§ 16 Von Unglücksfällen und Seuchen

§ 16 Von Unglücksfällen und Seuchen
Darüber befinden sich viele Notizen in den Pfarrbüchern. Es ist
immer etwas passiert. Ertrunken z.B. ist am 10. April 1807 das
2-jährige Kind Anton Klink. Es fiel in die Waschgelt, die in der
Stube aufgestellt war. Arn 21. Sept. 1850 ertrank Anna Maier im Alter
von 2 Jahren im Güllen±ocn. Otto Schäfer, Postknecht, ertrank
bei der Pf erde schwemme im Neckar. In der Steinach unweit des
Ortes kam am 30. Dez. 1882 der 5-jährige Konrad Küne ums Leben.
Jakob Dettling, Sohn des Johann Dettling, war im Frühjahr 1793
für die hiesige Gemeinde freiwillig Soldat geworden und stand
als Kürassier unter dem löbl. Regiment Mack. Das Unglück wollte,
daß dieser junge Soldat am 8. August 1793 beim Baden in Ungarn
ertrunken ist.
Durch einen Sturz ums Leben kamen verschiedene Kinder und
auch Erwachsene. Am 13. Juli 1794 zerbrach der Knabe Johannes
Singer sich die Hirnschale durch Fall. Durchs Scheuerloch stürzte
die 8-jährige Kreszentia Wehle am 12. Sept. 1816 und war sofort
tot. Am 18. Nov. 1822 stürzte Peter Fritz von hier im benachbarten
Rexingen eine Treppe herab und war tot. Durch einen Sturz von der
Treppe endete auch Josef Wehle am 12. Febr. 1823. In der Scheune
tödlich abgestürzt sind am 2. Sept. 1825 Josef Wehle und am
13. Juli 1846 das 2-jährige Kind Martin Schetter. schließlich
Johann Faßnacht am 25. August 1869, als er in Rexingen beschäftigt
war. Beim Umdecken des Daches beim Hause Albert Kreidler stürzte
am 18. Juni 1907 Martin Faßnacht ab. Er hinterließ eine kinder-
reiche Familie (3 Töchter gingen ins Kloster. Schwester Servidea
wurde im Januar 1963 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet).
Beim Holzfällen im Wald verunglückte am 16. Mai 1828 Alois
Dettling. Der Knecht Fidel Beuter kam am 5. Nov. 1845 unter den
yollbeladenen Wagen. Peter Kreidler, led. Bauernknecht in der
Ölmühle in Leinstetten, hat am 26. Jan. 1827 unter dem Ölstempel
Kopf und Hirn zerstoßen und wurde tot aufgefunden. Anton Schweizer,
Wirt zu Rexingen, ritt am 17. Febr. 1800 abends von Grünmettstetten
nach Rexingen heimwärts. Er stürzte vom Pferd und wurde nachts
um 2 Uhr in seinem Blute liegend tot aufgefunden. Seine Leiche
wurde auf Bitten einer Freundschaft nach Rexingen ausgeliefert
und dort am 19. Febr. begraben.
Am 7. Juni 1784 starb Georg Leib von Obertalheim, zur
Pfarrei Altheim gehörig. Dieser Mann ging an den hiesigen See un-
weit dem Flecken, um die Flüsse an seinen Füßen durch sogenannte
Blutsauger, die da häufig anzutreffen sind, zu vertreiben. Allein,
weil er zuviel an sich ließ, ward er so zugerichtet, daß er hier
nach wenigen Stunden starb. Auf bittliches Anhalten des Pfarrers
von Altheim und seiner Freunde ward er nach Altheim ausgeliefert.
wo er begraben wurde (so berichtet PfarrerBrischar). Nach damaliger
Sitte mußte jeder dort, wo er gestorben war, auch begraben werden,
daher jeweils das Bittgesuch um Auslieferung bzw. Überführung.
Thomas Kostenbäder wurde am 10. Nov. 1844 ertrunken im Neckar ge-
funden. Agatha Schotter ertrank mit 20 Jahren am 24. April 1874
in Steimle’s Mühle zu Horb. Im Jahre 1903 ertrank beim Baden im
Neckar Johann Anton Steimle. Von einer Tanne stürzte am l. Febr.
1894 Karl Schäfer. Im Walde verunglückte auch Magdalene Schmid,
Ehefrau des Josef Schmid, im Alter von 45 Jahren, als am 14. Juli
1846 abends 4 Uhr bei einem Sturm eine Tanne umgerissen wurde,
die auf die betreffende Frau fiel und sie erdrückte.
Anton Dettling, Sohn des Johannes Dettling, lediger Müller-
knecht in Bingen an der Lauchert (Hohenzollern) wurde am 26. Ok-
tober 1799 von einem Kaiserlich-Russischen Soldaten des Tartaren-
regiments Baronowski mit einem Pistolenschuß aus Zufall erschossen.
In Wien verunglückte am 13. Sept. 1866 der Brauer August Jung von
hier tödlich; er wurde von einem Bierfaß erdrückt. Am Sonntag,
den 16. August 1914, mußte der 16-jährige Peter Zimmermann, wohn-
haft im Bahnwärterhaus beim See, sein Leben lassen. Sein Freund
und Altersgenosse Josef St. war als Bahnwache eingeteilt. Im
Spaß balgten sich die beiden, dabei ging das Gewehr des Bahn-
postens los und traf den anderen durch die Lunge. Der Getroffene
wurde in sein elterliches Haus getragen und verblutete dort
jämmerlich. Nach 2 Stunden starb Peter Zimmermann, nachdem er noch
die hl. Sterbesakramente empfangen hatte. Pfarrer Honer, der ihm im
Sterben beistand, schreibt: “Schade um den ganz außerordentlich ta-
lentierten Burschen”, und dazu die Bemerkung; “Puer telum non
habeat!” (Ein Schießgewehr gehört nicht in die Hände von Buben).
Im Jahre 1926 verunglückte Anton Wehle, Familienvater von 7 Kindern
mit dem Fahrrad auf dem Weg zum See tödlich. Das Kind Klara Kreid-
ler wurde 1935 von einem Pferd, das zur Tränke am Brunnen war. ge-
schlagen und starb an den erlittenen Verletzungen. Als letzte sei
eine Katharina Fritz genannt, die auf dem Heimweg von Horb hieher
niederkam und im Bahnwärterhaus beim See Unversehen starb am
11. Juli 1886.
Im Jahre 1795 muß hier eine Seuche gewütet haben. In kur-
zer Zeit sind 30 Einwohner gestorben, 3 davon über 50 Jahre alt,
6 waren im mittleren Alter, dazu noch 21 Kinder im Alter bis zu
7 Jahren. Innerhalb von 14 Tagen sind in jenem Jahr 8 Kinder an
Gichter gestorben. Vom 2. Febr. bis 5. Mai 1799 (das sind 3 Mo-
nate!) sind dahier 29 Kinder im Alter von 1-6 Jahren an Blattern
(= Pocken) gestorben. Im Jahre 1838 war die Ruhr hier ausgebrochen
und sie forderte 47 Todesopfer in einem einzigen Jahr (In diesem
Jahr wurde auch der neue Friedhof angelegt, bei einem solchen Mas-
sensterben reichte der alte Friedhof um die Kirche herum nicht mehr
aus!). Schon 2 Jahre später, 1840, gab es wieder großes Kinderster-
ben. 35 Personen starben, davon 25 Kleinkinder bis zu 2 Jahren an
Gichter. Am Ende des l. Weltkrieges, November und Dezember 1918,
krassierte eine heimtückische Grippe im Land und suchte sich hier
12 Todesopfer aus.

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