§ 2 Was uns der Name sagt

   “Grünmettstetten”, diesen langen 4-silbigen Ortsnamen mit seinen
5 T hat der mundfaule Schwabe schon längst gekürzt. Er sagt einfach
“Mettstett” und ist damit der ursprünglichen Form schon ganz nahe
gekommen. Die ältesten Urkunden nennen den Ort “Mezzestetten” (bis
ungefähr zum Jahre 1300), später heißt der Ort wohl zur Unterschei-
dung von Dürrenmettstetten, das ca. 8 km südlich auch noch im Kreis
Horb liegt, “Grünen-Mezzestetin” (so 1278) oder “Grienen-metstetten”
(1559). In den Pfarrbüchern ab 1660 kommt vielfach wieder die Kurz-
form “Metstetten” oder “Metzstetten” bzw. “Mettstett” vor, das
letztere vor allem in den alten Rosenkranzbruderschaftsakten.
       Die Endung  auf -stetten läßt uns in etwa die Zeit der Dorf-
gründung erraten. Es muß wohl um das Jahr 500 n.Chr. gewesen sein,
als die Allemannen von ihren Besiegern, den Franken, weiter nach Süden
zurückgedrängt wurden und auf diese Weise eine zweite Siedlungswelle
von Ortschaften auf -heim, -stetten, -dorf, -hausen, -felden und
-zimmern einsetzte. Die erste Siedlungswelle war um die Mitte des
3. Jahrhunderts (260), als die Allemannen (= Sueben), vom hohen
Norden kommend, den römischen Grenzwall durchbrachen und unser Gebiet
(das sog. Dekumatenland) besetzten. Diese ersten Siedlungen und
Ortsnamen enden auf -ingen. z.B. Volmar -ingen, Ergatz -ingen.
Wito -ingen. Tutilo -ingen. Die ersten Siedlungen bekamen ihren Namen
vom Sippenältesten, dem späteren niederen oder Orts-adel.
   Grünmettstetten wurde bisher als “Stätte des Matzi, Mazo, Mezzo”
gedeutet, also als Sippenname erklärt. Der Schreiber dieser Chronik
lehnt diese Erklärung ab. Man bedenke: alle andern Ortsnamen auf
“stetten”, sei es in der näheren oder weiteren Umgebung, schließen
eine solche Deutung aus; sie drücken vielmehr die Lage oder die Be-
schaffenheit der Stätte aus (so z.B.: Dorn-, Nord-, Wiesen-, Wald-,
Ober-, Nieder-, Graben-, Salz-stetten). Nirgends kann man hier auf
einen Eigennamen schließen. Demnach dürfte es auch bei Grünmettstetten
der Fall sein, wozu uns noch das Wort “Grün” bzw. “Dürren” ermuntert.
Es könnte daher eine zweifache Namensdeutung in Frage kommen:
1) “Mett” = Matten (Bergwiese). Sinnvoll wäre dann auch die nähere
Unterscheidung in Grün- und Dürren-mettstetten.
2) “Mett”, abgeleitet von Metze, d.h. Opferstätte (“metzen” bedeutet
im Althochdeutschen “niederstechen”, metz(g)en. opfern. Verwandt
damit ist auch das Wort “Stein-metz”. Nach dieser Erklärung könnte
es sich bei unserm Ort um eine alte heidnische Opferstätte und zu-
gleich Versammlungsort (“Messe”), (vergleiche Leipziger “Messe”) han-
deln. Unser Dorf wäre dann ein besonderes Heiligtum der damals heid-
nischen Allemannen gewesen.

Ergänzung zu  A z e l i n  und  Hildegard  von Grünmettst.
   Im Reichenbacher Schenkungsbuch (stammend aus der Mitte des 12. Jahrh.),
das sich in der Landesbibliothek Stuttgart befindet (vgl. Wirtemb.
Urkundenbuch II S. 389 ff und Band VI S. 439 ff)
   heißt es (ohne Zeitangabe) :

“QUidam  Azelinus  de Mezzestetten dedidt sancto Gregorio
huobam in eadem villa” (Wirt. Urkundenbuch II S. 403)

“Hiltegart quedam matrona de Mezzestetten cum duobus filiis
Heinrico et Adalberto dederunt VIII iugera in eadem villa
sancto Gregorio et montem iuxta Iringisberc (= Igelsberg b. Freudenstadt)
situm. qui Theutonico nomine Eichhalda vocatur”. (S. 407)
    Diese beiden Einträge im Reichenbacher Schenkungsbuch stammen aus
der Zeit um 1100, da kurz zuvor der Tod des Abtes Wilhelm von Hirsau
(1091) berichtet wird und einiges später eine Schenkung von 1115
erwähnt wird.

Schreiben vom Hauptstaatsarchiv Stuttgart vom 7.2.66.
Nr. 572        (Stuttgart – W   Gutenbergstr. 109)

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