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Grenzsteine

Erfassung der Grenzsteine auf der Gemarkung Grünmettstetten durch Karl Dengler

Bemerkung:
Um der Gemeinde eine brauchbare und vielseitig verwendbare Unterlage übergeben zu können, habe ich nicht nur die als allgemein historisch bezeichneten Grenzsteine, sondern alle auf der Gemarkungsgrenze vorgefundenen Grenzsteine erfaßt und dokumentiert. Auch die mit Sicherheit fehlende Grenzsteine wurden erfaßt

Die Dokumentation umfaßt:
166 Erfassungsbogen für Grenzsteine
20 Erfassungsbogen für Feldkreuze u. Bildstöckle
1 Satz Flurkarten M 1 : 2 500
Übersichtskarte M 1 : 7 500
Zusammenstellung der Grenzsteine

Die Grenzsteine auf der Gemarkungsgrenze wurden im Uhrzeigersinn erfaßt.
Begonnen habe ich mit dem ehem. Landesgrenzstein dem dreieckigen Dreimärker im Gewann “Wührstall ” er scheidet die Gemarkungen Grünmettstetten, Bittelbronn, Dettlingen und erhielt die Lfd.Nr.1
Die Gemarkungsgrenze wird von den Gemarkungen Bittelbronn, Dettlingen, Schopfloch, Tumlingen, Salzstetten, Altheim und Rexingen tangiert.

Insgesamt konnten noch 132 Grenzsteine festgestellt werden.
Davon können 68 Steine als historisch wertvoll bezeichnet werden.
Desweiteren konnte wie folgt festgestellt werden:
2 Steine sind dreieckige Dreimärker
1 Stein ist ein viereckiger Dreimärker
1 Stein ist ein Viermärker
4 Steine stehen jetzt im Steinernen Geschichtsgarten in Horb
1 Stein ist abgebrochen
2 Steine liegen heraus
34 Steine fehlen mit Sicherheit (einschl. 2 Dreimärker)

In einigen Steinen konnten noch die nachfolgenden aufgeführten Wappen festgestellt werden.

In 3 Steinen (Seite Dettlingen)
Das Wappen der Hohenzollern (“Zollernschild”.) Ein viergeteilter
Schild mit zwei weißen und zwei schwarzen Felder.
1803 / 05 kam Dettlingen an Hohenzollern – Sigmaringen.
Die Steine wurden 1811, 1838 und 1842 gesetzt.

In 2 Steinen (Seite Mettstetten, Bittelbronn u. Schopfloch)
Das Wappen des Königreich von Württemberg : Drei liegende
Hirschstangen auf auf gelbem Grund und auf dem Schild die
Königskrone.
1803 / 1805 kamen Mettstetten und Bittelbronn zu Württemberg.
Schopfloch 1807 zum Oberamt Dornstetten
Die Steine wurden von 1838 – 1842 gesetzt.

In 4 Steinen (Seite Altheim)
Das Wappen von Altheim: (ohne Stern)
In Rot 2 schräggekreuzte silberne Schlüssel, überhöht von
einem sechsstrahligen silbernen Stern.
Das Wappen wurde als Siegelbild spätestens 1930 angenommen
Die Steine wurden nach 1930 gesetzt.

In 13 Steinen (Seite Mettstetten)
Das Horber Wappen . Roter Schild mit weißem Balken.
Das Wappen der Herzöge von Österreich wurde von 1381 – 1805 geführt
Mettstetten wurde 1404 und 1522 durch die von Bellenstein und die von Dettlingen an Horb verkauft.
Die Steine dürften so um 1610 gesetzt worden sein

In 9 Steinen (Seite Mettstetten)
Die Taube : Sinnbildlich für den Heiligen Geist Spital Horb.
Mettstetten wurde 1404 und 1522 durch die von Bellenstein und die von Dettlingen ans Horber Spital verkauft
Die Steine wurden 1606 gesetzt

In 9 Steinen (Seite Rexingen)
Das Wappen des Johanniter: In Rot ein sibernes Johanniterkreuz.
Johanniterkommende in Rexingen von 1290 – 1805
7 Steine wurden 1606 2 Steine 1827 gesetzt

In 2 Steinen (Seite Bittelbronn)
Das Wappen der Herren von Ehingen: In Schwarz ein goldener Sparren.
Bittelbronn war von 1501 – 1553 im Besitz der Herren von Ehingen.
Das sind die ältesten vorgefundenen Steine, sie wurden zwischen
1501 und 1553 gesetzt.

In 13 Steinen (Seite Bittelbronn)
Das Wappen der Herren von Wernau : Ein schwarzer Schräg-
balken mit drei gelben Kugeln. Gelber Schild.
Bittelbronn war von 1553 – 1690 im Besitz der Herren von Wernau)
Ab 1690 kamen die Freiherren von Raßler in Besitz von Bittelbronn.
Gesetzt um 1610 .

Anhang:
Auszug aus einem Schreiben von Herrn Zuleger vom Staatlichen Forstamt Horb vom 07.05.2002 an den schwäbischen Heimatbund.

“Diese Dokumentation ist beispielsweise für das Staatliche Forstamt eine erhebliche Hilfe bei der Durchführung von Holzernte- und Holzrückearbeiten, da gezielt auf die Kleindenkmale Rücksicht genommen werden kann. Sie ist aber auch für alle anderen Dienstellen,
Heimatforschern, Schulen etc. eine hervorragende Arbeitsgrundlage und eine wertvolle Voraussetzung für den Schutz dieser Kleindenkmale und eine entsprechende Bewusstseinsbildung.”

Quelle: Karl Dengler, Oktober 2004

Die Geschichte von Grünmettstetten

Grünmettstetten ist seit der Eingliederung am 1. September 1971 ein Stadtteil der Großen Kreisstadt Horb am Neckar im Landkreis Freudenstadt (FDS).

Im Jahre 782 ist der Ort erstmals in einer Urkunde genannt. Am 6.5.782 nämlich schenkte ein gewisser Isenhard von Talheim seinen Besitz zu “Metzesteten” dem damals sehr berühmten und begüterten Kloster Lorsch/Hessen. Auch die zweitälteste Urkunde über Grünmettstetten aus der Zeit um 1150 hat eine Schenkung zum Gegenstand: Azelinus von Mezzestetten vermachte dem Kloster Reichenbach bei Baiersbronn eine Hube. In der gleichen Urkunde wird auch eine Hildegard von Mezzestetten mit ihren beiden Söhnen Heinrich und Adelbert genannt, die demselben Kloster 8 Jauchert Ackers überließ.

Ihren 1200. Geburtstag feierte die Gemeinde aufgrund dieser Urkunden gebührend, neben dem üblichen Festbetrieb lockte der historische Umzug zahlreiche Gäste. Sicherlich hat es schon in der Römerzeit hier Ansiedlungen gegeben. Auf den „Burgäckern“ unweit des Seehauses wurden römische Ziegel gefunden. Eine Römerstraße, von Rottenburg nach Freudenstadt führend, als „Hochsträß“ bekannt, berührte Grünmettstetten. Aus der alemannischen Zeit stammen die Reihengräber, die in der „Grub“ entdeckt wurden. Der Ortsname „Grünmettstetten“ selbst könnte auf eine altgermanische Kult- und Opferstätte schließen lassen.

Mit dem 14. Jahrhundert fließen die Geschichtsquellen reichlicher. Meist handelt es sich um Kaufverträge der benachbarten adeligen Geschlechter, die in Grünmettstetten Besitzungen hatten. Entscheidend ist das Jahr 1404, als die Hälfte des Dorfes, jenseits des Baches gelegen, vom Horber Spital um 267 Pfund Heller erworben wurde. Dieser Kauf hatte allerdings noch ein langes Nachspiel; 61 Jahre lang wurde prozessiert. Anna von Bossenstein, die Witwe des Kontz von Bellenstein, erschien am 15. Januar 1415 vor dem Hofgericht in Rottweil und erklärte, der betreffende Kaufvertrag sei ungültig. Ihr Mann, der ein „harter Mann“ gewesen sei, habe das Dorf, das ihre Morgengabe gewesen sei, ohne ihr Wissen und unter Mißbrauch ihres Siegels verkauft. Der Prozeß zog immer größere Kreise. Selbst Schaffhausen und Zürich mußten sich mit dem Fall befassen. Erst am 4. Mai 1465 kam es zum Vergleich. Die Kläger verzichten auf alle ihr Ansprüche an das Spital zu Horb wegen der Hälfte von Grünmettstetten.

Rund 100 Jahre später, 1552, konnte das Spital zu Horb von den Herren zu Dettlingen auch die südliche Hälfte des Ortes käuflich erwerben, so daß vom Jahre 1552 an Grünmettstetten ein „ganzer Spitalflecken“ war. Die Herrschaft übte seitdem das Horber Spital aus und es setzt vor allem auch die „Schultheißen“ (Bürgermeister) ein. Nach einem alten „Zinsbuch“ aus dem Jahre 1559, das im Pfarrarchiv verwahrt wird, dürfte damals Grünmettstetten 20 bis 30 Bürger, das heißt Haushaltungen, gezählt haben. In diesem Verzeichnis ist als Schultheiß Caspar Wehelin genannt, in dem man mit Sicherheit den Stammvater sämtlicher, heute stark verzweigter, Wehle-Familien (im Telefonbuch stehen 20 Grünmettstetter mit dem Namen Wehle) sehen darf.

Großes Gewicht legte die Herrschaft in jener Zeit darauf, daß die Spitalflecken „finanzstark“ wurden und blieben. Eine Verarmung der Gemeinden traf die Herrschaft selbst. Wer darum von auswärts hereinziehen oder –heiraten wollte, mußte sein Bürgerrecht sehr teuer erkaufen. 100 Gulden kostete der „Spaß“. Zudem mußte der Neubürger jedem ansässigen Bürger ein Maß Wein und für zwei Kreuzer Brot spendieren. Zog ein Bürger aus dem Dorf, so mußte er ein Zehntel seines ganzen Vermögens als Entlassungssteuer zurücklassen. Da die alten Akten vom Dreißigjährigen Kriege nichts berichten, darf man annehmen, das der Ort damals von den Schrecknissen verschont blieb. Dafür wurde Grünmettstetten in späteren Zeiten öfters bei den Franzoseneinfällen schwer heimgesucht. Der damalige Ortspfarrer Brischar berichtet im Jahr 1796 ausführlich über die Schikanen, denen die Bevölkerung seitens der französischen Armee ausgesetzt war. Viele Grünmettstetter mußten mit Napoleon nach Rußland ziehen, zwölf von ihnen blieben in Rußland verschollen.