§ 3 Aus grauer Vorzeit

   Die Urbewohner unseres Gebietes waren Kelten. In der 2. Hälfte des
1. Jahrhunderts drangen die Römer vom Rhein her in das Land ein.
Sie suchten vor allem eine Verkürzung der langen Rhein-Donau-fluß-
qrenze zu erreichen. Dazu errichteten sie den germanischen Limes
(= Grenzwall). In diesem neuen Gebiet, Dekumatenland genannt, legten
die Römer ihre guten Heerstraßen an. Eine solche durchquerte auch
unsere Markung, bekannt unter dem Namen Hochsträß, beginnend von
Rottenburg über Eutingen. Seehaus, Zollhäusle. weiterführend nach
Oberiflingen auf  die Schwarzwaldhöhen. An den Verkehrspunkten er-
richteten die Römer ihre Kastelle. In der Nähe des Seehaus, in den
sogenannten Burgäckern, wurden Überreste   solcher römischen Bauten
entdeckt (vor allem römische Ziegel).
     Unsere Vorfahren, die Allemannen oder “Sueben” (daher der Name
“Schwaben”) haben ihre Toten in Reihengräbern bestattet. Ein derarti-
ges Reihengrab hat man hier in der “Grub” gefunden.
     Mit dem Sieg des Frankenkönigs Chlodwig setzte die Christiani-
sierung der Allemannen ein. Die ersten Pfarrkirchen, auch Leut-kirchsi:
genannt, erstanden in den Hauptorten der Hundertschaften, in den
Urdörfern: Dornstetten, Altheim und Iflingen. Zum letzteren gehorte
Grünmettstetten trotz der Nähe Altheims. Grund dafür dürfte sein,
daß die Herren von Neuneck.    Bellenstein und Boßenstein, Lichtenfels
und Dettlingen, unser Dorf in ihrem Besitz hatten.
     Man könnte die Frage stellen, ob Grünmettstetten nicht auch
wie viele andere Orte einen eigenen  0 r t s a d e l  besaß. Flur-
namen wie “Burgäcker”,”Burrain”, auch “Wirrstall” (= Wurr- oder Burg-
stall) könnten auf eine ehemalige Burg schließen lassen. Doch es
fehlen sämtliche Beweisstücke dafür. Möglich, daß jene “Azelin und
Hildegard von Mezzestettin”, die um das Jahr 1100 das neugegründete
Kloster Reichenbach mit Gütern dahier bedachten (im Fleckenbuch
vom Jahre 1756 sind noch 2 Reichenbach-sche Hof guter genannt)
die letzten Träger eines Ortsadels waren. Nach mündlicher Über-
lieferung soll auch Ida von Toggenburg hier ein Schlößchen gehabt
haben (die heutigen Häuser von Appenzeller, Zimmermann, und Anton
Schäfer in der Schafgasse). Doch das dürfte mit Sicherheit nicht stim-
men! Einen sicheren Beweis, daß der Ort ohne Adelige war. liefert die
Tatsache, daß in keiner einzigen alten Urkunde ein Grünmettstetter als
Zeuge genannt ist. Wie aus den Urkunden von 1293 bis 1552 im folgenden
zu ersehen ist, waren nur auswärtige Adelige und Bürgerliche hier
begütert. Der Verkauf des Ortes an Horb durch die Herren von Bellen-
 stein und den Herren von Dettlingen schließlich widerlegen die Annahme
 eines Ortsadels dahier.
       Grünmettstetten gehörte zur Grafschaft  Hohen berg
 (Stammburg Oberhohenberg bei Deilingen-Gosheim). Als die Tübinger
 Linie (Pfalzgrafen) ausstarb, kam Horb samt allem Zubehör an den
 Grafen Burkhard III. von Hohenberg zurück. Nach dessen Tod wurde
 die ganze Grafschaft aufgeteilt unter Albert II. und Burkhard IV.
 Letzterer bekam das Gebiet links des Neckars, also den westlichen
 Teil, darunter auch Grünmettstetten. (Albert II. zog mit seinem
 Schwager König Rudolf von Habsburg gegen die Raubritter aus und
 fiel 1298 in einem Gefecht bei Leinstetten). Als oberster Landesherr
 hatte Burkhard ein besonderes Augenmerk darauf, daß keine Besitz-
 veränderungen ohne sein Wissen und seinen Willen durchgeführt wurden.
 Jeder Gütertausch mußte vom Grafen genehmigt und gutgeheißen sein.
 So ist uns eine lateinische Urkunde aus dem Jahre 1293 überliefert,
 die von einem Güterverkauf in Grünmettstetten handelt. Berthold von
 Haiterbach, Ministeriale (= Dienstmann) des Grafen verkaufte an
 den Magister Konrad. Chirurgicus in Horb, seine Güter zu Grün-
 mettstetten. Der Graf bestätigte den Vertrag: “Wir Burkhard,
Graf von Hohenberg, tun kund allen, die diesen Brief sehen
oder auch nur davon hören, sei es jetzt oder später, daß Berthold
Ritter von Haiterbach, unser Dienstmann und sein Sohn Volmar und
Adelheid, Gemahlin des Volmar, Güter gekauft haben, gelegen in
Grünmettstetten. an den Magister Conrad, Chirurg in Horb, mit
unserer Hand und Zustimmung….   geschehen zu Weiler am Tag
Maria Geburt 1293. Zur Bekräftigung und zum unzweifelhaften Zeug-
nis haben wir Burkhard, Graf von Hohenberg, unser Siegel diesem
Briefe beigegeben….”
      Der letzte Hohenberger war Graf Rudolf III., der Gemahl der
                I d a  von  Toggenburg.
Früh verwaist war er ein schlechter Haushalter. Stück um Stück seiner
Grafschaft mußte er verkaufen. So versetzte er 1371 an seine Ge-
mahlin Ida um 655 Pfund Heller das Dorf Altheim. 10 Jahre später
hatte Rudolf so herabgewirtschaftet, daß er 1381 seine ganze Herr-
schaft an Herzog Leupolt von Österreich verkaufen mußte. Erlöse
66000 Goldgulden. Seine Gemahlin Ida sollte 10000 Gulden erhalten.
Als Ida ihr Vermögen gesichert sah, machte sie mehrere Schenkungen
an kirchliche und wohltätige Anstalten der Städte Rottenburg,
Horb, Haigerloch und Rottweil. So schenkte sie an den Spital in
Horb das Dorf Altheim, ebenso das halbe Dorf Salzstetten, das sie
1379 um 250 Pfund Heller von Diem zu Steinhülben erkauft hatte.
1393 vermachte Ida noch an den “Heiligen” (= Kirchenpflege) zu
Altheim einen Wald auf dem Niefranerberge mit der Bestimmung,
daß dafür jährlich ein wohlgemäst Schwein den armen Leuten daselbst
ausgeteilt werden sollte.

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