§ 4 Was die ältesten Urkunden erzählen

Zum 1.mal urkundlich genannt ist Grünmettstetten im Jahre 782.
Das im frühen Mittelalter weit berühmte Kloster Lorsch bei Worms
wurde im 8. Jahrhundert mit vielen Gütern dotiert, vor allem aus
unserer Gegend. Jährlich ging ein Pilgerzug aus Horb u. Umgebung
zu Fuß dorthin zu den Reliquien des hl. Nazarius. Wie eindrucks-
stark das Erleben in Lorsch gewesen sein muß. geht aus den Schen-
kungen hervor, die die Pilger jeweils machten» Ein gewisser Franco
vermachte der Abtei ein Herrengut mit etwa 40 Morgen. Die Triebfeder
für die Wallfahrt und Dotation war der Gaugraf Gerold, der spätere
Schwager Karls d.Gr.. Fast ein Dutzend Orte unseres heutigen Horber
Kreises sind in dieser alten Schenkungsurkunde genannt, darunter
auch Grünmettstetten (Cod. Laur. n. 3305).
       Die Schenkung der beiden Azelin und Hildegard von Grünmettstet-
ten an das Kloster Reichenbach im Jahre 1100 ist schon genannt worden
( Württ. Urkundenbuch 2, 403; 404),
       Ein weiteres Kloster, das wohlwollende Unterstützung fand, war
Kilchberg bei Sulz. Hier waren es vor allem Horber Geschlechter,
die jene Dominikanerinnen reichlich mit Gütern bedachten. So gab
Adelheid, die Richterin (= altes Horber Bürgergeschlecht), dem Klo-
ster Kilchberg 20 Pfund “Tüwinger” Heller, um welche ein Gut zu Grünen-
mettstetin zur Unterhaltung des ewigen Lichtes gekauft wurde (dies
sog. “Kirchberger Gütle” war-das Anwesen des Pfarrhofbauern nach
einer Notiz im Gült-Trägereybuch                  Näheres später!
        Die folgenden Urkunden weisen  auf, wie mannigfaltig die Grund-
herrschaft in Grünmettstetten war. Fast alle Adeligen und Ritter-
geschlechter der näheren und weiteren Umgebung waren hier begütert.
        Aus der früher erwähnten Urkunde vom Jahre 1293 erfahren wir,
daß die Ritter von Haiterbach hier Besitzungen hatten» Unterm 6. Dez.
1366 gibt Benz von Bochingen der Frau Anna Voltz. Wirtin des Hans
von Wolf ach. zu kaufen 8 Pfd Heller und stellt 6 Bürgen mit Geisel-
schaft zu leisten in Oberndorf oder Wolf ach. – Derselbe Benz von
Bochingen verkauft am 23. August (Bartholomäustag) 1392 an Diem
von Dettlingen seinen Teil des Dorfes Grünmettstetten um 350 Pfund
Heller. Kurz zuvor am Sankt Oswaldtag (5.8.1392) hatte Konz von
Bellenstein an Diem von DetÜ-ingen, seinem Oheim, seinen Teil
 (= die Hälfte) von Grünmettstetten um 150 Pfund Heller verkauft.
Auf dem Grünmettstetter Rathaus ist eine Urkunde in Original vom
Jahre 1385 aufbewahrt. Danach verschreibt am 7. Jan. 1385 Peter
von Bellenstein, Sohn des verstorbenen Hug von Bellenstein, 5 Pfd.
Heller Zins aus- seinem halben Dorf Grünmettstetten (vergleiche auch
 Kopialbuch I 225 ff).  – An St. Gregori (12.3.) 1394 verkauft Hans
 der Faiß von Ihlinqen (der vor allem in Bittelbronn begütert war)
 an Hans von Dötinqen eine Fruchtgült zu Grünmettstetten. –
 Eine weitere Urkunde vom 3. August 1400 sagt. daß Anna, Tochter des
 Hans von Boßenstein, Hausfrau des Kontzen von Bellenstein, den Dyem
 von Dötlingen für 46 Pfd. Heller ihre Wiesen an dem halben Teil des
 Dorfes Grünmettstetten und etliche Äcker zum Pfände setzt. Zwei Jahre
 später, am Guten Tag vor St. Mat-chäi (=18. Sept.) verkauften Contz
 von Bellenstein u. Anna von Boßenstein, seine Frau, an Dyem von Det-
 lingen den Teil ihrer Vogtei und alle ihre Rechte des Dorfes zu
 Grünmettstetten um 60 fl.. Gerade diese beiden letztgenannten, Contz
 von Bellenstein u. Anna Boßenstein werden in den kommenden Jahren
.noch viel genannt werden, da über 50 Jahre ein Prozess wegen der
 Erwerbung des Dorfes durch den Horber Spital geführt wurde. Doch
 darüber später 2 Als letzter Kaufvertrag in diesem Zusammenhange
 sei jener vom 16. Febr. 1407 erwähnt, wonach Hans Herrschin zu Grün-
 mettstetten an den Spital Horb eine Gült aus seinen Gütern verkaufte.

  Zusammenfassend kann man wohl sagen, daß gegen Ende des 14.
Jahrhunderts Grünmettstetten vor allem im Besitz von 2 adeliger
Geschlechter sich befand: die südliche Hälfte des Dorfes war in
den Besitz des Dyem von Dettlingen gekommen, während die nördliche
Hälfte (jenseits des Baches) noch bei den hier ursprünglich reich
begüterten Rittern von Bellenstein verblieb. Die Stammburg der
Herren von Bellenstein stand einst auf einem Felsvorsprung im Glatt-
tal unweit Böffingen Kr. Freudenstadt.

Älteste Urkunde Über Grünmettstetten:
   Am 6. Mai 782 schenkte ein gewisser  Isenhard (von Tal-
heim) seinen gesamten Besitz zu “Metzesteten”
 “Donatio Isenhardi in Daleheim. In Christi nomine sub die 2. nonas
 Maii anno 14. Karoli regis ego Isenhardus pro remedio anime mee
 dono ad sanctum Nazarium martyrem, qui requiescit in corpore in
 monasterio Laurissamensi, ubi venerabilis Helmericus abbas
 präesse videtur, donatumque in perpetuum esse volo et promptissi-
 ma voluntate confirmo in pago Alemanie in Waldahure marca et in
 villa Tungelingen et in Daleheim et in  Metzesteten,
 quidquid habere videor, stipulatione subnixa. Actum in monasterio
 Laurisham tempore quo supra”.
    Dieser genannte Isenhard in Talheim hatte in der näheren und
 weiteren Umgebung Besitzungen und vermachte dieselben zu Waldach
  (Ober- u. Unter-) Tumlingen, Talheim und Grünmettstetten dem Kloster
 Lorsch. Um 1180 legten die Mönche des Klosters im sogenannten
 Lorscher Codex (codex Laureshamensis) ein Verzeichnis der vielen
 Schenkungen (vor allem aus der Zeit Ende des 8. u. Beginn des 9.
 Jahrhunderts) an. Heute befindet sich dieser Codex Laur. im Haupt-
 staatsarchiv München 2, Arcisstr. 12, herausgegeben von Karl Glöckner,
 Band I – III, Darmstadt 1929-36 (Vgl. Glöckner III Nr. 3305).
              Ergänzung 1965  auf Grund Nachforschungen beim
                              Staatsarchiv Stuttgart.

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