§ 5 Grünmettstetten wird Spitalort (1404) und 1552

  Schon der Güterverkauf aus den Jahren 1385-1402 läßt schließen,
daß die Herren von Bellenstein kein allzu großes Interesse an ihrem
Grünmettstetter Besitz zeigten. Der Schlußstrich unter die Bellen-
stein’sehe Grundherrschaft wurde vollends im Jahre 1404 gezogen,
als sie die nördliche Hälfte des Dorfes nach Horb an den Spital
verkauften. Man ahnte wohl damals noch nicht, welche Folgen dieser
Übergang hatte (vergleiche später “Reformation”). Am Dienstag
nach St. Luzei (16. Dez.) des Jahres 1404 verkauften Kontz von Bel-
lenstein und Anna von Boßenstein, seine Frau, den Spitä-pflegern
zu Horb die Hälfte vo^. Grünmettstetten jenseits des Baches gelegen
um 267 Pfund Heller. Als Bürgen bei diesem Kaufvertrag sind genannt:
Hug und Hans von Bellenstein, Peter sen. und jun. von Dettlingen,
Heinz von Lichtenfels u.a.m..
          Dieser Kauf hatte noch ein langes Nachspiel gehabt. Erst im
Jahre 1465 (also 61 Jahre später) fand der Streit sein Ende.
Nach dem Tod ihres Mannes hatte Anna von Boßenstein erklärt, der
Spita’ von Horb habe mit Unrecht den halben Teil von Grünmettstetten
an sich gebracht. Am 15. Jan. 1415 erschien sie vor dem Hofgericht
in Rottweil u. erklärte: “der betreffende Kaufbrief sei nichtig,_
ihr Mann, der ein “harter Mann” gewesen sei, habe das Dorf, das ihre
Morgengabe gewesen sei, ohne ihr Wissen und unter Mißbrauch ihres
Siegels verkauft”. Sofort wurden die Bürgen und Zeugen vernommen.
Am 21. Jan. desselben Jahres, am Guten Tag vor Pauli Bekehrung, beken-
nen Peter von Dettlingen, Anna u. Dyem von Lichtenfels, daß sie Bür-
gen geworden seien, als Contz selig u. seine Frau Anna die Hälfte
von Grünmettstetten an den Spital verkauft haben. Doch die Witwe
gab nicht nach. Jetzt müssen ihre beiden Töchter gegen St?dt und
 Spital von Horb klagen, doch am 20. Nov. 1415, am Mittwoch nach
Othmarstag, entscheiden Schultheiß und Gericht zu Dornstetten, daß
man die Stadt im Besitz von Grünmettstetten lasse. Tags darauf ver-
 zichten die beiden Töchter Anna und Katharina samt ihren Ehemännern
Konrad Wagger und Brunhans gegenüber dem Spital auf ihre Rechte, die
 sie meinten zu haben an dem halben Dorfe Grünmettstetten.  – Aber
 auch dieser Schiedspruch und Verzicht brachte keine Ruhe, im Gegen-
 teil, es wurden immer weitere Kreise hineinverwickelt. Wahrschein-
 lich waren es die Boßensteiner, die nicht nachgeben wollten. Am
 29. Aug. 1452 entschieden Bürgermeister und kleiner Rat der Stadt
 Rottweil den Streit zwischen Konrad Keller zu Schaffhausen und
 seinem Bruder Peterhansen zu Ortenburg einerseits und dem Spital
 Horb (vertreten durch Spitalpfleger Benz Hüller und Hans Homer)
 andererseits wegen des Verkaufs von Grünmettstetten zugunsten des
 Spitals. Die Kläger hatten behauptet, nächster Erbe sei ihr Vetter
 gewesen. Hans Jorer zu Gengenbach, Peter Bellensteins Tochtermann.

 Verhandlungen zu Oberndorf, Freiburg und Gengenbach waren vorausge-
 gangen. Selbst bis nach Zürich hat der Streit seinen Weg gefunden.
 Am 17. Jan. 1465 bekunden Heinrich Swend, Ritter, und Cunrat von
 Oham, Stadtschreiber der Stadt Zürich, den Richtbrief in dem Streit
 zwischen Cunrat Wittinger, Spitalpfleger zu Horb, Cunrat Keller von
 Schaffhausen sowie Peterhans von Ortenburg, wegen des halben Dorfes
 Grünmettstetten. Wiederum fiel das Urteil zugunsten des Spitals aus.
 Unterm 2. Mai d.J. beurkunden Bürgermeister und Räte  der Stadt
 Zürich, daß sie auf Bitten des Heinrich Swend, Ritters und Ratsge-
 sellen, und Cunrat von Oham zu Zürich und auf Begehren des Bürger-
meisters und Rats zu Horb den Richtbrief mit ihrem Stadtsiegel zu
 einem wahren Zeugnis und Urkund versehen haben. – Endlich am
 4. Mai 1465 kam es zum Vergleichs Konrad Keller und Peterhans von
Ortenburg verzichten auf alle Ansprüche an den Spital wegen der
Hälfte von Grünmettstetten.
    Wie ganz anders, ohne Streit und zum Teil auch ohne Geld, wurden
die beiden ändern Spitalorte Altheim und Salzstetten vom Spital er-
worben (siehe schon oben). Nach ihrer Wiederverheiratung hatte
 Ita von Toggenburg erneut durch eine Urkunde vom 22. April 1393
das Dorf Altheim dem Spital als sicheren, unanfechtbaren Besitz als
 “völlig eigen” geschenkt. Ebenso ging durch Schenkung die Hälfte
Salzstettens in den Besitz des Spitals über, die 2. Hälfte durch
Kauf am 24. Juni 1663. Georg Wilhelm Thumb von Neuburg erhielt vom
Spital die Kauf summe von 18085 fl„. Der 4. Spitalort Ihlin^en wurde
1470 von den 3 Brüdern Diebolä, Burkardt und Wolf von Ehingen für
1776 fl vom Horber Spital erkauft. Nach diesem kleinen Exkurs
zurück zu Grünmettstetten.
     Nachdem der Spital im Besitz der einen Hälfte von Grünmettstetten
war, hatte er wohl das Bestreben, auch die andere Hälfte, dieseits
des Baches gelegen (südlich) zu erwerben. Diesen Teil hatte der
Dyem von Dettlingen durch verschiedene Kaufverträge an sich gebracht.
Im Jahre 1552 nun verkaufte Hans Reinhard von Dettlingen seinen
Teil von Grünmettstetten um 970 fl an den Spital. Als schließlich
1568 Hieronymus Beth, Bürger zu Horb, an den Spitalpfleger
Hans Finuntz und August Glieg bzw.an die Spitalpfründe zu Grün-
mettstetten  ein Gült von 2 1/2 fl um 50 fl Hauptgut, die seiner
Frau Elisabeth Helber 1547 zufielen, verkaufte, und Johann Glieg,
Bürger und Gas.thalter zur Krone in Horb, am 10. April 1600 an den
Spitalpfleger Johann Leonhard Hettinger unr3 Hans Adam Lindacher
eine Gült. die ihm Ottmar Vogelweid von Mettstetten zu zahlen hatte,
abtrat, da war wohl das Werk vollendet s Grünmettstetten war voller
Spitalfleck geworden, sicherlich zum Segen des Dorfes, zumal sich
eben zu diesen Zeiten die Glaubensspaltung anbahnte und viele der
ehemaligen Grundherren zur neuen Lehre abfielen. Grünmettstetten
war so als Spitalort dem alten Glauben erhalten geblieben. Auch in
sozialer Hinsicht war wohl der Anschluß an Horb kein Unglück. Wäh-
rend es ringsum in den Dörfern im Bauernkrieg zu Aufständen kam,
scheint es in Grünmettstetten ruhig geblieben zu sein. Schon 1514
hatten einige Bauern von Dießen, Dettlingen und Bittelbronn am Auf-
stand des sogenannten Armen Konrad teilgenommen, mußten aber dann
schwören, an keinem Aufstand mehr teilzunehmen; sie mußten ihrem
Vogtherrn, Haug Werner und Hans von Ehingen huldigen und versprechen,
die ihnen zuerkannten Geldstrafen in 3 Jahreszielern zu bezahlen.
Doch schon 1525 erscheinen die Bauern alle wieder vor dem Diessener
Schloß, erstürmten u. zerstörten es. 61 Bauern sind namentlich in den
Akten festgehalten: 30 von Dießen, 11 von Dettlingen, 13 von Bittel-
bronn. Ob    bei den restlichen 7 auch einige von Grünmettstetten
dabei waren, ist wohl nicht anzunehmen.

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