§ 9 Andere dienstbare Geister des Dorfes

§ 9   Andere dienstbare Geister des Dorfes

Als erster ist wohl der “Schütz” zu nennen. Er war und ist die
rechte Hand des Ortsvorstehers, gleichsam dessen Adjutant. Heutzutage
ist der Schütz nur noch Gemeindediener, muß für das Rathaus in der
Gemeinde herum Botengänge machen. Wenn vollends ein Gemeindeblatt
mit den amtlichen Bekanntmachungen eingeführt sein wird, dann hat
die Stunde des “Schützen” geschlagen. Bis jetzt noch darf er mit
seiner “Schell” durchs Dorf gehen und ausschellen. Er kann bislang
noch stolz von sich sagen: “Die ganze Gemeinde hört auf mich l”.
Früher war der Schütz noch “Polizei” im Dorf, der in den Wirts-
häusern”abbieten” mußte und strafen konnte. Solch alte”Flecken-
schützen” waren Peter Steimie (1765), Johann Steimle (1788),
Josef Spilz (1796). Melchior Kaupp (1813). Nach einem Protokoll
vom 30. Juni 1829 wurde Christian Mayer auf ein Jahr als Flecken-
schütz für 30 fl Jahreslohn angestellt. Er eignete sich wohl für
dieses Amt, sodaß er insgesamt 30 Jahre Schütz blieb. Der heute
90-jährige Dorfälteste erinnert sich noch gut, wie anno 1880
Andreas Schäfer als Schütz seinen Vollbart trug und auch sehr
streng war. Ihn löste Georg Steimle ab, auf den Fridolin Klink
folgte. Der vorletzte Schütz war Johannes Walz (l. Ehemann von
Lotte Miller). Seit 30 Jahren ist nun Max Wehle “Schütz” und Amts-
diener.
       Neben dem Fleckenschütz war auch ein “Waldschütz” zu be-
stellen.

 Bei dem verhältnismäßig großen Waldbesitz der Gemeinde mußte der
 Waldschütz wohl “Fuchs und Has” sein. wollte er seine Aufgabe recht
 machen. Für seinen Dienst sollte der Schneider Xaver Hopfer, der
 laut Gemeinderatsprotokoll vom 30. Juni 1829 als Waldschütz ange-
 stellt wurde, im Jahr ein Drittel von der Anbringgebühr sowie 24 fl
 festen Lohn erhalten. Ums Jahr 1750 ist ein Johannes Steimle als
 Waldschütz genannt, 1834 ein Johann Kreidler, auf den Sebastian
 Jung folgte. Die folgenden Waldschützen sind den älteren Mitbürgern
 noch persönlich bekannt: Andreas Kaupp und Johannes Faßnacht. Zur
 Zeit ist die Pflege des Waldes dem Forstwart Johann Klink anvertraut.
     Auch einen Amtsboten brauchte man im Dorf. Er füngierte vor allem
 als Courier zwischen Grünmettstetten und Horb und mußte die amtlichen
 Schriftstücke hin- und hertransportieren. Wieviel Sohlen er im Laufe
 eines Jahres oder während seiner ganzen Dienstzeit durchgelaufen hat,
 ist nirgends vermerkt. Damit seine Arbeit einträglicher werde, hatte
 der Amtsbote zugleich den Schriftverkehr des Pfarramtes mit seinen
 Dienststellen zu überbringen. Der Stiftungsrat protokolliert unterm
 20. Sept. 1840: “Da der Amtsbote wegen dem Transport der Heiligen-
pflege-Akten nach Horb und von da wieder zurück nach Grünmettstetten
 zu sehr in Anspruch genommen wird, und wöchentlich 3 Botengänge zu
machen hat, so hat der Stiftungsrat den Beschluß gefaßt, demselben
Amtsboten Josef Lechler dahier eine jährliche Belohnung von 4 fl
 30 Kr, vom Jahre 1837 anfangend, aus der Heiligenpflege auszusetzen
unter Vorbehalt höherer Genehmigung”. Aber diese Oberbehörde hat
diese Erhöhung nicht genehmigt. So mußte der Amtsbote weiterhin
für 3 fl im Jahr seine 3 wöchentlichen Gänge nach Horb machen. Nach
Lechler wurde Johann Kreidler “Bot” (Großvater von Hieronymus Kreid-
ler). Als später die Post eingeführt wurde, mußte der Posthalter
Kopp von Bittelbronn, zu dessen Bezirk auch Grünmettstetten gehörte.
täglich seinen Weg nach Horb über Grünmettstetten machen. Während
seiner langjährigen Dienstzeit legte Kopp rund 200 000 km zurück,
das ist rund 5mal um den Äquator.
      War der Amtsbote fast dauernd unterwegs, so durfte der G^meinde-
rechner mehr sitzen. Gewiß, vor hundert Jahren und noch weiter zurück,
gab es kaum vierstellige Zahlen im Etat (Kirchenbaurechnung vom
Jahre 1770 betrug nicht einmal 7000 fl und der Schulhausneubau vom
Jahre 1834 nur insgesamt 1350 fl). so hatte der Gemeinderechner
schon damals seine liebe Not mit dem Geld. Als älteste Rechner, die
auch den Titel “Bürgermeister” führten, sind bekannt: Martin Lutz
(1786). Johann Schäfer (1791), Lukas Grieb. Martin Lutz (1809).
Bernhard Maier. Anton Walz (1828). Lorenz Steimle (1831). Jakob
Kaupp (1836), Johann Saier (1850), dessen Tochter als l. Grünmett-
stetterin ins Kloster eintrat und 1890 in Untermarchtal als Schwester
Polykarp starb. Valentin Kaupp war 30 Jahre lang bis 1920 Gemeinde-
pfleger, der von Hieronymus Kreidier abgelöst wurde. Über 40 Jahre
war die Gemeindekasse in seinen Händen. Heute verwaltet dessen Sohn
Johann Kreidler das Geld der Gemeinde.
      Einen Gemeindeposten gibt es heute nicht mehr. den Nachtwächter.
Früher bei dem offenen Licht, bei den offenen Feuerstellen, bei den
leicht brennbaren Strohdächern, war Nachtwächtersein ein verantwor-
tungsvoller Dienst. Nach dem Ratsprotokoll vom 30. Juni 1829 wurden
als Nachtwächter Paul Kreidler und Johannes Nafz bestellt. Als
Jahresbelohnung erhielten sie ehedem ein Klafter Holz nebst Abfall
hievon und 35 fl 24 kr aus der Gemeindekasse. In der Winterszeit
von Michaeli an bis Fastnacht “sollen sie von 8 Uhr anfangen zu
schreyen und also die nacht durchaus, nämlichen 9, 10. 11. 12.
l. 2, 3 und 4 Uhr”. Im Sommerhalbjahr war die Dienstzeit verkürzt
von 10 bzw. 11 Uhr bis früh 2 Uhr. Der Dorfälteste Oswald Walz
(90-jährig) erinnert sich noch gut an den Nachtwächter aus seiner
Kindheit, Alois Faßnacht (= Großvater von Anna Kreidler geb. Faßnacht),
der viele Jahre Nacht für Nacht seinen Dienst tat. Vor Mitternacht
wurde das Nachtwächterlied gesungen, nach Mitternacht wurde “gehupt”,
also mit dem Hörn geblasen.

So sangen die Nachtwächter:
       Hört ihr Herrn und laßt euch sagen,
       unsre Glock hat neun geschlagen,
       Neun versäumten Dankespflicht,
       Mensch, vergiß die Wohltat nicht!
              Menschenwachen kann nichts nützen,
              Gott muß wachen, Gott muß schützen.
              Herr, durch deine Gut und Macht
              gib uns eine gute Nacht!
       Zehn Gebote setzt Gott ein, Mensch, du sollst gehorsam sein!
       Elf Apostel blieben treu, hilf Gott, daß kein Abfall sei!
       Zwölf, das ist das Ziel der Zeit, Mensch bedenk die Ewigkeit!
       Ein Gott ist nur in der Welt, ihm sei alles heimgestellt.
       Zwei Weg hat der Mensch vor sich: Herr, den rechten führe mich!
       Dreifach ist,was heilig heißt: Vater, Sohn und heilger Geist.
       Vierfach ist das Ackerfeld. Mensch, wie ist dein Herz bestellt?
              Alle Sternlein müssen schwinden
              und der Tag wird sich einfinden.
              Danket Gott, der uns die Nacht
            &nbsp
; hat so väterlich bewacht!”
Letzter Nachtwächter in Grünmettstetten war Paul Vögele.
Besonderes Augenmerk hatten die Nachtwächter auf die Diebe und auf
das Feuer zu richten. Wenn irgendwo sich ein starker Feuerschein
zeigte, hatten die Wächter Alarm zu schlagen. Dann war die Feuer-
wehr an der Reihe. Ja, diese Männer mußten immer wieder ausrücken,
wenn die Feuerglocke ertönte oder der Feuerreiter durch das Dorf
galoppierte. Jeder Bürger mußte in seinem Hause einen Feuereimer
griffbereit halten. Das war eine der Bedingungen, wenn einer das
Bürgerrecht erwerben und sich im Dorf einkaufen wollte. Es war selbst-
verständlich, wenn im Dorf ein Feuer ausgebrochen war, daß alle ver-
fügbaren Männer dem Feuer zu Leibe rückten. Schlauchleitungen, an den
Hydranten angeschlossen, gab es im letzten Jahrhundert noch nicht.
Das Wasser mußte in Eimern vom Bach oder den Brunnen geholt und dann
in die Spritze geschüttet bzw. direkt ins Feuer geleert werden. Wenn
in den Nachbargemeinden ein Brand ausbrach, so mußte vielfach auch
die Feuerwehr ausrücken. Laut Ratsprotokoll vom 8. Febr. 1827 wurde
beschlossen, was zu tun sei. wenn die Feuerwehr auswärts ziehen
müsse. Es heißt dort: “1) die 4 höchstbesteuerten Bauern haben an
die Feuerspritze zu spannen, nämlich: Johann Wehle. Josef Wehle’s
Witwe, jung Johann Steimle und Martin Steimle.
2) als Feuerreiter sind bestimmt: Anton Schäfer, Josef Walz, Josef
Schäfer Adlerwirt, Mattäus Saier, alt Anton Steimle und Nikolaus
Steimle. 3) Als Entschädigung ist per Stunde und Pferd je 30 kr
festgesetzt, welche die Gemeindekasse auszubezahlen hat. 4) Wer nicht
erscheint und einspannt, wird mit 2 Reichstälern bestraft, ebenso
die Feuerreiter, wenn sie nicht beim Anzug der Sturmglocke sich sofort
beim Rathaus einfinden. 5) Zu Feuerspritzenmeistern wurden bestimmt;
Josef Schäfer Schmied und Johann Armbruster. 6) Es werden die Rotten
zum Feuerlaufen, wenn in auswärtigen Orten Feuer oder Brand auskommen
sollte, bestimmt: die erste Rotte fängt an bei Paul Kreidler, wozu der
ganze Winkel und links das Dorf hinauf bis zum Christian Majer,
welcher in dieser Rotte der letzte ist. Rottmeister ist Johann Ulrich
Klink. Die 2. Rotte fängt bei Isidor Grieb an, dann den Berg hinauf und
hinab bis zu Johann Walz im Hofgärtle. Die 3. Rotte fängt bei Lehrer
Hopfer an und hinaus die Froschgasse mit Rottmeister Melchior Fritz.
Die 4. Rotte wird vom Äschenberg gebildet und die letzte Rotte von
der Schafgasse. 7) Es wird noch bemerkt, daß auch die ledige Mann-
schaft bei den einzelnen Rotten darunter gemeint sind und mitzugehen
haben. Auch sollte keiner bei 30 kr Straf ohne mächtige Ursache dabei
ausbleiben, sowohl Geheiratete als Ledige; jedoch soll, wenn mehrere
Verpflichtete in einem Hause sind, einer davon frei gelassen werden”.
Soweit das Ratsprotokoll. Über die Brände im Dorf siehe später!

Quelle: Hermann Schneider, Heimatbuch, Nachdruck von 1997
gescannt: Marc Kreidler, 25.8.2004
Korrektur gelesen: —

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