§ 14 Vor Blitz, Hagel und Ungewitter.

§ 14 Vor Blitz, Hagel und Ungewitter.
Harmloses Tagegespräch Nummer eins war, ist und wird bleiben das
“Wetter”. Wenn man sonst nichts weiß, fängt man vom Wetter an.
Im Folgenden soll auch vom “Wetter”, besser gesagt, vom Unwetter
die Rede sein. Eigenartig, wie solche Unwetterkatastrophen, Hagel-
schlag, Überschwemmung, Erdbeben, Schnee und Kälte, Blitz und Dürre,
im Gedächtnis der Menschen haften bleibt.
Fangen wir mit dem “Blitzen” an. Schon mancher Blitz ist in
der langen Geschichte des Dorfes herniedergefahren und mancher Don-
nergroll hat das Steinachtal erfüllt. Doch nur von 3 bedeutenden
Blitzschlägen ist Näheres überliefert. Am 23. Mai 1882 wurde
der ledige Wegknecht Josef Dettling (62 Jahre alt) auf der Straße
nach Bittelbronn, am Respwäldle, vom Blitz getroffen. Er hatte
unter einer Tanne Schutz gesucht. Unmittelbar vorher hatten
mehrere Kinder bei ihm unter derselben Tanne Schutz gesucht, wur-
den aber vom Wegknecht weggejagt. “So wurde er für sie zum Schutz-
engel”, wie Pfarrer Leser in der Chronik schreibt. Heute noch steht
ein allerdings verwitterter mit schlecht leserlicher Inschrift ver-
sehener Gedenkstein dicht hinter dem Kreuz von Martin Schäfer im
“Espenloch”. Ein 2. Blitzschlag ist vermerkt unter demselben
Datum, dem 23. Mai des Jahres 1909 (Sonntag vor Pfingsten). Abends
7 Uhr 10 Minuten schlug, während in der Kirche der Rosenkranz
gebetet wurde, der Blitz in den Kirchturm und deckte teilweise
das Turmdach ab. Einige Balken des Dachstuhls, besonders die
eichene Königssäule und ein Teil des Glockenstuhles wurden zer-
trümmert. Der Blitz fuhr dann herunter in das Erdgeschoß und zer-
störte die unterste Treppe und suchte durch die meterstarke Mauer
seinen Ausgang. Glücklicherweise zündete der Strahl nicht. Unter
den im Gotteshaus Versammelten entstand eine gewaltige Panik. Alles
verließ sofort die Stühle und drängte den Türen zu, von denen
jedoch, da sie nach innen sich öffnen, je nur ein Flügel aufge-
macht werden konnte. Der Schaden, den die Katastrophe anrichtete,
wurde von der Schätzungskommission der Feuerversicherung auf
641 Mark berechnet. Um einem ähnlichen Unglück womöglich in Zu-
kunft vorzubeugen, wurde an der Kirche ein Blitzableiter ange-
bracht und neue Türen wurden an den Portalen eingesetzt. Beinahe
wäre eine ältere Frau damals beim Verlassen der Kirche zertrampelt
worden, sie starb etwas später an den Folgen dieses Unfalls.
Am Weißen Sonntag des Jahres 1952 wurde abends gegen 5 Uhr
mit allen Glocken geläutet. Ein schweres Gewitter war über das
Steinachtal gezogen. Das Haus des Josef Kaupp bei der Säge (Alt-
heim) wurde vom Blitz getroffen und stand in hellen Flammen. Die
Grünmettstetter Feuerwehr war als erste am Brandplatz und hat sich
bei den Löscharbeiten bestens bewährt.
Der erste Hagelschlaq ist erwähnt aus dem Jahre 1613.
Am 8. Juni, dem Fest des hl. Medard, herrschte ein solch heftiger
Hagelschlag, daß alle Feldfrüchte total vernichtet wurden. Von
dieser Zeit an wurde am Fest des hl. Medard eine Flurprozession
eingeführt. Heute noch ist im Gemeindehaushaltsplan für diesen
Flurgang der Posten von 2.–Mark eingesetzt. Wann dieser Brauch
sein Ende fand, läßt sich nicht sicher sagen, wohl erst nach der
Jahrhundertwende. Am 6. April 17/8 gab es ein sehr hartes Donner-
wetter mit starkem Hagel, ebenso am 7. April. Zwei Tage darauf
erneut ein überaus fürchterliches Donnerwetter, daneben angenehmstes
Frühlingswetter (Der April macht, was er will!).
Vom 20./2l. Juni 1803 gab es ein fürchterliches Hagelwetter. Die
Frucht, besonders auf dem Killberg, hat Totalschaden genommen.
Fast alle Fensterscheiben waren zertrümmert, auch die Kirchen-
fenster. Daraufhin wurde die Aloisius-Betstunde eingeführt, von der
heute niemand mehr etwas weiß. Schon wieder ein Jahr später wurde
die Gemeinde schwer heimgesucht. Am 27. Juni 1804, nachmittags
zwischen 3-4 Uhr, ging ein großes Hagelwetter, vor allem im Wirr-
stall, nieder, sodaß viele Äcker, auch besonders die Pfarräcker,
nicht den Schnitterlohn wert waren. Ebenso herrschte am 30. Juli
1873 ein furchtbares Unwetter mit Hagelschlag. Der Sturm kam vom
Bittelbronner Friedhof her. ging über den Grünmettstetter Friedhof
hinweg in Richtung Altheim – Untertalheim und richtete in Wald und
Feld (Murgental, Burrain, Killberg) am Sommerösch großen Schaden
an. Dasselbe wiederholte sich am 29. Juli 1892. Das letzte große
Hagelunwetter war am 29. Mai 1931, ein paar Tage, bevor Pfarrer
Adolf Heinzmann in Grünmettstetten auf zog. Gras und Saat war zu-
sammengequetscht am Boden, die Bäume standen kahl wie nach einem
grimmigen November stürm. Vor allem wurden die jungen Obstkulturen
vernichtet. Fast alles Getreide mußte gekauft werden. Obst gab
es nicht.
Von Hochwasser und Überschwemmungen blieb im Großen und Ganzen
der Ort verschont. Doch mußte Pfarrer Steinwand berichten, daß
“am 23. Januar 1781 dahier ein solch großes Gewässer angeloffen
sey wie nie seit Menschengedenken. Bei diesem großen Wasser, –
heißt es in der kurzen Notiz – wurde ich abends 4 Uhr berufen, die
Agatha Singerin, die Hausfrau des Johannes Dettling. zu versehen.
Dies vollbringen zu können, mußte der Pfarrer samt dem Mesner
sich der Pferde bedienen”. – Am 14. Juni 1876 schrieb Pfarrer
Leser, damals noch Pfarrverweser dahier, in die Chronik: “Zwischen
11 und 12 Uhr fiel ein wolkenbruchartiger Regen. In kurzer Zeit
waren die Straßen Wasserströme geworden, sodaß Leute, die vom
Felde heimeilten, nicht zu ihren Wohnungen kommen konnten.
64 Gänse kamen um und unter Tränen aßen am ändern Tag. dem Fron-
leichnamsfeste, die Weiber von Grünmettstetten Gänsebraten”.
Im Frühjahr 1893, um Lichtmeß, gab es in Grünmettstetten und Bit-
telbronn Hochwasser, sodaß einige Bauern mit ihrem Vieh ausziehen
mußten. Das Wasser richtete an Straßen und Feldern großen Schaden
an. Und schließlich wurde am 13. Juni 1925 durch 2 Wolkenbrüche
mit Hagelschlag das ganze Wiesental überflutet.

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