§ 28 Wie unsere Felder und Leute heißen

§  28  Wie unsere Felder und Leute heißen

Die Flur- und Haus- (vielleicht auch Spitz-)namen

Kommt ein Fremder in den Ort herein und sucht eine Adresse, dann
kann er leicht in die Irre gehen, denn  es gibt wohl eine Altheimer-
straße, aber man sagt “Winkel”, offiziell gibt es eine Tumlinger-
straße, aber sie heißt einfach “Froschgasse”. Jede Straße hat ihren
besonderen Namen, jedes Haus trägt von alters her seine Bezeichnung
und das Feld trägt Namen, die nur der Einheimische versteht.
Fangen wir mal bei den Flurnamen an und machen einen Bummel durch die
Markung. Bei der Altheimer Säge steht der Grenzstein: dort ist der
Hochberg und das Rammentäle, daneben der Wäsinger, rechts von der
Straße sind die Unterwiesen, durch die – nunmehr korrigiert – die
Steinach fließt. Darüber sind die Hanfwiesen und die Maiäcker. Bei
der Weggabelung zum Altheimer Bahnhof ist die Weinbruck (hier gab
es einmal Wein), dahinter das Mönchtal (wohl einst im Besitz des
Klosters), am Ortseingang die Grub (hier wurden allemannische
Reihengräber gefunden). Hinter dem Dorf in Richtung Tumlingen sind
links die Hofäcker (vielleicht einst zum Paiterhof gehörig?), darüber
ist die Kohlgrub mit der neuen Kapelle, dahinter das Büchle, dann
folgt der Birkwasen, der Wirrstall (ursprünglich wohl Burgstall?) und
Margental. Dort endet die Markung gegen Tumlingen. An der Grenze
liegt die Katzenhalde. Zur rechten Seite kommen wir zuerst an den
oberen Wiesen vorbei, dahinter liegt das Bohlland, dann folgt der
Birken. Den Äschenberg weiter gelangen wir ins Haarland u. Linsen-
berg, Lachen, Stauden und Maiental. Auf dem Salzstetter Weg am
Friedhof vorbei sehen wir hinunter in die Waldbrunn, zum Hummelberg,
zum Fichtenwäldle und Burrain. In Richtung Bittelbronn kommen wir
zum Mittelweg, Klingental, links liegt der Schuttplatz im Resp.
Beim Siedlerhof Jung ist das Zollhäusle und das Flachsland, an der
Freudenstädter Staatsstraße der Langenhaag, dahinter Untereichen
und schließlich der Birkwasen. Beim Dettingerweg kommen wir in den
Spitalwald, rechts der Fahrstraße liegt das Ährenbüchle. Vom Halden-
kreuz hinab zum See sind links die Burgäcker, dann die Taläcker und
die Seewiesen. Über der Bahnlinie ist der Dettingerweg und das Hag-
bühl und der Gemeindewald. Beim Bahnwärterhaus liegen die Seiten
und Schlaith.
   Diese Flurnamen sind schon uralt. Man findet sie zum Teil in den
ältesten Schriftstücken.
Ahnlich ist es mit den Haus- bzw. Familiennamen. Im Dorf gibt es
keinen Herrn Schäfer oder Frau Saier! Wer sollte das auch sein, wo
doch das halbe Dorf Schäfer, Saier, Steimle, Wehle oder Kreidler
heißt? Die Hausnamen setzen sich aus den Vornamen von Vater und
Großvater zusammen, wie z.B. “Hugo-Mate”, “Karles-Josefe” und
“Karles-Hannesles” oder “Kilian-Mate” oder “Kasper-Gustel”, “Bolza-
Gustav”, “Piusen-Emil”. Vielfach wird als erste Bezeichnung auch der
Beruf genommen wie z.B. Schreiner-Gustel, Schneider-Mate, Schulzen-
johann, Schützen-Franzel, Schuhmacher-Emil, Küfer-Josefa.
Da es soviele “Martin” gab und noch gibt, so mußte man also genau
unterscheiden. Es seien nur einige “Martins” aufgezählt: Schneider-
Mate, Saier-Mate, Stoffel-Mate, Küfer-Mate, Schulza-Mate, Hugo-Mate,
Schetter-Mate, Weber-Mate, Kilians-Mate. Dann gibt es wiederum Kurz-
namen wie z.B. ” ‘s Bota, Marquarts, Marzelle, Maiers, Jörgles,
Emmäle, Akeles, Strickerles, Gärtners. Früher gab es noch (zum Teil
als Übernamen) Batzebäuerle, Hanseles, Bäuerles, Kanzle, Valentins,
Berg-Antones, Gayschneider, Haiberger, Annahannis und Spielmann.
In den alten Pfarrbüchern ist meist neben dem regulären Namen der
Beiname angegeben (= vulgo Haiberger). Vulgo bedeutet soviel wie
“im Volksmund”.
   Es wäre schade, wenn die alten Haus- und Familiennamen unter-
gehen würden. Das Dorf würde mehr und mehr seine Eigenart verlieren,
wenn neben dem Hauseingang jeweils die Hausglocke und das Täfelchen
des Wohnungsinhabers zu finden wären. In der bisherigen Tradition
war jeweils die ganze Sippe genannt: das Zusammengehörigkeitsgefühl
war viel stärker, heute möchte jedes für sich sein. Bisher war man
eine große Dorf -“Familie”, wo der eine den andern “duzte” und mit
dem Vornamen anredete.

Quelle: Hermann Schneider, Heimatbuch, Nachdruck von 1997
gescant: Marc Kreidler, 25.8.2004
Korrektur gelesen: Marc Kreidler, 9.1.2005

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