§ 18 Von Feuersbrünsten: Großbrand anno 1686

§ 18 Von Feuersbrünsten: Großbrand anno 1686
In den alten Akten ist kaum eine Feuersbrunst im Dorfe erwähnt.
Die alten Leute aber wissen vom Hörensagen, daß es früher hier und
dort einmal gebrannt habe. Im Jahre 1850 soll das Haus Bettau (Ge-
schwister) auf dem Äschenberg abgebrannt sein. Zwei Jahre später
soll am Ostermontag der “Hirsch” samt Nebenhaus gebrannt haben.
Die Brandursache wurde nicht festgestellt, doch vermutete man stark
Brandstiftung. Nach Angaben des Dorfältesten Oswald Walz soll auch
auf der Halde (hinter Elektrogeschäft Aug.Dettling) ein weiteres Haus
abgebrannt sein. Zweimal ein Opfer des Feuers wurde das Haus von
Eugen Kaupp. Besitzer beim l. Brand im Dez. 1881 war Karl Marquard.
Am 3. Okt. 1933 brannte dasselbe Haus zum 2.mal ab. Der Hausbesitzer
Eugen Kaupp baute an anderer Stelle wieder auf (heute Lebensmittel-
geschäft von Clemens Kreidler). Drüben in der Nähe des Friedhofes.
wo einst der Ziegler Vogelwaid eine Ziegelhütte hatte und in Gant
kam, soll ein vorsätzlicher Brand entfacht worden sein.
Pfarrer Leser und die übrigen Mitbewohner des Pfarrhauses wur-
den in großen Schrecken versetzt, als in der Nacht des 4. Jan. 1882
die Pfarrscheuer und die angebaute Ökonomie des Lorenz Gäkle in
hellen Flammen standen. Kirche und Pfarrhaus waren in großer Gefahr.
Der Besitzer, der Brandstiftung verdächtig, wurde 90 Tage inhaftiert.
aber vom Schwurgericht am 28. Juni 1882 freigesprochen.
Am 7. Juni 1963 wurde Feueralarm ausgelöst. Das Haus von Schuh-
macher Leo Dettling am Berg stand in Flammen. Die beiden Knaben der
eingemieteten Lützenhardter Familie Schmidberger haben im Heubarn
geraucht und so den Brand verursacht. Dem starken Regen zur Zeit
des Brandes ist es zu verdanken, daß das Feuer nicht auf die benach-
barten Gebäude (Georg Scherrmann, Lehmann und Lotte Müller) über-
griff.
Von einer ganz besonders großen Brandkatastrophe soll noch
die Rede sein. Erst im Jahre 1961 hat man davon Kunde erhalten.
In den Freudenstädter Heimatblättern “Der Grenzer” vom 15. Juli
1961 schreibt der Freudenstädter Heimatforscher Oberstudienrat i.R.
Dr. H. Rommel unter der Überschrift: “Grünmettstetten vor 275 Jahren
fast völlig abgebrannt!” folgendes:
Wie lückenhaft unsere Kenntnisse über die Ereignisse der jüngsten
Jahrhunderte sind, zeigt ein Zufallsfund im ältesten Kirchenbuch von
Grüntal. In dessen Anhang hat ein fleißiger Pfarrherr die Reskripte
oder Erlasse seiner vorgesetzten Ämter eingetragen und so eine Art
Registratur geschaffen. Auf Blatt 181 steht ein Erlaß des Kirchen-
rates vom Jahre 1686 an den Dekan in Freudenstadt und den Vogt von
Dornstetten. Dies Schriftstück verdient es. im Wortlaut veröffent-
licht zu werden. Denn von der dort geschilderten Brandkatastrophe
weiß kein Geschichtswerk etwas, ja erstaunlicherweise auch keines un-
serer Archive, weder die reichhaltigen staatlichen noch das landes-
kirchliche, auch nicht das Spitalarchiv in Horb, geschweige denn das
der Gemeinde.
“Von Gottes Gnaden Friderich Carl. Herzog zu Württemberg etc,
Administrator und Obervormunder etc,- Unsern Gruß zuvor, Ehrsamer,
Lieber Getrewer. Wür geben Euch hiemit zu erkennen, wasmaßen bei Uns
Schultheiß, Gericht und ganze Gemeind des Österreichischen, zum Spi-
tal zu Horb eingehörigen Fieckhens GrüenenMetstätten underthönigst
supplicando einkommen und wehmütigst zu verstehen geben: Wasmaßen
Donnerstags, den 20.ten dieses zu Ende gehenden Monaths Maij, durch
eine unversehens entstandene Fewersbrunst, nachmittag zwischen 4 und
5 Uhren, in die 28 Gebäw, also fast der gantze Fleckh, außer der
Kürchen, innerhalb 2 Stunden, in Fewer und Rauch so schnell auff-
gangen, daß alle menschliche Hülff, solcher Brunst zu wehren, viel zu
schwach sich befunden, sondern vielmehr Sie sowohlen umb ihre Hütten.
alß auch umb alle Haab und Vahrnus, so viel sich darinnen befunden.
elendiglich kommen, mit angehängten fueßfälliglichen Bitten, Wir
möchten Sie arme verbrannte Leuth mit gnädigen Augen ansehen und die
gnädigste Verordnung tun, damit ihnen bey einigen Amtern dieses Her-
zogstumbs. zu ihrer Erquickung, eine Beyhülff widerfahren möchte.
Wann Wir nun, auß tragendem christlichen Mitleiden, disen nothleiden-
den Leuthen gern geholffen sehen, zu dem Ende auch, neben ändern
Ämptern, auch Dornstetten zur Ersammlung einer Brandstewr gnädigst
assigniert haben wollen: also ist hiermit unßer Befehl Ihr der
Speziales wollet die Verfügung tun, daß gegenwärtiger Befehl nicht
nur in der Amptstatt, sondern auch in allen dahingehörigen Fleckhen
und Dorf fern, auff denen Cantzeln an einem Sonntag abgelesen, die
Zuhörer zu freywilligem Beytrag, nach jedes Vermögen, beweglich er-
innert, und dann in die aufgesetzten Beckhen die Einsammlung ge-
schehem von jedes Orths dazu Bestellten erhoben. Euch urkundlich
zugestellt, und denen Supplikanten Beampten folglich Übermacht
werden möge. Welches alles also zu geschehen. Wir Uns gäntzlich
verlassen, und arüber Bericht, was eingesammelt und denen Suppli-
kanten zugestellt worden, erwarthen.
Stuttgart, den 31. Mai Anno 1686.
Johann Heinrich v.Gaißberg, Salomon Sympertus Textor”.
In der Schilderung des Unglücks haben sich die Räte, wie üblich,
weitgehend an den Wortlaut des Bittgesuches gehalten. Ob die 28
Häuser wirklich “fast den ganzen Fleckhen” ausmachten, ist vorläu-
fig kaum festzustellen. Daß die Kirche verschont blieb, ist nicht
ohne Grund bemerkt: der Zehnte von Grünmettstetten, das der Mutter-
kirche in Oberiflingen bis zur Glaubenstrennung unterstand, ging
{bis zur Zehntablösung vor stark 100 Jahren) zum größeren Teil an
Württemberg: dieses wäre also zur Wiederherstellung der Kirche mit-
verpflichtet gewesen. Welches die anderen Ämter gewesen, in denen
die Kirchenkollekte ebenfalls durchgeführt wurde, ist unbekannt, wie
auch ihr Ergebnis. – So wertvoll disser Fund für die Ortsgeschichte
sein mag, bedeutsamer erscheint die Feststellung, daß selbst in
jenem harten Jahrhundert des großen Krieges Mitgefühl und tätige
Nächstenliebe nicht vor Herrschafts- und Konfessionsgrenzen Halt
gemacht haben.
Zu diesem Brand möchte der Verfasser dieser Abhandlung anmerken.
Nirgends ist diese Katastrophe erwähnt. Im ältesten Taufbuch ist
noch für diesen Tag der Brandkatastrophe eine Taufe verzeichnet. Für
die nächsten 2 Jahre sind wohl keine Eheschließungen vermerkt: Ur-
sache könnte der große Brand sein. Trotzdem möchte der Verfasser hinter diese Brandkatastrophe ein großes Fragezeichen setzen.

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