintreffen, wird die Zukunft lehren: jedenfalls aber würde – so wurde betont- seinerzeit eine Vereinsfahne nicht kirchlich geweiht werden,”da der ganze Verein lediglich dem Vergnügen dient und eines idealen Zweckes entbehrt”. Die ersten Vorstände des Vereins waren Wilhelm Schäfer und Martin Dettling. Auch der Schützenverein fand mit dem Zusammenbruch 1945 unter der Vorstandschaft von Josef Stehle sein Ende. Das Schützenhaus wurde, um es vor den Franzosen zu retten, von Pfarrer Heinzmann beim Schwesternhaus als Sommerlaube für die Kinder aufgestellt, später aber. nachdem der Verein “Hubertus” neu erstand, dem Verein wieder zurückgegeben. Heutiger Vorstand der Schützengilde ist Lorenz Steimle, Schreiner. Im kommenden Jahr kann der Verein sein 60-jähriges Bestehen feiern.
  3. Gesangverein “Eintracht”
    Der Männergesangverein hat hintereinander 2 Jubiläen gefeiert:
    Im Jahre 1952 sein 25- und 1956 sein 30-jähriges Bestehen. Die Geburtsstunde des Vereins schlug im Jahre 1926, als Lehrer Bregenzer Dirigent der Sängerabteilung des Kriegervereins war und die Sänger einen eigenen Verein und Selbständigkeit forderten. Erster Vorstand und heutiger Ehrenvorstand war Martin Schäfer, der heute noch aktiv im Gesangverein sowie im Kirchenchor ist. Das 30-jährige Jubiläum leitete der neue Vorstand Johann Schäfer, ebenfalls einer der Mitbegründer des Vereins. Seit dieser Zeit ist dem Gesangverein ein Frauenchor angegliedert, sodaß meist nur gemischte Chöre zum Vortrag kommen. Zur Zeit leitet Malermeister Fridolin Appenzeller den Verein.
  4. Spar- und Darlehenskassenverein
    Auch die Spar- und Darlehenskasse konnte im Jahre 1962 jubilieren:
    sie bestand 75 Jahre. Gegründet wurde der Verein 1887. Vorstandsvorsitzende waren:
    Reinhold Schäfer. Thomas Kostenbäder, Josef Steimle, Martin Schäfer (beim Rathaus), nunmehr Johann Saier, Weißgässle.
    Rechner war lange Jahre Anton Jung. Bürgermeister, und nunmehr Ludwig Wehle. Vor Jahren kaufte die Darlehenskasse die eingegangene “Linde” und richtete dort ihr Warenlager ein.
  5. Die Belange der Landwirte vertreten die Milchverwertungsgenossenschaft sowie der Viehversicherungsverein.
    Die erstere wurde 1934 gegründet mit 94 Mitgliedern, zur Zeit sind es 84 Mitglieder. Verschiedene landwirtschaftliche Betriebe sind eingestellt worden. Vorstände waren: Johann Schäfer. Franz Wössner. Jakob Zimmermann, heutiger Vorstand ist Konrad Kaupp.
  6. Der Viehversicherungsverein will die Verwertung von Notschlachtungen sicherstellen sowie den einzelnen bei Unglück im Stall finanzielle Hilfe leisten. Der Verein wurde im Jahre 1936 vom ersten Vorstand Wilhelm Neff gegründet.
  7. Als letzter und neuester Verein soll der Sportverein “FC Grünmettstetten”, 1958 ins Leben gerufen, genannt sein. Gründer und erster Vorstand bis 1963 war Schmiedemeister Gaiser. Jetziger Vorstand. Horst Schweizer. Trotz großer Anstrengung gelang es dem Verein bisher nicht, das Schlußlicht einem ändern Verein anzuhängen.
  8. Kath. Landjugendgruppe
    1953 herausgewachsen aus der Pfarrjugend hat verschiedene ländliche Seminare, auch ein Eheseminar, durchgeführt weiß sich für christliches Brauchtum verpflichtet (Erster Mai-Feier, Landmaschinensegnungen. Erntedankfest). Ein Höhepunkt war die Begegnung mit 25 jungen Ägyptern, die zu einem Heimatabend hier weilten.

§ 20 Von alten Maßen, Münzen und Gewichten

§ 20 Von alten Maßen, Münzen und Gewichten
Heute im Zeitalter der Technik ist alles genormt und in das Dezimal-
system hineinverpaßt. Früher war es anders. Für den heutigen Menschen
ist es schwer, mit den alten Maßen zu rechnen, so ungefähr, wie wenn
man heute mit ausländischem Geld, seien es Francs, Lire oder Schilling,
zu zahlen hat.
Größere Strecken wurden nach Schritten gemessen: der Weg nach
Horb betrug einige Tausend Schritte, der Weg von Horb hieher etwas
mehr (bergauf waren die Schritte kleiner!). Felder und Wiesen und
Wälder wurden nach Jauchert bemessen, l Jauchert betrug 47 ar (= 1/2
Morgen), l Jauchert Acker war die Fläche, die ein Mann mit einem Joch
Ochsen an einem Tag pflügen konnte. Bei den Wiesen hieß es Mannsmahd
oder Tagewerk: die Fläche, die l Mann an l Tag mähen konnte, l Ruthe
betrug ca. 8 ar. Das Getreide wurde nach Malter, Scheffel, Simri,
Vierling, Achtel und Ecklein berechnet. Ein Malter war ursprünglich
die Menge, die auf einmal in den Mahlgang geschüttet wurde, l Simri
faßte 22 1t, 8 Simri ergaben l Scheffel (= 177 Itr.). l Ecklein als
kleinstes Hohlmaß faßte 0,7 Itr., l Fuder Stroh wog 16-24 Zentner.
l Wanne Heu dagegen nur 10 Zentner. Wein wurde mengenmäßig nach Eimer
berechnet. (= 38 Itr). 3 Eimer ergaben ein Fuder Wein. Ein Maß Wein,
das zum Ausschank kam, faßte 1,19 Itr. Das Holz wurde nach Klafter be-
messen: l Klafter: 6 Schuh hoch, 6 Schuh breit und 4 Schuh lang
(= 3,5 cbm). Der Geldwert wurde meist in Gulden oder Heller (Pfund
Heller) angegeben, l Gulden (fl abgekürzt; vom Lateinischen florens).
5 Gulden = l Dukat, l Reichstaler = 3 fl, l Karoline betrug 11 fl.
(Anmerkung: Die Rexinger Vieh Juden rechneten bis zum Anfang des 20.
Jahrhunderts noch mit Karolinen). Das Kleingeld waren die Kreuzer;
l fl = 60 Kreuzer (kr), l Groschen = 3 kr. l Batzen = 4 kr, l Sech-
ser = 6 kr, l Kopfstück = 20 kr, l Orth = 15 kr = 1/4 fl. Ein Pfund
Heller bestand aus 260 Heller, 2 Heller ergaben l Pfennig. Bei der
Geldumstellung im Jahre 1875 wurde für l fl = 1,71 Mark berechnet.
Die Kaufkraft des Geldes vom Stand des Jahres 1950
um 1650 60 mal mehr
um 1750 ca. 30
um 1820 15 mal mehr
um 1860 8 mal mehr
um 1900 5 mal mehr
1925-40 2 mal mehr
1950 l
und heute?? vielleicht 1/2 oder noch weniger?
Im Jahre 1840 wurde bezahlt
für l Jauchert Acker in bester Lage 6-700 fl
mittlerer 3-400
schlechter 1-200 fl.
1846 kostete l Pfund Ochsenfleisch 8 kr, l Pfd.Butter 19 kr,
l Simri Weizen 3 fl 12 kr, l Klafter Tannenholz 8 fl.
Nach dem l. Weltkrieg (1919-23) kam die Geldentwertung (Inflation
genannt): l Goldmark hatte im Jan. 1922 den Wert von 26 Rentenmark.
am l. Nov. = 1100.-, am 30. Aug. = 3 Millionen, am l. Okt. = 60 Mil-
lionen.
am 11. Okt. 1923 hatte die Goldmark den Stand von 1.2 Milliarden
erreicht und am Ende der Inflation (20. Nov. 1923) sogar die
astronomische Zahl von l Billion Papiermark.
Einige von diesen Geldscheinen jener Zeit sollen als Beilage
in diese Chronik eingefügt sein.
Ende Nov. 23 mußte die Gemeinde für l Kehrbesen und l Paket Streich-
hölzer nur 4 Billionen und 500 Milliarden Mark bezahlen.
Alf Monatslohn erhielt der Schultheiß in dieser letzten Zeit 38 Bil-
lionen, der Gemeindepfleger 6 Bill., der Polizeidiener 8. der Schul-
diener 2 und die Handarbeitslehrerin 1,17 Billionen Mark.
Während der Inflationszeit wurde auch das Schwesternhaus gebaut, die
Preise stiegen von Tag zu Tag: es wurde zum teuersten Haus der Ge-
meinde, in Wirklichkeit aber kostete das Haus, wie Pfarrer Honer in
der Pfarrchronik vermerkt, kaum mehr als 20 Goldpfennige (kurz vor
seinem Tod berichtet Pf r. Honer dem Verfasser dieser Abhandlung,
daß er damals von Amerika einen Dollar erhalten habe, mit dem prak-
tisch der ganze Schwesternhausneubau finanziert werden konnte).
Doch darüber später mehr.

§ 19 Von Kriegszeiten und Plünderungen

§ 19 Von Kriegszeiten und Plünderungen
Von den Wirren des anbrechenden 1-6. Jahrhunderts (Bauernkrieg)
hat Grünmettstetten, wie es scheint, nicht viel abbekommen. Rebel-
lische Bauern aus Bittelbronn und Umgebung haben 1525 die Burg von
Diessen erstürmt und zerstört. Bei diesem Aufstand waren die Grün-
mettstetter nicht dabei, da sie ja als Spitalort zu Horb zählten und
wohl mit ihrer Führung zufrieden waren. Auch vom 30-jähr igen Krieg
ist nichts Besonderes überliefert. Doch dann kamen die Franzosen
unter dem gefürchteten Plünderer und Zerstörer Melac ins Land und
schafften viel Leid. Auch Grünmettstetten blieb nicht ganz unver-
schont. Am 7. Dez. 1676 starb hier Josef Caprell, gebürtiger Spanier
und französischer Quartiermeister, der sich zuvor – gemäß einer Notiz
im Sterberegister – ganz ungebührlich im Hause des Schultheißen auf-
geführt und Fußtritte ausgeteilt hatte. Der damalige Pfarrer bemerkte
dazu: “Non Dominus sed tyrannus” – er war kein Herr, sondern ein
Tyrann!”. Während des spanischen Erfolgskrieges (1701-1714) mußten
hier öfters Soldaten einquartiert gewesen sein. In den Taufbüchern
steht oft der Zusatz bei Eltern oder Paten; miles (= Soldat) aus
dem Regiment des Heerführers von Haidenbrech oder sub regimine
Niselbachensi. Am 11. Juni 1704 war sogar eine Soldatenhochzeit in
Grünmettstetten: Johann Wackher vom Regiment des Grafen Fugger wurde
mit AnnaMaria Klumpp von Heselbach getraut. Nach einer anderen Notiz
weilte zu jener Zeit Prinz Eugen, der “edle Ritter” vorübergehend in
Horb und soll auch den Horber Wein versucht haben. Warum sollte er
nicht auch einen Besuch bei seinen Truppen, die in Grünmettstetten
lagen, machen?
Napoleon hatte am Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts
ganz Europa zum Kriegsschauplatz gemacht. Vom Franzoseneinmarsch im
Jahre 1796 berichtet Pfarrer Nikolaus Brischar von Grünmettstetten
wie folgt:
“In der Nacht vom 23./24. Juni 1796 sind die Franzosen bei Kehl
über den Rhein gesetzt und haben die dortige Besatzung, welche meis-
tenteils aus wirthembergisehen Soldaten bestanden ist, teils nieder-
gemacht, teils gefangen und die ganze Reichsarmee zerstreut. Den 3.
Juli morgens um 2 Uhr haben sie die Schanz auf dem Kniebis (= Alex-
anderschanze) mit Sturm genommen und die wirthembergi sehen Soldaten,
die darinnen waren, größtenteils niedergemacht, gefangen und zerstreut.
Den 4. Juli morgens 10 Uhr sind sie in Freudenstadt eingerückt, wo die
wirthembergisehen Soldaten mit Kanonen, mit Sack und Pack davongelau-
fen sind. Die General der französischen Armee hießen Duheme und
Vaudam. Den 7. Juli nachmittags um 4 Uhr kamen zum erstenmal 2 fran-
zösische Husaren hieher, welche eine große Kontribution von Hafer und
Heu nach Freudenstadt ins Lager forderten. Johannes Steimle, Schult-
heiß. aber hat ihnen fünfzehn Karolinen (das sind = 150 Gulden) da-
für bezahlt. Den 9. Juli rückten sie morgens zwischen 9 und 10 Uhr
in Horb ein, wo sie ohne allen Widerstand ein großes KK-Habermagazin
eroberten und nach Freudenstadt abführen ließen. Weil aber am nämlichen
Tage Kaiserliche Husaren in Bildechingen angekommen und dort zwischen
diesen und den Franzosen ein Scharmützel vorgefallen, so zogen sie sich
in der Meinung, es rücken mehrere KK-Völker an, gleich wieder nach
Freudenstadt zurück und nahmen die Herren Michael Schott und Johannes
Erath, beide Chirurgies, als Geiseln mit sich, welche den 4. Tag mit
100 Karolinen (= 1.000 Gulden) ausgelöst worden sind. Den 17. Juli,
am Skapulierfest, rückten sie wieder in Horb ein. raubten alle Häuser,
in welche sie eingedrungen sind, rein aus und plagten die Bürger in
Horb entsetzlich. Den 18. Juli morgens schon um 4 Uhr kamen 5, 10, 20
bis 30 Franzosen in unsern Flecken aus dem Lager bei Tumlingen, begehr-
ten Brot und Wein, doch taten sie niemanden etwas zuleid und raubten
auch nicht. Zu gleicher Zeit hatten sie noch ein Lager hinter unsenn
Seewald auf den Bitfcelbronner und Diessener Feldern; in dieses Lager
mußten wir ihnen Fleisch, Butter,- Brod und Wein in Kiebeln hinaustra-
gen. Zu unsenn größten Glück aber sind sie in der Nacht vom 21./22.
Juli aufgebrochen und Stugard zu vorgerückt. Vor der Ankunft der Fran-
zosen war die Furcht und der Schrecken unbeschreiblich groß. Alles war
kleinmütig und verzagt, weil man nicht erfahren konnte, wie die Fran-
zosen mit den Leuten umgehen. Anfangs wollte alles fliehen mit Weib,
Kindern und den besten Habschaften. Aber nach ehens noch vor der Ankunft
der Franzosen hat die hiesige Gemeinde besonders auf mein Anraten be-
schlossen. daß, wenn der Feind auch hieher kommen sollte, kein Bürger
von hier unter Verlust seines Bürgerrechts und alles Vermögens fliehen
dürfe. Es hat sich auch wirklich kein Mensch von hier geflüchtet, alle
ohne Ausnahme des Geschlechts oder des Alters blieben beieinander zu-
hause. Und wenn ein oder mehr Franzosen in unsern Flecken gekommen sind,
so liefen fast alle Männer und erwachsene Söhne zusammen und empfingen
sie höflich, boten ihnen Wein und Brod an, und so waren sie zufrieden
und drangen in kein Haus feindselig ein. Aber ganz anders ging es in
Horb zu. Der damalige Syndicus Herr Endreß flüchtete mit seiner Fa-
milie, und so hatten die Bürger, sich selbst überlassen, gesehen, daher
sind die mehresten, ja auch die ärmsten Bürger mit Weib und den klein-
sten Kindern geflohen. Dieses Fliehen hat den Horbern einen übergroßen
Schaden verursacht. Und sie hatten mehr Furcht und Schrecken auf der
Flucht, als wenn sie zuhause geblieben wären, denn der Feind hat sie
immer voran bis ins Bayernland gejagt. Unter dieser Zeit legten die
Franzosen in Horb ein sehr großes Kernen- und Habermagazin an aus sol-
chen Früchten, welche die ganze Nachbarschaft von Haigerloch, Hechingen,
als Kontributionsfrüchte liefern mußte. Dieses Magazin aber, welches aus
mehr als 7.000 Mälterle Kernen und ebensoviel Haber bestanden, fiel den
österreichischen Soldaten vom Regiment Graf Wallis, welches Regiment
zuvor dem Feldmarschall und großen Helden Laudon selig gehörte, in die
Hände. Diese österreichischen Soldaten, an welche sich Bauern aus
Oppenau und der dortigen Gegend freiwillig anschlössen, kamen den 20.
Sept., in der Früh um 10 Uhr über Oppenau und Freudenstadt nach Horb und
ein großer Teil dieses Magazins wurde noch an dem nämlichen Tag nach
Freudenstadt geführt. Endlich wurde Kehl nach einer Belagerung von 7
bis 8 Wochen von den Österreichischen unter der einsichtigen Leitung
des Feldmarschall und Prinzen Karl (eines Bruders unseres glorreich
regierenden Kaisers Franziskus des 2.) den 9. Jänner 1797 wieder
ero ert. Grünmettstetten, den 20. Jänner 1797 Nikolaus Brischar.
In den folgenden Napoleonischen Kriegen mußten die Württemberger
unter der französischen Fahne kämpfen: 1806 halfen 14.000 Württemberger
Preußen niederwerfen, im Jahre 1809 kämpften 16.000 gegen Kaiser Franz
I. und 1832 zogen 14.000 mit nach Rußland, von denen kaum 1.000 zurück-
kehrten. Auch in den Freiheitskriegen standen die Württemberger noch
in den Reihen der Franzosen; erst bei Leipzig trat der württembergische
General Normann gegen den Willen seines Königs Friedrich II. auf die
Seite der Verbündeten. Aus der Gemeinde Grünmettstetten sind 2 junge
Soldaten in Rußland verschollen: Andreas Steimle, geb. 1786, und
Johann Steimle, geb. 1786.
Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 war auch ein Opfer aus der
Gemeinde zu beklagen. Am 30. Nov. 1870 wurde vor Paris der verh.
Maurer Xystus Faßnacht, 29 Jahre alt, durch einen Bauchschuß schwer
verwundet u. starb noch am gleichen Tag; begraben wurde er im Park
des Schlosses von Champigny in der Nähe von Paris.

§ 18 Von Feuersbrünsten: Großbrand anno 1686

§ 18 Von Feuersbrünsten: Großbrand anno 1686
In den alten Akten ist kaum eine Feuersbrunst im Dorfe erwähnt.
Die alten Leute aber wissen vom Hörensagen, daß es früher hier und
dort einmal gebrannt habe. Im Jahre 1850 soll das Haus Bettau (Ge-
schwister) auf dem Äschenberg abgebrannt sein. Zwei Jahre später
soll am Ostermontag der “Hirsch” samt Nebenhaus gebrannt haben.
Die Brandursache wurde nicht festgestellt, doch vermutete man stark
Brandstiftung. Nach Angaben des Dorfältesten Oswald Walz soll auch
auf der Halde (hinter Elektrogeschäft Aug.Dettling) ein weiteres Haus
abgebrannt sein. Zweimal ein Opfer des Feuers wurde das Haus von
Eugen Kaupp. Besitzer beim l. Brand im Dez. 1881 war Karl Marquard.
Am 3. Okt. 1933 brannte dasselbe Haus zum 2.mal ab. Der Hausbesitzer
Eugen Kaupp baute an anderer Stelle wieder auf (heute Lebensmittel-
geschäft von Clemens Kreidler). Drüben in der Nähe des Friedhofes.
wo einst der Ziegler Vogelwaid eine Ziegelhütte hatte und in Gant
kam, soll ein vorsätzlicher Brand entfacht worden sein.
Pfarrer Leser und die übrigen Mitbewohner des Pfarrhauses wur-
den in großen Schrecken versetzt, als in der Nacht des 4. Jan. 1882
die Pfarrscheuer und die angebaute Ökonomie des Lorenz Gäkle in
hellen Flammen standen. Kirche und Pfarrhaus waren in großer Gefahr.
Der Besitzer, der Brandstiftung verdächtig, wurde 90 Tage inhaftiert.
aber vom Schwurgericht am 28. Juni 1882 freigesprochen.
Am 7. Juni 1963 wurde Feueralarm ausgelöst. Das Haus von Schuh-
macher Leo Dettling am Berg stand in Flammen. Die beiden Knaben der
eingemieteten Lützenhardter Familie Schmidberger haben im Heubarn
geraucht und so den Brand verursacht. Dem starken Regen zur Zeit
des Brandes ist es zu verdanken, daß das Feuer nicht auf die benach-
barten Gebäude (Georg Scherrmann, Lehmann und Lotte Müller) über-
griff.
Von einer ganz besonders großen Brandkatastrophe soll noch
die Rede sein. Erst im Jahre 1961 hat man davon Kunde erhalten.
In den Freudenstädter Heimatblättern “Der Grenzer” vom 15. Juli
1961 schreibt der Freudenstädter Heimatforscher Oberstudienrat i.R.
Dr. H. Rommel unter der Überschrift: “Grünmettstetten vor 275 Jahren
fast völlig abgebrannt!” folgendes:
Wie lückenhaft unsere Kenntnisse über die Ereignisse der jüngsten
Jahrhunderte sind, zeigt ein Zufallsfund im ältesten Kirchenbuch von
Grüntal. In dessen Anhang hat ein fleißiger Pfarrherr die Reskripte
oder Erlasse seiner vorgesetzten Ämter eingetragen und so eine Art
Registratur geschaffen. Auf Blatt 181 steht ein Erlaß des Kirchen-
rates vom Jahre 1686 an den Dekan in Freudenstadt und den Vogt von
Dornstetten. Dies Schriftstück verdient es. im Wortlaut veröffent-
licht zu werden. Denn von der dort geschilderten Brandkatastrophe
weiß kein Geschichtswerk etwas, ja erstaunlicherweise auch keines un-
serer Archive, weder die reichhaltigen staatlichen noch das landes-
kirchliche, auch nicht das Spitalarchiv in Horb, geschweige denn das
der Gemeinde.
“Von Gottes Gnaden Friderich Carl. Herzog zu Württemberg etc,
Administrator und Obervormunder etc,- Unsern Gruß zuvor, Ehrsamer,
Lieber Getrewer. Wür geben Euch hiemit zu erkennen, wasmaßen bei Uns
Schultheiß, Gericht und ganze Gemeind des Österreichischen, zum Spi-
tal zu Horb eingehörigen Fieckhens GrüenenMetstätten underthönigst
supplicando einkommen und wehmütigst zu verstehen geben: Wasmaßen
Donnerstags, den 20.ten dieses zu Ende gehenden Monaths Maij, durch
eine unversehens entstandene Fewersbrunst, nachmittag zwischen 4 und
5 Uhren, in die 28 Gebäw, also fast der gantze Fleckh, außer der
Kürchen, innerhalb 2 Stunden, in Fewer und Rauch so schnell auff-
gangen, daß alle menschliche Hülff, solcher Brunst zu wehren, viel zu
schwach sich befunden, sondern vielmehr Sie sowohlen umb ihre Hütten.
alß auch umb alle Haab und Vahrnus, so viel sich darinnen befunden.
elendiglich kommen, mit angehängten fueßfälliglichen Bitten, Wir
möchten Sie arme verbrannte Leuth mit gnädigen Augen ansehen und die
gnädigste Verordnung tun, damit ihnen bey einigen Amtern dieses Her-
zogstumbs. zu ihrer Erquickung, eine Beyhülff widerfahren möchte.
Wann Wir nun, auß tragendem christlichen Mitleiden, disen nothleiden-
den Leuthen gern geholffen sehen, zu dem Ende auch, neben ändern
Ämptern, auch Dornstetten zur Ersammlung einer Brandstewr gnädigst
assigniert haben wollen: also ist hiermit unßer Befehl Ihr der
Speziales wollet die Verfügung tun, daß gegenwärtiger Befehl nicht
nur in der Amptstatt, sondern auch in allen dahingehörigen Fleckhen
und Dorf fern, auff denen Cantzeln an einem Sonntag abgelesen, die
Zuhörer zu freywilligem Beytrag, nach jedes Vermögen, beweglich er-
innert, und dann in die aufgesetzten Beckhen die Einsammlung ge-
schehem von jedes Orths dazu Bestellten erhoben. Euch urkundlich
zugestellt, und denen Supplikanten Beampten folglich Übermacht
werden möge. Welches alles also zu geschehen. Wir Uns gäntzlich
verlassen, und arüber Bericht, was eingesammelt und denen Suppli-
kanten zugestellt worden, erwarthen.
Stuttgart, den 31. Mai Anno 1686.
Johann Heinrich v.Gaißberg, Salomon Sympertus Textor”.
In der Schilderung des Unglücks haben sich die Räte, wie üblich,
weitgehend an den Wortlaut des Bittgesuches gehalten. Ob die 28
Häuser wirklich “fast den ganzen Fleckhen” ausmachten, ist vorläu-
fig kaum festzustellen. Daß die Kirche verschont blieb, ist nicht
ohne Grund bemerkt: der Zehnte von Grünmettstetten, das der Mutter-
kirche in Oberiflingen bis zur Glaubenstrennung unterstand, ging
{bis zur Zehntablösung vor stark 100 Jahren) zum größeren Teil an
Württemberg: dieses wäre also zur Wiederherstellung der Kirche mit-
verpflichtet gewesen. Welches die anderen Ämter gewesen, in denen
die Kirchenkollekte ebenfalls durchgeführt wurde, ist unbekannt, wie
auch ihr Ergebnis. – So wertvoll disser Fund für die Ortsgeschichte
sein mag, bedeutsamer erscheint die Feststellung, daß selbst in
jenem harten Jahrhundert des großen Krieges Mitgefühl und tätige
Nächstenliebe nicht vor Herrschafts- und Konfessionsgrenzen Halt
gemacht haben.
Zu diesem Brand möchte der Verfasser dieser Abhandlung anmerken.
Nirgends ist diese Katastrophe erwähnt. Im ältesten Taufbuch ist
noch für diesen Tag der Brandkatastrophe eine Taufe verzeichnet. Für
die nächsten 2 Jahre sind wohl keine Eheschließungen vermerkt: Ur-
sache könnte der große Brand sein. Trotzdem möchte der Verfasser hinter diese Brandkatastrophe ein großes Fragezeichen setzen.

§ 17 Von Verbrechen und ändern schrecklichen Taten

§ 17 Von Verbrechen und ändern schrecklichen Taten
Es wäre schön, könnte man bei diesem Abschnitt “Fehlanzeige” mel-
den. Doch es wird so sein und bleiben, daß mitten unter dem Weizen
auch das Unkraut sich behauptet. Wenn grausame und schreckliche
Taten geschehen sind. dann dürfen wir nicht den Stab über jene
brechen, die auf falsche Wege geraten und schwere Schuld auf sich
geladen haben.
Selbstmord verübt hat am 30. Jan. 1836 Karl B. von hier. Er
war als 34-jähriger straffällig geworden und erhängte sich im
Horber Gefängnis. Ein zweiter. Andreas K. endete auf die gleiche
Weise am 23. Okt. 1877 im Gefängnis zu Freudenstadt. Josef K., der
im Oberland in Diensten stand, hat sich dort in der Nacht vom
16./17. März 1871 ebenfalls durch den Strick das Leben genommen.
Einige haben in geistesgestörtem Zustand ihrem Leben eine Ende
gemacht. Am 3. Okt. 1860 hat sich die 22-jährige Josefine K., nach-
dem sie ihr Kind getötet, selbst erhängt, als sie merkte, daß eine
gerichtliche Kommission zum Ort hereinfuhr, um das vermutliche Ver-
brechen des Kindsmordes zu untersuchen. Ihr Leichnam kam auf die
Anatomie nach Tübingen. Vor fast 200 Jahren berichtet Pfarrer Stein-
wand von einer grausigen Mordtat in Grünmettstetten:”Anno 1775 hat
Maria Magdalena Singerin, ledigen Standes, gebürtig aus Diessen
fürstlich Murischer Herrschaft, eine Dienstmagd bei Johann Dettling,
Annahannis genannt (Anmerkung des Verfassers: dessen Sohn als Sol-
dat 1793 in Ungarn ertrank), den 16. August abends um 4 Uhr ohne
Beysein eines anderen Menschen ein Knäblein zur Welt geboren ., das
sie von Mattheus Dettling, ebenmäßig ledigen Stands, des Michel
Dettling, sonst Schulzenmichele genannt, Sohn empfangen, welches
nachhero abends um 8 Uhr bei ihr tot ohne hl. Taufe unter dem Bett
in einem alten Hemeth eingewickleth gefunden worden….”
Im Jahre 1903 wurde der Schreiner und Gemeinderat Kilian
Dettling das Opfer einer gemeinen Tat. Pfarrer Aicher berichtet
darüber wie folgt: “Am Passionssonntag, den 29. März, kam ein
frecher junger Schäfer mit seiner Herde von Altheim her und weidete
die Wiesen vor dem Ort ab. Der von Gündringen heimkehrende Gemeinderat

und Schreiner Kilian Dettling meldete es dem Schultheißenamt.
Dieser ging mit mehreren Männern hinaus und forderte den frechen
Jungen auf. seine Papiere vorzuweisen. Auf die freche Antwort hin
ließ der Schultheiß das Bürschlein verhaften, dabei war auch Dettling
beteiligt und unterstützte den Polizeidiener. Auf einmal zog der
Lausbube seinen Revolver und traf Dettling mitten ins Herz, sodaß er
zusammenbrach und sofort tot war. Der Täter floh davon. Am ändern
Morgen klopfte er bei Bahnwärter Balthasar Zimmermann am See und
begehrte einen Kaffee. Während er aß, faßte ihn Zimmermann und nahm
ihm, mit der Axt drohend, den Revolver ab, und nun wurde er gebunden
ins Ort geführt und dabei “windelweich” geschlagen. Bei der Verhand-
lung vor dem Schwurgericht Rottweil erhielt er 11 Jahre Zuchthaus:
eine verdiente Strafe. Den Hinterbliebenen gewährten Gemeinde- und
Staatskasse je eine einmalige Entschädigung von 1.000.– Mark.
Als Letztes und Neuestes sei der Tod des Martin Steimle zu Be-
ginn des Jahres 1964 genannt. Martin St., der an (epileptischen?)
Anfällen und Depressionen litt und seit dem Tode seiner Mutter allein
im Hause wohnte, fuhr am Abend des Dreikönigstages 1964 mit seinem
Moped von zuhause fort und legte sich in der Nähe von Egelstal-Horb
auf die Schienen. Am ändern Morgen wurde die Leiche entdeckt. Das
kirchliche Begräbnis wurde dem Toten gewährt.

§ 16 Von Unglücksfällen und Seuchen

§ 16 Von Unglücksfällen und Seuchen
Darüber befinden sich viele Notizen in den Pfarrbüchern. Es ist
immer etwas passiert. Ertrunken z.B. ist am 10. April 1807 das
2-jährige Kind Anton Klink. Es fiel in die Waschgelt, die in der
Stube aufgestellt war. Arn 21. Sept. 1850 ertrank Anna Maier im Alter
von 2 Jahren im Güllen±ocn. Otto Schäfer, Postknecht, ertrank
bei der Pf erde schwemme im Neckar. In der Steinach unweit des
Ortes kam am 30. Dez. 1882 der 5-jährige Konrad Küne ums Leben.
Jakob Dettling, Sohn des Johann Dettling, war im Frühjahr 1793
für die hiesige Gemeinde freiwillig Soldat geworden und stand
als Kürassier unter dem löbl. Regiment Mack. Das Unglück wollte,
daß dieser junge Soldat am 8. August 1793 beim Baden in Ungarn
ertrunken ist.
Durch einen Sturz ums Leben kamen verschiedene Kinder und
auch Erwachsene. Am 13. Juli 1794 zerbrach der Knabe Johannes
Singer sich die Hirnschale durch Fall. Durchs Scheuerloch stürzte
die 8-jährige Kreszentia Wehle am 12. Sept. 1816 und war sofort
tot. Am 18. Nov. 1822 stürzte Peter Fritz von hier im benachbarten
Rexingen eine Treppe herab und war tot. Durch einen Sturz von der
Treppe endete auch Josef Wehle am 12. Febr. 1823. In der Scheune
tödlich abgestürzt sind am 2. Sept. 1825 Josef Wehle und am
13. Juli 1846 das 2-jährige Kind Martin Schetter. schließlich
Johann Faßnacht am 25. August 1869, als er in Rexingen beschäftigt
war. Beim Umdecken des Daches beim Hause Albert Kreidler stürzte
am 18. Juni 1907 Martin Faßnacht ab. Er hinterließ eine kinder-
reiche Familie (3 Töchter gingen ins Kloster. Schwester Servidea
wurde im Januar 1963 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet).
Beim Holzfällen im Wald verunglückte am 16. Mai 1828 Alois
Dettling. Der Knecht Fidel Beuter kam am 5. Nov. 1845 unter den
yollbeladenen Wagen. Peter Kreidler, led. Bauernknecht in der
Ölmühle in Leinstetten, hat am 26. Jan. 1827 unter dem Ölstempel
Kopf und Hirn zerstoßen und wurde tot aufgefunden. Anton Schweizer,
Wirt zu Rexingen, ritt am 17. Febr. 1800 abends von Grünmettstetten
nach Rexingen heimwärts. Er stürzte vom Pferd und wurde nachts
um 2 Uhr in seinem Blute liegend tot aufgefunden. Seine Leiche
wurde auf Bitten einer Freundschaft nach Rexingen ausgeliefert
und dort am 19. Febr. begraben.
Am 7. Juni 1784 starb Georg Leib von Obertalheim, zur
Pfarrei Altheim gehörig. Dieser Mann ging an den hiesigen See un-
weit dem Flecken, um die Flüsse an seinen Füßen durch sogenannte
Blutsauger, die da häufig anzutreffen sind, zu vertreiben. Allein,
weil er zuviel an sich ließ, ward er so zugerichtet, daß er hier
nach wenigen Stunden starb. Auf bittliches Anhalten des Pfarrers
von Altheim und seiner Freunde ward er nach Altheim ausgeliefert.
wo er begraben wurde (so berichtet PfarrerBrischar). Nach damaliger
Sitte mußte jeder dort, wo er gestorben war, auch begraben werden,
daher jeweils das Bittgesuch um Auslieferung bzw. Überführung.
Thomas Kostenbäder wurde am 10. Nov. 1844 ertrunken im Neckar ge-
funden. Agatha Schotter ertrank mit 20 Jahren am 24. April 1874
in Steimle’s Mühle zu Horb. Im Jahre 1903 ertrank beim Baden im
Neckar Johann Anton Steimle. Von einer Tanne stürzte am l. Febr.
1894 Karl Schäfer. Im Walde verunglückte auch Magdalene Schmid,
Ehefrau des Josef Schmid, im Alter von 45 Jahren, als am 14. Juli
1846 abends 4 Uhr bei einem Sturm eine Tanne umgerissen wurde,
die auf die betreffende Frau fiel und sie erdrückte.
Anton Dettling, Sohn des Johannes Dettling, lediger Müller-
knecht in Bingen an der Lauchert (Hohenzollern) wurde am 26. Ok-
tober 1799 von einem Kaiserlich-Russischen Soldaten des Tartaren-
regiments Baronowski mit einem Pistolenschuß aus Zufall erschossen.
In Wien verunglückte am 13. Sept. 1866 der Brauer August Jung von
hier tödlich; er wurde von einem Bierfaß erdrückt. Am Sonntag,
den 16. August 1914, mußte der 16-jährige Peter Zimmermann, wohn-
haft im Bahnwärterhaus beim See, sein Leben lassen. Sein Freund
und Altersgenosse Josef St. war als Bahnwache eingeteilt. Im
Spaß balgten sich die beiden, dabei ging das Gewehr des Bahn-
postens los und traf den anderen durch die Lunge. Der Getroffene
wurde in sein elterliches Haus getragen und verblutete dort
jämmerlich. Nach 2 Stunden starb Peter Zimmermann, nachdem er noch
die hl. Sterbesakramente empfangen hatte. Pfarrer Honer, der ihm im
Sterben beistand, schreibt: “Schade um den ganz außerordentlich ta-
lentierten Burschen”, und dazu die Bemerkung; “Puer telum non
habeat!” (Ein Schießgewehr gehört nicht in die Hände von Buben).
Im Jahre 1926 verunglückte Anton Wehle, Familienvater von 7 Kindern
mit dem Fahrrad auf dem Weg zum See tödlich. Das Kind Klara Kreid-
ler wurde 1935 von einem Pferd, das zur Tränke am Brunnen war. ge-
schlagen und starb an den erlittenen Verletzungen. Als letzte sei
eine Katharina Fritz genannt, die auf dem Heimweg von Horb hieher
niederkam und im Bahnwärterhaus beim See Unversehen starb am
11. Juli 1886.
Im Jahre 1795 muß hier eine Seuche gewütet haben. In kur-
zer Zeit sind 30 Einwohner gestorben, 3 davon über 50 Jahre alt,
6 waren im mittleren Alter, dazu noch 21 Kinder im Alter bis zu
7 Jahren. Innerhalb von 14 Tagen sind in jenem Jahr 8 Kinder an
Gichter gestorben. Vom 2. Febr. bis 5. Mai 1799 (das sind 3 Mo-
nate!) sind dahier 29 Kinder im Alter von 1-6 Jahren an Blattern
(= Pocken) gestorben. Im Jahre 1838 war die Ruhr hier ausgebrochen
und sie forderte 47 Todesopfer in einem einzigen Jahr (In diesem
Jahr wurde auch der neue Friedhof angelegt, bei einem solchen Mas-
sensterben reichte der alte Friedhof um die Kirche herum nicht mehr
aus!). Schon 2 Jahre später, 1840, gab es wieder großes Kinderster-
ben. 35 Personen starben, davon 25 Kleinkinder bis zu 2 Jahren an
Gichter. Am Ende des l. Weltkrieges, November und Dezember 1918,
krassierte eine heimtückische Grippe im Land und suchte sich hier
12 Todesopfer aus.

§ 15 Von kalten Wintern und dem teuren Jahr

§ 15 Von kalten Wintern und dem teuren Jahr
Schon die Lage am Rande des Schwarzwaldes bedingt ein rauheres
Klima. Der Menschenschlag hat sich an die Unbilden der Witterung
gewöhnt und ist abgehärtet. Es ist nicht zu verwundern, wenn
viele Leute ein hohes Alter erreichen. Schnee und Kälte kehren
jedes Jahr wieder, doch da gibt es auch Absonderheiten. So hat
es vor 6 Jahren am 7. Mai 1957 einen Schnee von 20 cm Höhe hinge-
worfen, sodaß der Schneepflug eingesetzt werden mußte. Die Bäume
standen alle schon in Blüte. In diesem Jahr gab es kein Obst mehr.
Schnee im Mai wird des öfteren vermerkt. Am 20. Mai 1775 hat es
1-2 Schuh hoch geschneit; ein Jahr später fiel am 24. Mai soviel
Schnee, daß die Hirten an diesem Tag nicht ausfahren konnten.
Während der Winter 1833/34 so linde war, daß im Januar schon die
Frühlingsblumen blühten und das Gras gemäht werden konnte, war
der Winter 1845/46 ein gar grimmiger. Am 10. Februar 1846 lag
der Schnee (nach Angaben von Pfarrer Schraivogel) 22 Fuß hoch,
das wäre rund 3 m hoch. Der damalige Pfarrer fügt an: “Seewirt Josef
Wehle konnte, obwohl er schon 3 Tage gestorben war, nicht beerdigt
werden, bis durch die Mannschaften eine Bahn gemacht war”. Dazu
bemerkte aber Pfarrer Leser am Rande; “Rein verlogen!”. Am 13./14.
Februar ist laut Totenregister Martin Klink (51 Jahre alt) auf dem
Kniebis erfroren. In der Pfarrchronik schreibt Pfarrer Schraivogel
weiter; “Am 15. Februar 1846 brachen, vielleicht durch den harten
Frost veranlaßt, zwei Eisbären in unser Dorf herein, die eben an
diesem Tage bei einer Hochzeit zum goldenen Hirsch dahier in
Grünmettstetten gesehen wurden”. Zu diesem Bericht konnte und
mußte wohl auch einer seiner Nachfolger, Pfarrverweser Ruetz,
am Rande vermerken: “Wenn das nicht gelogen ist! 0 Schreivögele!”.
Man hatte wohl dem Pfarrherrn einen”Bären aufgebunden”. Es war
wohl um die Fasnetszeit herum!
Vor Weihnachten 1886 hat es eine gewaltige Schneemasse hinge-
worfen und derart geweht, daß man einigemale täglich 2 mal mit
dem Bahnschlitten fahren und zum öfteren schaufeln mußte. Der
Winter 1888/89 begann außerordentlich gelind. Hatte es am
27. Januar fast den ersten Schnee hingeworfen, so schneite es
am 6. Februar derart, daß mehreremale geschaufelt und gebahnt werden

mußte. Dem See zu lag so hoher Schnee, wie es die ältesten
Leute dahier noch nie gesehen. Erst im Monat Mai ließ die Kälte
nach. Viel Schnee brachte auch der Winter 1952/53. Vom Samstag
auf Sonntag (31. Jan./l. Febr.) hat es furchtbar gestürmt und
geschneit. Mehr als l m hoher Schnee fiel in dieser Nacht. Den
ganzen Tag über stürmte es schrecklich. Nur mit Müh konnte der
Pfarrer mit einem Traktor durch die 1,5 m hohen Verwehungen kommen.
In Holland, Belgien und England hat dieser Sturm große Verheerungen
angerichtet. In Holland brachen die Dämme ein, mehr als 1700 Men-
schen fanden den Tod in den Fluten. Der Bahnschlitten mußte oft von
8 Pferden gezogen werden, die nur mühsam durchkamen. Am Zollhäusle
lag der Schnee 3 m hoch aufgetürmt am Straßenrand. Von den Weg-
schildern konnte man gerade noch die obere Spitze sehen.
Wohl das allerschlimmste Jahr dürfte das Jahr 1816 sein, das
auch das “teure Jahr” bezeichnet wird. Der Chronist von Grünmett-
stetten (Pfarrer Schraivogel) schreibt darüber 20 Jahre danach:
“Im Jahre 1816 regnete es von Frühling bis Herbst fast alle Tage.
Das Vieh mußte wegen Futtermangel fast hungers sterben. Die Büschel
Stroh galt bei uns 24-30 kr. Wegen dem ungeheuren Regenschauer konnte
keine Gattung Früchte zur Reife gelangen. Die Ernte hatte erst am
10. Sept. angefangen und Mitte Oktober war noch Winterfrucht auf
dem Felde. Die Sommerfrüchte kamen garnicht zur Reife. Viele blieben
über den Winter auf dem Felde und verdarben. Am hl. Christtag, St.
Stefanstag und Johannestag haben die Leute in der Gegend von Freu-
denstadt bis Nagold und Wildberg viele 100 Garben aus dem Schnee
herausgebunden und nach Hause geführt. Die Preise stiegen immer
höher. Es kostete der Scheffel sept./Dez. 16 März 1817 Juni 1817
Dinkel 10-11 fl 22 fl 33 fl
Gerste 16-18 36 96
Haber 8- 9 Ackerbohnen 40
Das Simri Kartoffeln 2 fl 2 kr, der 4-pfündige Laib Brot l fl 44 kr.
Das Pfund grüner Speck 30 kr, Rindfleisch 24 kr, der Schoppen Wein
30 kr.
Im Monat Juni 1817 hat König Wilhelm I. die Frucht taxiert,
sodaß der Scheffel Dinkel 16 fl, Kernen 40, Gerste 24. Haber 12.
Roggen 25 und Weizen 40 fl kostete. Es gab hier Familienväter, die
für erkaufte Früchte 800 fl auslegen mußten, und, um ihre Schulden
zu tilgen, genötigt waren, ihre Grundstücke zu verkaufen. Die
Kartoffeln wurden nicht mehr vorgewogen, sondern vorgezählt, so-
daß eine auf 3 kr kam. Es war in diesem Jahr, als wäre der Segen
Gottes gänzlich gewichen. Wenn man aß, so hungerte man gleich
hernach wieder”. —
Das Jahr 1843 war wiederum ein Jahr der Mißernte. Es hat nicht
geregnet. Es gab kein Fuüer, sodaß man das Vieh wegschlachten mußte.
Ein Paar Ochsen kaufte man für 33 fl, eine Kuh mit Kalb für 17 fl.
das Pfund Fleisch kostete 2 – 3 kr.

§ 14 Vor Blitz, Hagel und Ungewitter.

§ 14 Vor Blitz, Hagel und Ungewitter.
Harmloses Tagegespräch Nummer eins war, ist und wird bleiben das
“Wetter”. Wenn man sonst nichts weiß, fängt man vom Wetter an.
Im Folgenden soll auch vom “Wetter”, besser gesagt, vom Unwetter
die Rede sein. Eigenartig, wie solche Unwetterkatastrophen, Hagel-
schlag, Überschwemmung, Erdbeben, Schnee und Kälte, Blitz und Dürre,
im Gedächtnis der Menschen haften bleibt.
Fangen wir mit dem “Blitzen” an. Schon mancher Blitz ist in
der langen Geschichte des Dorfes herniedergefahren und mancher Don-
nergroll hat das Steinachtal erfüllt. Doch nur von 3 bedeutenden
Blitzschlägen ist Näheres überliefert. Am 23. Mai 1882 wurde
der ledige Wegknecht Josef Dettling (62 Jahre alt) auf der Straße
nach Bittelbronn, am Respwäldle, vom Blitz getroffen. Er hatte
unter einer Tanne Schutz gesucht. Unmittelbar vorher hatten
mehrere Kinder bei ihm unter derselben Tanne Schutz gesucht, wur-
den aber vom Wegknecht weggejagt. “So wurde er für sie zum Schutz-
engel”, wie Pfarrer Leser in der Chronik schreibt. Heute noch steht
ein allerdings verwitterter mit schlecht leserlicher Inschrift ver-
sehener Gedenkstein dicht hinter dem Kreuz von Martin Schäfer im
“Espenloch”. Ein 2. Blitzschlag ist vermerkt unter demselben
Datum, dem 23. Mai des Jahres 1909 (Sonntag vor Pfingsten). Abends
7 Uhr 10 Minuten schlug, während in der Kirche der Rosenkranz
gebetet wurde, der Blitz in den Kirchturm und deckte teilweise
das Turmdach ab. Einige Balken des Dachstuhls, besonders die
eichene Königssäule und ein Teil des Glockenstuhles wurden zer-
trümmert. Der Blitz fuhr dann herunter in das Erdgeschoß und zer-
störte die unterste Treppe und suchte durch die meterstarke Mauer
seinen Ausgang. Glücklicherweise zündete der Strahl nicht. Unter
den im Gotteshaus Versammelten entstand eine gewaltige Panik. Alles
verließ sofort die Stühle und drängte den Türen zu, von denen
jedoch, da sie nach innen sich öffnen, je nur ein Flügel aufge-
macht werden konnte. Der Schaden, den die Katastrophe anrichtete,
wurde von der Schätzungskommission der Feuerversicherung auf
641 Mark berechnet. Um einem ähnlichen Unglück womöglich in Zu-
kunft vorzubeugen, wurde an der Kirche ein Blitzableiter ange-
bracht und neue Türen wurden an den Portalen eingesetzt. Beinahe
wäre eine ältere Frau damals beim Verlassen der Kirche zertrampelt
worden, sie starb etwas später an den Folgen dieses Unfalls.
Am Weißen Sonntag des Jahres 1952 wurde abends gegen 5 Uhr
mit allen Glocken geläutet. Ein schweres Gewitter war über das
Steinachtal gezogen. Das Haus des Josef Kaupp bei der Säge (Alt-
heim) wurde vom Blitz getroffen und stand in hellen Flammen. Die
Grünmettstetter Feuerwehr war als erste am Brandplatz und hat sich
bei den Löscharbeiten bestens bewährt.
Der erste Hagelschlaq ist erwähnt aus dem Jahre 1613.
Am 8. Juni, dem Fest des hl. Medard, herrschte ein solch heftiger
Hagelschlag, daß alle Feldfrüchte total vernichtet wurden. Von
dieser Zeit an wurde am Fest des hl. Medard eine Flurprozession
eingeführt. Heute noch ist im Gemeindehaushaltsplan für diesen
Flurgang der Posten von 2.–Mark eingesetzt. Wann dieser Brauch
sein Ende fand, läßt sich nicht sicher sagen, wohl erst nach der
Jahrhundertwende. Am 6. April 17/8 gab es ein sehr hartes Donner-
wetter mit starkem Hagel, ebenso am 7. April. Zwei Tage darauf
erneut ein überaus fürchterliches Donnerwetter, daneben angenehmstes
Frühlingswetter (Der April macht, was er will!).
Vom 20./2l. Juni 1803 gab es ein fürchterliches Hagelwetter. Die
Frucht, besonders auf dem Killberg, hat Totalschaden genommen.
Fast alle Fensterscheiben waren zertrümmert, auch die Kirchen-
fenster. Daraufhin wurde die Aloisius-Betstunde eingeführt, von der
heute niemand mehr etwas weiß. Schon wieder ein Jahr später wurde
die Gemeinde schwer heimgesucht. Am 27. Juni 1804, nachmittags
zwischen 3-4 Uhr, ging ein großes Hagelwetter, vor allem im Wirr-
stall, nieder, sodaß viele Äcker, auch besonders die Pfarräcker,
nicht den Schnitterlohn wert waren. Ebenso herrschte am 30. Juli
1873 ein furchtbares Unwetter mit Hagelschlag. Der Sturm kam vom
Bittelbronner Friedhof her. ging über den Grünmettstetter Friedhof
hinweg in Richtung Altheim – Untertalheim und richtete in Wald und
Feld (Murgental, Burrain, Killberg) am Sommerösch großen Schaden
an. Dasselbe wiederholte sich am 29. Juli 1892. Das letzte große
Hagelunwetter war am 29. Mai 1931, ein paar Tage, bevor Pfarrer
Adolf Heinzmann in Grünmettstetten auf zog. Gras und Saat war zu-
sammengequetscht am Boden, die Bäume standen kahl wie nach einem
grimmigen November stürm. Vor allem wurden die jungen Obstkulturen
vernichtet. Fast alles Getreide mußte gekauft werden. Obst gab
es nicht.
Von Hochwasser und Überschwemmungen blieb im Großen und Ganzen
der Ort verschont. Doch mußte Pfarrer Steinwand berichten, daß
“am 23. Januar 1781 dahier ein solch großes Gewässer angeloffen
sey wie nie seit Menschengedenken. Bei diesem großen Wasser, –
heißt es in der kurzen Notiz – wurde ich abends 4 Uhr berufen, die
Agatha Singerin, die Hausfrau des Johannes Dettling. zu versehen.
Dies vollbringen zu können, mußte der Pfarrer samt dem Mesner
sich der Pferde bedienen”. – Am 14. Juni 1876 schrieb Pfarrer
Leser, damals noch Pfarrverweser dahier, in die Chronik: “Zwischen
11 und 12 Uhr fiel ein wolkenbruchartiger Regen. In kurzer Zeit
waren die Straßen Wasserströme geworden, sodaß Leute, die vom
Felde heimeilten, nicht zu ihren Wohnungen kommen konnten.
64 Gänse kamen um und unter Tränen aßen am ändern Tag. dem Fron-
leichnamsfeste, die Weiber von Grünmettstetten Gänsebraten”.
Im Frühjahr 1893, um Lichtmeß, gab es in Grünmettstetten und Bit-
telbronn Hochwasser, sodaß einige Bauern mit ihrem Vieh ausziehen
mußten. Das Wasser richtete an Straßen und Feldern großen Schaden
an. Und schließlich wurde am 13. Juni 1925 durch 2 Wolkenbrüche
mit Hagelschlag das ganze Wiesental überflutet.