§ 10 Von Hauderern und anderen schaffigen Menschen

§ 10 Von Hauderern und anderen schaffigen Menschen
Im Großen und Ganzen ist Grünmettstetten bis heute ein “Bauern-
dorf geblieben_ die meisten sind mit Landwirtschaft beschäftigt.
86 landwirtschaftliche Betriebe gibt es zur Zeit. von 1.6 bis 14 ha
An Handwerker sind vorhanden: l Schreinerei (Hermann Saier), l Wa-
gen- und Hufschmid (Gaiaer). der sich in letzter Zeit vor allem auf
fA^orirei^^T”^^ landw±rts^^- Geräte umgestellt hat, l Maurer
S”^ ? ca ll’ 2 ^ermeister (Appenzeller und Braun), l Metzger
(Meyer) l Elektromeister (August Dettling). l Gipser (Ludwig Wehle)
in^6 S^10” stehle und Wehle). Es fehlen hier: Bäckerei9 SattTerei
Daneben o???”^’ Frlseur( Schuhmacher. Zimmermeister, Flaschnerei
S”^?^ t. ^ heute2 ganz modern eingerichtete Lebensmittel-
3^1 L^r.^^B^11 Artikeln- die i”* Do^ gebraucht werden.
3 Wirte im Dorf und 2 Gasthäuser draußen im “See” können von ihrem
Gewerbe allein nicht leben, sodaß sie nebenher noch e?ne Seinere oder
y^ Landwirt8chaft mitumtreiben müssen. Heute, wo SL S?ad?
auts Dorf hinauskommt, wo jeder sein eigenes Fahrzeug hat wo die
großen Versandhäuser jedes, auch das entlegenste Dorr belierern ist
es nicht so wichtig, daß jedes Handwerk und jeder Beruf Im Dorr’vor
treten ist. Früher war es ganz anders. Nur selten kam man i?5L
Stadt meist nur anläßlich des Marktes, wo man dann auf Vorrat
jeweils einkaufte. Das übrige machte man sich selber
^ NT?en der ^dbestellung durch die Landwirte war’es früher
vor allem das Fuhrwesen, das hoch im Kurse stand. Die Grünmettstetter
he^ß^e^irv^^1^^ ^reit bekannt- HD^ i3Cht a Hauderer”
fteißt es im Volksmund, und man meint damit einen schaffiaen Menschen
^ “Shr^annL^-^^^6’^ “Haudere^ gewesen s^nd” Morgens ‘
hei^ SL ^S^ Si8^ exn wd meist spät in der Nacht ^”^te man
heim. Mit ihren Planwagen kamen die Grünmettstetter bis nach Frei-
daruber^? ‘ Ma^2′ ja Koblenz- Gab es im engeren Bezirke adir
den Grün^i?;”? großere ^^sporte zu besorgen, so klopfte man bei
den Grunmettstettern an und hieß sie ihre rassigen Pferde schirren
Schon vor 150 Jahren blühte dieses Gewerbe. Zu Jen ers^eS Hauderern
däT?; 2 ^^ namens schetter- die – ^ “^ eLes zu nennen e
den Auftrag bekamen, die ersten Champagnerflaschen von der Hütten-
verwaltung Schonmünzach nach Eßlingen zu fahren, wo sich eine Sekt-
kellerei auf getan hatte. Es gehört nicht viel Phantasie dazu s?cn
diesen Transport von Flaschen vorzustellen. Die Wagen, die mit Planen
S;^;^ war^’ natürlich “^ 4. manchmal sogar nSTe Pr erden be?
Sn ^oh ? y dlewa9en auf der Höhe waren, hieß es tücht?S s^haf-
^1. ^ S6 ^ Fuhrleute in ^ren blauen Kitteln vor mir. las
S ^ S auf dem Kopf, an den Füßen lange Schaftstiefel, in der
Rechten die Peitsche, die Pferde schmuck herausgeputzt: denn es
etn hn^^S ^^^^en und da konnte es schon sein. daß L-gend
h^ oh^ ^ daherkanl und sich nach dem Fuhrwerk und seinem l n6
Kessler GeorS?^ ^ ^f “T^? Eßlin^enIM I” die Champagnerfabrik
^essler-Georgil So. soll – Und mit einem kräftigen Peitschenknall
ging es weiter. Damals gab<.es noch kein -Auto-radio" Sas wahrend Sauderer"^? ^ undlaTlr1n Fahrt spielte. Dafür saßen dir S?. ^SL3 i S61" Bock und manchnlal auch auf dem Pferde und sangen die Lieder auf der Landstraße. Eines jener alten Fuhrmannslieder wurdp oeh^r^ ^ ^^^ttet; von den Alten hat es"Se Landjugend S^^^ fiV01'^3861' dieses Buches hat Text und Melodie zu PapSr ^?fa S ä ^ Wahrscheinlichkeit nach ist Dichter und KomponTs? unter den Hauderern selber zu suchen. Warum soll ein Hauderer auf können? Sernun11?6; "^ auch etwas Geschei^- zusammenreL:n Können? Hier nun Text und Weise: Laut Farn.Register ist der Fuhrmann Anton Scheiter im Alter von 47 Jahren am 8. März 1856 in der Nähe von Zürich/Schweiz tödlich verun- glückt. Als in den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Eisenbahnlinien aufgebaut wurden, war die Blütezeit des Fuhrunter- nehmens vorüber. Von den einstigen 85 Pferden in Grünmettstetten sind noch ein paar würdige Vertreter in der Gemeinde, die ihr Gnadenbrot heute bekommen, ob morgen, ist schon ungewiß. Was gab es sonst noch für Berufe im Dorfe? Schon vor 1700 ist ein Schmid Hans Weber genannt, ebenso ein "Mercator" Melchior Hopfer im Jahre 1696. Mercator heißt Kaufmann, Krämer. Es war sicher noch kein großes Warenhaus, sondern im wahrsten Sinne des Wortes ein "Kram-laden". Jakob Walz wird 1704 Küfer genannt. Die Armbruster im Dorf sind seit 1720 die Wagner im Dorf. Georg Fritz, geboren 1768, war wie sein Vater und Großvater "Beck" und nebenbei noch Heiligenpfleger. An der Seestraße wohnte der Ziegler Sebastian Reichert, der das Bürgerrecht nicht besaß, sondern nur "Hintersaß" war. Biersieder waren Martin Klink sowie Peter Wehle, geb. 1776. Bei Andreas Mayer (gestorben 1848) ist vermerkt: "Bürger und Tabakraucher". Er starb mit 43 Jahren. Ob er wohl ein Opfer sei- nes Berufes geworden ist? Johannes Steimle, geb. 1806. führt die Bezeichnung "Tuchhändler", Hans Jörg Steiner "Keßler". Konrad Dettling (1837) "Leineweber". Übrigens gab es viele Weber im Dorf, zumal in früherer Zeit viel Hanf und Flachs angebaut wurde. Die Vorfahren von Bürgermeister Anton Jung waren in vielen Generationen "Bürger und Weber". Immer wieder taucht in der Sippe Dettling die Bezeichnung "Spielmann" auf. Sicher war es der Dorfmusikant, der bei festlichen Anlässen, wie Hochzeiten, aufspielte und wohl auch dazu sang. Von einem solchen Grünmettstetter Spielmann dürfte auch das alte Hoch- zeitslied stammen (darüber siehe Seite 32). Noch ein Beruf soll Erwähnung finden, den man in Grünmett- stetten nicht vermuten würde. Bei Anton Bettau, geboren 1754 als Sohn des Anton Bettau. Wirt, ist angegebens "Zoller", was wohl bedeutet: Zollbeamter. Draußen beim Aussiedlerhof des Bürgermeisters Jung ist das "Zollhäusle". Hier war die Grenze des ehemaligen vorder- österreichischen Gebietes gegenüber dem herzoglichen Gebiet von Württemberg. Die Zollgrenzen waren vor 200 Jahren also ganz nahe, heute sind es rund 100 km zur nächsten Zollgrenze nach Kehl oder Bargen, bald werden auch diese Grenzen fallen. Wenn dann unser Zoller Bettau wiederkäme, er hätte keine Arbeit mehr l

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