§ 7 Das Ortsbild und seine Entwicklung

§  7  Das Ortsbild und seine Entwicklung

Pfarrer Schraivogel beschreibt unser Dorf vor 120 Jahren, als er
1843 die Pfarrchronik anlegt, folgendermassen;
    “Die Markung hat einen Umfang von 3 Stunden, das Dorf von 3/8
Stunden. Der Ort war früher ganz mit Waldungen umgeben, aber wegen
der Zunahme der Bevölkerung wurde der Wald in Felder umgewandelt,
besonders in der Nähe des Dorfes. Die Wege im Pfarrorte sind ziem-
lich gut geordnet und eben, nur ein Weg zu einem Teil des Dorfes,
der auf einer Anhöhe gegen Süden liegt, ist bergig und zur Winters-
zeit wegen Glatteis hart zu gehen und zu fahren. Das Dorf ist nahe
zusammengebaut, liegt nieder, ziemlich eben, nur gegen Süden ist
eine Erhöhung, worauf einige Häuser stehen, aber doch mit dem Ort
einen Zusammenhang bilden. Die Lage ist mittelmäßig angenehm, das
Klima und die Luft etwas rauh, aber doch gesund. Die Fruchtbarkeit
des sonst steinigen Grundes wird durch gutbestellte Landwirtschaft
sehr gehoben. Trinkwasser sehr gut und im Überfluß vorhanden. Die
ökonomischen Verhältnisse der Gemeindepflege sind ziemlich gut.
Auch die Privaten bemühen sich emporzukommen. Sie nähren sich haupt-
sächlich mit Ackerbau und Viehzucht, einige auch mit Gewerben.
Bettelarme gibt es 12 Personen. Die Pfarrgenossen sind im ganzen
arbeitsam, sparsam, gutartig und lenksam.”
      Wenn man von den Höhen des Haldenkreuzes, der Kapelle oder
des Friedhofs auf das Dorf herabschaut, fällt das Straßenkreuz, das
die Dorf Siedlung in 4 Teile teilt, stark ins Auge: in Ost-West-
richtung die Altheimerstraße und Froschgasse und in Süd-Nordrichtung
die beiden aufwärtsführenden Straßen zum Berg und zum Aschenberg.
Dieses Straßenkreuz dürfte wohl die Grundform des Ortes sein. Wo
nun im einzelnen die ältesten Siedlungen sich befanden, ist schwer zu
sagen. Die erste Hof Siedlung dürfte wohl. vor allem auch des Wassers
wegen, der Hof von Pius Wehle sein, dessen einstiger Besitzer jener
erstgenannte Schultheiß Caspar Wehä-in um 1550 herum gewesen war.
Diesem Hof benachbart war der oft erwähnte “obere Hof” (villa su-
perior). welcher den Dettlings gehörte. Unzweifelhaft handelt es
sich hierbei um das Anwesen des heutigen “Pflug”. Ein 2. oberer
Dettling’sche Hof war in der Schafgasse (= Haus von Johann Walz).
Stammhaus der Kaupp. die schon um 1500 genannt sind, dürfte mit
aller Wahrscheinlichkeit das Haus von Konrad Kaupp sein. Ein
weiterer Mittelpunkt war der einstige “Kieferbauershof” (Heute im
Besitz von Pius Steimle). zu diesem Hof gehörten verschiedene Gebäude
in der Schafgasse. Südlich des Baches war es zunächst einmal der
sogenannte “untere Hof” (villa inferior), damals den Dettling gehörig,
heute ist das Anwesen im Besitz von Josef Klink, auf der gleichen
Seite (wo heute der “Hirsch” steht) das Stammhaus der alten Sippe
“Steimle”. unweit davon den Berg aufwärts auf halber Höhe der ehe-
malige große Hof des Paiterbauern als Stammsitz der Jung-familie
(heutiges Anwesen von Monika Wehle). Als letzter Schwerpunkt in der
Froschgasse dürfte das Hof gut des heutigen “Adler” angesehen werden,
das einst einer nunmehr erloschenen Sippe gehörte, kurz später als
Stammsitz der “Fritz” diente.
        Wohl die ältesten Häuser dürften die beiden großen Bauern-
häuser von Pius Wehle und Monika Wehle sein mit ihrer ähnlichen Bau-
weise. Ein sehr hohes Alter weisen sicher auch die Häuser Josef Klink,
Karl Dettling. Pius Steimle. Konrad Kaupp. Konrad Scherrmann, und
das Pfarrhaus, das ungefähr um 1740 neu erbaut wurde, auf.
Die heutigen Hausnummern 1-89 bezeichnen jene Häuser, die vor 1806
gebaut wurden und sagen nichts über das Alter der Gebäude aus. Es
handelt sich um systematische Durchnumerierung, beginnend am dama-
ligen Ortsende (Richtung Altheim) bei Klink, führt über Pflug die
Schafgasse hinab bis Konrad Kaupp und Johann Schäfer, auf der anderen
Seite wieder herauf, rechts weiter hinauf auf den Aschenberg bis
zu Johann Klink und Wilh. Bettau, wieder herab zur Dorfmitte, an-
schließend die Froschgasse bis Adler, auf der anderen Seite wieder zu-
rück, dann den Berg hinauf bis zu Konrad Schäfer und Wussler, herab den
Berg über Bruno Stehle zum Hirsch und endet nach dem Pfarrhaus (Nr. 88)
mit den beiden benachbarten Häusern von Anton und Helmut Schäfer.
Die Häuser mit den Nummern ab 90 sind entsprechend dem Baujahr be-
ziffert, beginnend mit dem Haus von Geometer Schotter (Nr. 90), das
heute wohl 150 Jahre alt sein dürfte. In den alten Pfarrakten ist
noch die ältere Hausnumerierung (vor 1800) vorhanden. Der Verlauf
war ähnlich, die Zahl reichte aber nur bis über 60. So hatte der
“Adler” damals die Hausnummer 19. Monika Wohles Haus mit Zubehör 48-52.
        Alter als 300 Jahre dürfte wohl keines der heute in Grünmett-
stetten stehenden Gebäude sein. zumal bei dem großen Brand im Jahre
1686 28 Gebäude,”fast der ganze Fleck mit Ausnahme der Kürchen”
zerstört wurde (über diesen Brand später Näheres).
        Das Gült-Trägereybuch vom Jahre 1780 ermöglicht eine Zusammen-
stellung der Hofgüter, wie sie vor 200 und 300 Jahren bestanden.
Darnach gab es im Dorf einen l. Reichenbach’sehen Hof (ss Pius Steimle). Gültträger
war seinerzeit Martin und Johann Steimle, dann einen 2. Reichenbach’-
sehen Hof, dessen Träger Hans Ulrich Klink und Vinzenz Saier waren.
Ferner: Kloster Kirchbergerhofs Träger Josef Singer. Zu diesem Hof
gehörten nicht weniger als 6 Häuser in der Froschgasse. Zu Kirchberg
gehörte ferner noch das sogenannte “Gütle” (£s Pfarrhofbauer). Die
 “weiße Sammlung” von Horb (= Dominikanerinnenkloster) hatte 3 Höfe,
darunter den heutigen “Adler”. Die Johanniterkommende in Rexingen hatte
ebenfalls einen Hof, sein Gültträgers Johann Schlotter, jetzt Johann
Kaupp. Weiter ist hier vermerkt: “Dieser Hof ist der Inhabern Erbgut
und der gnädigen Herrschaft Württemberg von der Commende zu Hemmen-
dorf und Rexingen herrührendes rechtes Eigentum”. (Anmerkung des
Verfassers; darum auch 1/4 als Großzehntherr!). Dieser Hof war ur-
 sprünglich ein Teil des Gutes, das der Alpirsbachisch-kniebis-schen
Pflege in Nagold gehörte. Als letztes sei noch das Wehle’sehe Hof gut
genannt, ehemals der Stiftspflege Horb gültig, insgesamt 6 Häuser
umfassend. Träger war Johann Wehle.
         Ganz auffallend ist der häufige Besitzwechsel. Das alte
 Fleckenbuch (s= heutiges Grundbuch) vom Jahre 1600 war längst über-
holt. So wurde 1756 ein neues angelegt. Im Vorwort dazu heißt es:

“Nachdem die Gemeinde vor stehe in dem Horbischen Spitalflecken
Grünmettstetten allhier mehrmalen die Vorstellung getan, daß das
in der Gemeindsladen (Anmerkung des Verfassers: das war das damalige
Rathaus l wie bescheiden 11) vorhandene Fleckenbüchlein de anno 1600
wegen der bis anhero geschehenen vielfältigen Veräußerungen der
Häuser, Hof reuten und deren in ziemlicher Anzahl vorgefallener Ver-
änderungen allerdings nicht mehr zu gebrauchen im Bezug auf die
Gemeindsgefälle möglich sei, dahero die unumgängliche Notdurft er-
fordere. solches ohne Zeitverlust zu renovieren als bei längerem
Verzug zu besorgen, es möchte die anoch vorhandenen alten Bürger,
so dießfalls die beste Nachricht geben können, inmittelst von der
Welt abgefordert werden, folglich zu merklichem Schaden der Gemeinde
die erforderliche Auskunft nicht mehr zu erhalten sei, so wurde vom
Spital amtswegen die Verfügung gemacht, daß solches Geschäft den
28. Nov. 1755 vor die Hand genommen werden solle, welches dann auch
geschehen ist im Beisein des Herrn Deputat! G
eorg Jakob Lederer aus
Horb, als vom Spital amtswegen hiezu abgeordnet Josef Kreidler,
Schultheiß zu Grünmettstetten, Jakob Walz und Jakob Wehle, beide
Fleckendeputierte, auch Josef Wehle und Peter Kreidler von der
Bürgerschaft allda ……”.
      Kurze Übersicht über den Besitzwechsel von 1600- 1750.
In diesen 150 jähren war K1®1811- e^-n dreifacher Wechsel.
      Besitzer 1756:     bisheriger Besitzer:   Besitzer von 1600:
   1) Johann Kreidler    Stoffel Ruoff          Hans Gaßenmichel
   2) Josef Schäfer      Martin Fritz           Ottmar Vogelweid
   3) Johannes Steimle   Johann Kaupp           Jerg Kaupp
   4) Johannes Schäfer   Hans Kimmele           Philipp Kaupp
   5) Josef Kreidler(Schulth) Peter Kreidler    Philipp Kaupp
   6) Anton Fritz        Oswald Scharppf    Jakob Kaupp-Konr. Eberhard
   7) Peter Steimle      Martin Schlotter       Jakob Wölfle
   8) Marx Armbruster    Oswald Scharpf         Konrad Eberhard
   9) Matthäus Kreidler  Jakob Weil             Hans Vogelweid
  10) Josef Glink        Hans  ?
  11) Josef Dettling     Barthel Marquard       Hans Schlotter
  12) Jakob Walz         Hans Eystetter
  13) Jakob Wehle        Hans Merkh             Blasi Steimle
  14) Karl Hopfer (jun.)  Jakob Schorpp          Hans Schindler Schmid
  15) Georg Dettling     Christoph Dettling    Michel Jung
  16) Andreas Faßnacht   Jakob Ruef             Jerg Gesell U.Christ. „
  17) Georg Wehle        Jakob Ruef             Jerg Schlotter u. ” “
  18) Johannes Jung      Hans Jakob Kaupp       Hans Klein
  19) Johannes Dettling  Jakob Dettling
Die Namen der ursprünglichen Besitzer (1600) decken sich vielfach
mit denen aus der Zins- u. Gülterneuerungsliste vom Jahre 1559.

Quelle: Hermann Schneider, Heimatbuch, Nachdruck von 1997
gescannt: Marc Kreidler, 25.8.2004
Korrektur gelesen: —

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