§ 20 Von alten Maßen, Münzen und Gewichten

Heute im Zeitalter der Technik ist alles genormt und in das Dezimalsystem hineinverpaßt. Früher war es anders. Für den heutigen Menschen ist es schwer, mit den alten Maßen zu rechnen, so ungefähr, wie wenn man heute mit ausländischem Geld, seien es Francs, Lire oder Schilling, zu zahlen hat.

Größere Strecken wurden nach Schritten gemessen: der Weg nach Horb betrug einige Tausend Schritte, der Weg von Horb hierher etwas mehr (bergauf waren die Schritte kleiner!). Felder und Wiesen und Wälder wurden nach Jauchert bemessen, 1 Jauchert betrug 47 ar (= 1/2 Morgen), 1 Jauchert Acker war die Fläche, die ein Mann mit einem Joch Ochsen an einem Tag pflügen konnte. Bei den Wiesen hieß es Mannsmahd oder Tagewerk: die Fläche, die 1 Mann an 1 Tag mähen konnte, 1 Ruthe betrug ca. 8 ar. Das Getreide wurde nach Malter, Scheffel, Simri, Vierling, Achtel und Ecklein berechnet. Ein Malter war ursprünglich die Menge, die auf einmal in den Mahlgang geschüttet wurde, 1 Simri faßte 22 1t, 8 Simri ergaben 1 Scheffel (= 177 Itr.). 1 Ecklein als kleinstes Hohlmaß faßte 0,7 Itr., 1 Fuder Stroh wog 16-24 Zentner. 1 Wanne Heu dagegen nur 10 Zentner. Wein wurde mengenmäßig nach Eimer berechnet. (= 38 Itr). 3 Eimer ergaben ein Fuder Wein. Ein Maß Wein, das zum Ausschank kam, faßte 1,19 Itr. Das Holz wurde nach Klafter bemessen: 1 Klafter: 6 Schuh hoch, 6 Schuh breit und 4 Schuh lang (= 3,5 cbm). Der Geldwert wurde meist in Gulden oder Heller (Pfund Heller) angegeben, 1 Gulden (fl abgekürzt; vom Lateinischen florens). 5 Gulden = 1 Dukat, 1 Reichstaler = 3 fl, 1 Karoline betrug 11 f1. (Anmerkung: Die Rexinger Vieh Juden rechneten bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts noch mit Karolinen). Das Kleingeld waren die Kreuzer; 1 fl = 60 Kreuzer (kr), 1 Groschen = 3 kr. 1 Batzen = 4 kr, 1 Sechser = 6 kr, 1 Kopfstück = 20 kr, 1 Orth = 15 kr = 1/4 f1. Ein Pfund Heller bestand aus 260 Heller, 2 Heller ergaben 1 Pfennig. Bei der Geldumstellung im Jahre 1875 wurde für 1 fl = 1,71 Mark berechnet.

Die Kaufkraft des Geldes vom Stand des Jahres 1950
um 1650 60 mal mehr
um 1750 ca. 30
um 1820 15 mal mehr
um 1860 8 mal mehr
um 1900 5 mal mehr
1925-40 2 mal mehr
1950 1
und heute?? vielleicht 1/2 oder noch weniger?
Im Jahre 1840 wurde bezahlt für 1 Jauchert Acker in
bester Lage 6-700 fl
mittlerer 3-400
schlechter 1-200 f1.
1846 kostete
1 Pfund Ochsenfleisch 8 kr,
1 Pfd.Butter 19 kr,
1 Simri Weizen 3 fl 12 kr,
1 Klafter Tannenholz 8 f1.

Nach dem 1. Weltkrieg (1919-23) kam die Geldentwertung (Inflation genannt): 1 Goldmark hatte im Jan. 1922 den Wert von 26 Rentenmark. am 1. Nov. = 1100.-, am 30. Aug. = 3 Millionen, am 1. Okt. = 60 Millionen. am 11. Okt. 1923 hatte die Goldmark den Stand von 1.2 Milliarden erreicht und am Ende der Inflation (20. Nov. 1923) sogar die astronomische Zahl von 1 Billion Papiermark.

Einige von diesen Geldscheinen jener Zeit sollen als Beilage in diese Chronik eingefügt sein.
Ende Nov. 23 mußte die Gemeinde für 1 Kehrbesen und 1 Paket Streichhölzer nur 4 Billionen und 500 Milliarden Mark bezahlen. Alf Monatslohn erhielt der Schultheiß in dieser letzten Zeit 38 Billionen, der Gemeindepfleger 6 Bil1., der Polizeidiener 8. der Schuldiener 2 und die Handarbeitslehrerin 1,17 Billionen Mark.

Während der Inflationszeit wurde auch das Schwesternhaus gebaut, die Preise stiegen von Tag zu Tag: es wurde zum teuersten Haus der Gemeinde, in Wirklichkeit aber kostete das Haus, wie Pfarrer Honer in der Pfarrchronik vermerkt, kaum mehr als 20 Goldpfennige (kurz vor seinem Tod berichtet Pfr. Honer dem Verfasser dieser Abhandlung, daß er damals von Amerika einen Dollar erhalten habe, mit dem praktisch der ganze Schwesternhausneubau finanziert werden konnte).

Doch darüber später mehr.

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