§ 15 Von kalten Wintern und dem teuren Jahr

§ 15 Von kalten Wintern und dem teuren Jahr
Schon die Lage am Rande des Schwarzwaldes bedingt ein rauheres
Klima. Der Menschenschlag hat sich an die Unbilden der Witterung
gewöhnt und ist abgehärtet. Es ist nicht zu verwundern, wenn
viele Leute ein hohes Alter erreichen. Schnee und Kälte kehren
jedes Jahr wieder, doch da gibt es auch Absonderheiten. So hat
es vor 6 Jahren am 7. Mai 1957 einen Schnee von 20 cm Höhe hinge-
worfen, sodaß der Schneepflug eingesetzt werden mußte. Die Bäume
standen alle schon in Blüte. In diesem Jahr gab es kein Obst mehr.
Schnee im Mai wird des öfteren vermerkt. Am 20. Mai 1775 hat es
1-2 Schuh hoch geschneit; ein Jahr später fiel am 24. Mai soviel
Schnee, daß die Hirten an diesem Tag nicht ausfahren konnten.
Während der Winter 1833/34 so linde war, daß im Januar schon die
Frühlingsblumen blühten und das Gras gemäht werden konnte, war
der Winter 1845/46 ein gar grimmiger. Am 10. Februar 1846 lag
der Schnee (nach Angaben von Pfarrer Schraivogel) 22 Fuß hoch,
das wäre rund 3 m hoch. Der damalige Pfarrer fügt an: “Seewirt Josef
Wehle konnte, obwohl er schon 3 Tage gestorben war, nicht beerdigt
werden, bis durch die Mannschaften eine Bahn gemacht war”. Dazu
bemerkte aber Pfarrer Leser am Rande; “Rein verlogen!”. Am 13./14.
Februar ist laut Totenregister Martin Klink (51 Jahre alt) auf dem
Kniebis erfroren. In der Pfarrchronik schreibt Pfarrer Schraivogel
weiter; “Am 15. Februar 1846 brachen, vielleicht durch den harten
Frost veranlaßt, zwei Eisbären in unser Dorf herein, die eben an
diesem Tage bei einer Hochzeit zum goldenen Hirsch dahier in
Grünmettstetten gesehen wurden”. Zu diesem Bericht konnte und
mußte wohl auch einer seiner Nachfolger, Pfarrverweser Ruetz,
am Rande vermerken: “Wenn das nicht gelogen ist! 0 Schreivögele!”.
Man hatte wohl dem Pfarrherrn einen”Bären aufgebunden”. Es war
wohl um die Fasnetszeit herum!
Vor Weihnachten 1886 hat es eine gewaltige Schneemasse hinge-
worfen und derart geweht, daß man einigemale täglich 2 mal mit
dem Bahnschlitten fahren und zum öfteren schaufeln mußte. Der
Winter 1888/89 begann außerordentlich gelind. Hatte es am
27. Januar fast den ersten Schnee hingeworfen, so schneite es
am 6. Februar derart, daß mehreremale geschaufelt und gebahnt werden

mußte. Dem See zu lag so hoher Schnee, wie es die ältesten
Leute dahier noch nie gesehen. Erst im Monat Mai ließ die Kälte
nach. Viel Schnee brachte auch der Winter 1952/53. Vom Samstag
auf Sonntag (31. Jan./l. Febr.) hat es furchtbar gestürmt und
geschneit. Mehr als l m hoher Schnee fiel in dieser Nacht. Den
ganzen Tag über stürmte es schrecklich. Nur mit Müh konnte der
Pfarrer mit einem Traktor durch die 1,5 m hohen Verwehungen kommen.
In Holland, Belgien und England hat dieser Sturm große Verheerungen
angerichtet. In Holland brachen die Dämme ein, mehr als 1700 Men-
schen fanden den Tod in den Fluten. Der Bahnschlitten mußte oft von
8 Pferden gezogen werden, die nur mühsam durchkamen. Am Zollhäusle
lag der Schnee 3 m hoch aufgetürmt am Straßenrand. Von den Weg-
schildern konnte man gerade noch die obere Spitze sehen.
Wohl das allerschlimmste Jahr dürfte das Jahr 1816 sein, das
auch das “teure Jahr” bezeichnet wird. Der Chronist von Grünmett-
stetten (Pfarrer Schraivogel) schreibt darüber 20 Jahre danach:
“Im Jahre 1816 regnete es von Frühling bis Herbst fast alle Tage.
Das Vieh mußte wegen Futtermangel fast hungers sterben. Die Büschel
Stroh galt bei uns 24-30 kr. Wegen dem ungeheuren Regenschauer konnte
keine Gattung Früchte zur Reife gelangen. Die Ernte hatte erst am
10. Sept. angefangen und Mitte Oktober war noch Winterfrucht auf
dem Felde. Die Sommerfrüchte kamen garnicht zur Reife. Viele blieben
über den Winter auf dem Felde und verdarben. Am hl. Christtag, St.
Stefanstag und Johannestag haben die Leute in der Gegend von Freu-
denstadt bis Nagold und Wildberg viele 100 Garben aus dem Schnee
herausgebunden und nach Hause geführt. Die Preise stiegen immer
höher. Es kostete der Scheffel sept./Dez. 16 März 1817 Juni 1817
Dinkel 10-11 fl 22 fl 33 fl
Gerste 16-18 36 96
Haber 8- 9 Ackerbohnen 40
Das Simri Kartoffeln 2 fl 2 kr, der 4-pfündige Laib Brot l fl 44 kr.
Das Pfund grüner Speck 30 kr, Rindfleisch 24 kr, der Schoppen Wein
30 kr.
Im Monat Juni 1817 hat König Wilhelm I. die Frucht taxiert,
sodaß der Scheffel Dinkel 16 fl, Kernen 40, Gerste 24. Haber 12.
Roggen 25 und Weizen 40 fl kostete. Es gab hier Familienväter, die
für erkaufte Früchte 800 fl auslegen mußten, und, um ihre Schulden
zu tilgen, genötigt waren, ihre Grundstücke zu verkaufen. Die
Kartoffeln wurden nicht mehr vorgewogen, sondern vorgezählt, so-
daß eine auf 3 kr kam. Es war in diesem Jahr, als wäre der Segen
Gottes gänzlich gewichen. Wenn man aß, so hungerte man gleich
hernach wieder”. —
Das Jahr 1843 war wiederum ein Jahr der Mißernte. Es hat nicht
geregnet. Es gab kein Fuüer, sodaß man das Vieh wegschlachten mußte.
Ein Paar Ochsen kaufte man für 33 fl, eine Kuh mit Kalb für 17 fl.
das Pfund Fleisch kostete 2 – 3 kr.

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